Montag, 26. September 2016

Urlaubsmitbringsel

Peggy von Multikulinarisches stellt jeden Monat eine Geschmacksfrage, die ich meistens sehr toll finde. Leider finde ich nicht immer die Gelegenheit, ausführlich zu antworten. Dieses Mal geht es sich zum Glück aus. Im September fragt sie: "Geht ihr auf Reisen gezielt auf der Suche nach einheimischen Spezialitäten? Welche ess- und trinkbaren Mitbringsel (bzw. Spezialitäten vor Ort) empfehlt ihr für welches Reiseziel?"

Kurz gesagt: Ja! Unbedingt und zwingend gehen der Turbohausmann und ich in Urlauben und beruflichen Auslandsaufenthalten auch kulinarisch auf die Suche. Dieses Jahr hat es uns schon wieder mal einige Male an essenstechnisch interessante Plätze geführt.


Wir waren im Frühlingin Barcelona - in diesem Posting habe ich ausführlicher davon erzählt mit jeder Menge kulinarischer Tipps. Auf dem Foto sieht man Chocolate con Churros. Churros sind frittiertes Brandteig-Gebäck, die in dickflüssige Trinkschokolade, Chocolate, getunkt werden. Kein Spanienaufenthalt ohne diese Kalorienbombe!

Was man unbedingt mitbringen sollte aus Spanien: Mindestens eine Packung dieser Schokolade, denn so etwas gibt es bei uns nicht zu kaufen. Die Schoki ist sehr fein, wenn es draußen richtig kalt ist, dann heimkommen und eine Tasse dicke, heiße Schokolade.
Noch ein Muss: Pimentón de la Vera, geräuchertes Paprikapulver, die milde und die scharfe Variante. Und auch sonst diverse Paprikazubereitungen - einfach ein gutes Gewürzgeschäft aufsuchen (Rucksack nicht vergessen ...) und einmal ordentlich einkaufen.

Es gab in Spanien wunderbaren Schinken, Jamón Ibérico, da sollte man sich auf jeden Fall durchkosten - es gibt eigene Geschäfte, in denen nur spanischer Schinken verkauft wird. In diesen Geschäften gibt es in der Regel auch Chorizo, noch so ein spanisches Nationalheiligtum. Wir haben einige wenige Packungen mit eingeschweißtem Schinken, vor allem aber Chorizo mitgebracht. Der Schinken verliert an Qualität durch das Einschweißen, die Chorizo aber nicht!


Wie jedes Jahr waren wir in Norditalien, die meiste Zeit in Padua. Überall boomt Craft Beer, auch in Italien. So etwas lässt sich nicht so toll transportieren, das wurde gleich vor Ort verkostet. Das muss man nicht unbedingt nach Hause mitnehmen, denn die Craft Beer Szene ist in Wien so lebendig, dass man genug damit zu tun hat, wenn man sich durchkosten will.

Was man auf jeden Fall in Padua tun sollte, ist in dieses Restaurant essen gehen: Enotavola. Das ist nicht billig, aber jeder Cent ist gut angelegt. Eines der besten Essen, die ich je in Italien gegessen habe. Und das heißt was.
Ein Fixpunkt unserer Norditalien-Urlaube sind die beiden Marktplätze in Padua. Im historischen Zentrum Paduas steht der Palazzo della Ragione, auf der einen Seite ist der Piazza della Frutta, auf der anderen Seite der Piazza delle Erbe. Im Palazzo selber sind in den Laubengängen viele Käsegeschäfte und Fleischhauer untergebracht, auf den beiden Piazzas kann man Früchte, Gemüse und Kräuter, sardische Produkte und was weiß ich alles an kulinarischen Erfreulichkeiten kaufen. Es sind sehr wenige Touristen dort, es kaufen eher Leute aus Padua ein. Ich finde es wunderbar, dass so ein riesiger Markt in einer Stadt mit gerade einmal 200.000 Einwohnern so gut geht. Wir nehmen immer eine große Kühlbox mit und kaufen uns einmal quer durch.



Im Frühsommer war das Waldviertel dran. Eigentlich waren wir zu einem mehrtägigen Musikfestival dort, aber wir haben die Gelegenheit genutzt, haben uns vor und nach dem Festival viel angeschaut und waren auch in Armschlag, dem Zentrum des österreichischen Mohnanbaus. Jedes Jahr ist die Mohnblüte ein wunderbares Schauspiel. Und wie immer kaufen wir dort Mohn. Wenn man noch keine Mohnquetsche hat, ist das auch ein guter Platz, um eine zu kaufen. So etwas braucht man nämlich wirklich! Ist Mohn einmal gerieben oder gequetscht, dann kann man ihm beim Ranzigwerden fast zuschauen. Ungequetscht ist er zwar nett auf einem Mohnflesserl, aber sonst fällt mir nur wenig ein.



No und dann war ich noch in Kärnten auf Kur, um die altersschwachen Knochen auf Vordermann zu bringen. Das Essen in dem Kurheim war unteridisch, hingegen sehr fein war es, als wir einmal im Gasthaus Genottehöhe gegessen haben - zwei riesengroße Kasnudeln sind eine Portion, die sehr gut sättigt.

Auf dem Foto zu sehen sind Gailtaler Würste, die man am Bauernmarkt in Villach in Bioqualität kaufen kann. Überhaupt ist das Gailtal eine Region der Genüsse.


Da wir in Kärnten direkt an der Grenze zu Italien waren, haben wir einen Ausflug gemacht und zwar in die Heimat des Montasio. Die liegt mitten im Dolomiten National Park. Wir waren leider viel zu kurz dort, aber ein Wanderurlaub muss dort ein Traum sein.



Nachdem diese Käserei nicht einfach zu finden ist, eine kurze Anfahrtsbeschreibung, falls jemand Lust bekommen sollte: Von Tarivs nach Sella Nevea fahren, dort rechts Richtung Malga Montasio abbiegen. Und dann kommen 6 abenteuerliche Kilometer, die vor allem gegen Ende jede österreichische Bergstraße blass ausschauen lassen. Ich muss gestehen, dass ich mich dort nicht fahren getraut hätte - sowohl hinauf als auch hinunter über einige Kilometer im ersten Gang fahren, abenteuerlichste Kurven, Kühe auf der sehr schmalen Straße und halsbrecherisch fahrende Leute, die den Weg gut kennen. Es kommt dann ein Parkplatz, ab dort ist Fahrverbot. Da ist es ein netter kleiner Spaziergang bis zur Käserei und man kann sich dort in einem kleinen Imbiss auch durch die feinen Käsesorten durchkosten.






Meine Ausbeute: Ricotta, frischer und geräucherter, dazu zwei verschiedene Sorten Montasio (kurz und lang gereifter). Alles in einer wirklich tollen Qualität.

Ich bin sicher, das war nicht das letzte Mal, dass wir dort gewesen sind. Man kann sicher wunderbar in den Dolomiten wandern und wird von Touristen nicht niedergetrampelt.





Und nun zum krönenden Abschluss: Stracciatella, nein, nicht das Eis, sondern der Käse.
In Österreich habe ich den noch nie gesehen, ich kaufe ihn immer in Italien, wo es den auch im Supermarkt gibt. Zum Glück kann man sich helfen: im Prinzip ist es das Innenleben von Büffelmozzarella, das fädig zerfällt. Ganz wunderbar zart im Geschmack. Hier auf einem Salat aus Paradeisern, Pfirsichen, Brombeeren und Basilikum (sehr frei nach diesem Salat), passt aber auch gut zu Pasta und überhaupt kommt man sehr schlecht ohne ihn zurecht, wenn man ihn einmal kennt.

Mal schauen, was dieses Jahr noch kulinarischen Touren auf uns zukommt. Ich hoffe doch sehr, dass sich noch die eine oder andere Gelegenheit bieten wird.

Noch mehr Anregungen gibt es in meiner Rubrik Gourmet-Tour.

Danke für deine wunderbare Frage, liebe Peggy!

Freitag, 23. September 2016

Melanzani mit Glasnudeln



Fingermelanzani habe ich eigentlich gesucht. Das sind kleine längliche Melanzani, die recht viel Geschmack mitbringen. Normalerweise werde ich in meinem türkischen Supermarkt fündig, aber dieses Mal nicht. Aber ich hatte eine Premiere, denn ich habe asiatische Melanzani gefunden, die sind sehr lang und dünn, nicht einmal halb so dünn wie Schlangengurken. Und ich war ganz angetan, denn die schmecken auch sehr, sehr fein.

Das Rezept ist einfach zu machen, braucht nur ein wenig Zeit, weil die Melanzani eingesalzen werden. Ich bin nicht so ein wahnsinniger Fan vom Einsalzen von Gemüse, aber bei Melanzani mache ich es gern, weil die nach dem Einsalzen nicht mehr so wahnsinnig viel Öl aufsaugen wie sonst.


Zutaten für 2 Personen als Hauptgericht:
1 Handvoll Glasnudeln
4 kleine asiatische Melanzani (oder eine große normale)
3 EL dunkles Sesamöl
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 Chilischote, fein gehackt
1 TL Korianderkörner
½ Vanilleschote, der Länge nach halbiert
2 cm Ingwerwurzel, geschält und in ganz feine Streifchen geschnitten
3 Bananenschalotten, in Streifen geschnitten
1 Limette (Schale und Saft)
6 EL Sojasauce
140 ml Gemüsefond
1 EL Agavensirup
100 g Sojasprossen
120 g Hokkaido-Kürbis, geschält in kleine Würferl geschnitten
1 Hand voll Schälhanf
1 Bund Koriander
einige Blätter Zitronenverbene

Die Melanzani der Länge nach halbieren. Wenn man eine normale, große Melanzani hat, diese der Länge nach in 6 Streifen schneiden. Kräftig salzen, mit der eingesalzenen Schnittfläche nach unten auf ein Gitter legen und 15 Minuten stehen lassen. Danach die Schnittfläche mit einem Stück Küchenrolle gut abwischen.

Das Sesamöl erhitzen und die Melanzani rundumadum anbraten, bis sie eine schöne braune Farbe bekommen. Melanzani aus der Pfanne nehmen, Knoblauch, Schalotten, Chili, Kürbiswürfel und Korianderkörner im Bratrückstand anbraten, mit Sojasauce und Gemüsefond aufgießen. Die halbe halbierte Vanilleschote samt Samen und den gestiftelten Ingwer hinzufügen, alles aufkochen. Die Melanzani hineinlegen und 5 Minuten bei mittlerer Hitze garen.

Die Glasnudeln nach Packungsanweisung garen. Meistens weicht man sie erst ein paar Minuten in kaltes Wasser ein, danach übergießt man sie mit kochendem Wasser und lässt sie noch einmal im heißen Wasser einige Minuten ziehen. Aber es gibt unterschiedliche Glasnudeln, vor allem auch unterschiedlich dicke, daher eben nach Anweisung garen. Im heißen Wasser liegen lassen, bis man sie verwendet.

Die größeren Bestandteile aus der Sauce heben, damit man diese gut abschmecken kann. Die Sauce mit dem Agavensirup, Limettenschale und -saft abschmecken. Sojasprossen, grob gehackten Koriander und in grobe Streifen geschnittene Zitronenverbene dazugeben, alles durchschwenken. Die gegarten Glasnudeln eventuell mit einer Schere durchschneiden, wenn sie zu lang sind, in eine breite Schüssel legen, die Melanzani daraufsetzen und die Sauce drübergießen. Mit Schälhanf garnieren.


Ein feines Herbstessen, das wir an einem schönen sonnigen Abend auf Balkonien genießen konnten. Mein Gute Laune-Geschirr, das ich eigenhändig aus Tunesien importiert hatte, ist eigentlich ein Couscous-Geschirr, eignet sich für dieses Essen aber gut, weil Schüssel und Teller tief sind, sodass die rutschigen Glasnudeln nicht davonmarschieren können.
Auf jeden Fall ist das Rezept sehr unkompliziert in der Zubereitung und daher ein sehr brauchbares Essen, wenn man nach der Arbeit heimkommt und nicht mehr groß aufkochen mag.

 Rezept abgewandelt nach dem Original von Paul Ivic.


tierfreitag


Irgendwann gab es doch mal den Tierfreitag. Ich hab ja die Hoffnung, dass der wieder aktiviert wird. Leider wurde er seit Juni 2015 nicht mehr aktualisiert. Auf jeden Fall trage ich meine Rezepte nun wieder ins Formular ein. Vielleicht kümmert sich Katharina ja wieder mal.


Dienstag, 20. September 2016

ZZ Top

Ob es nun um Musik geht? Na zumindest um etwas, das die Geschmacksknospen zum Singen bringt: Rotweinzwetschken. Und wieso ZZ Top? Weil der Turbohausmann den Zwetschken diesen Namen verliehen hat, als er sie gekostet hat. Ein Z für Zwetschken, das zweite Z für den Zweigelt von der Familie Fischer, der herhalten musste für dieses Kompott. Und das ist wirklich so gut geworden wie bisher noch nie. Ich nehme an, der Grund ist, dass ich den Zucker karamellisiert habe. Ab jetzt gibt es Rotweinzwetschken nur noch mit Karamell.



1 kg Zwetschken, am besten die kleinen Hauszwetschken
½ kg Zucker
1 Zimtstange
5 Gewürznelken
1 Flasche Rotwein (Zweigelt hat sich bewährt)



Zucker karamellisieren. Ja, das klingt jetzt so salopp, ist aber bei dieser Menge nicht mehr so einfach.  Hier ist es einfacher, 1/4 l Wasser in einen Topf geben, den Zucker dazugeben, langsam erhitzen, bis der Zucker geschmolzen ist. Dann alles köcheln lassen, bis das Wasser verdunstet ist und die Flüssigkeit hellbraune Farbe annimmt. Dauert länger, ist aber einfacher zu machen als Zucker in einem Topf zu schmelzen.

Den karamellisierten Zucker mit dem Rotwein aufgießen. Gewürze (am besten in einer Gewürzkugel oder in einen Teefilter eingeknotet) dazugeben und ein paar Minuten köcheln lassen, bis der Karamell restlos aufgelöst ist.

Nun beginnt die Teilung der Zwetschken: Einen Teil muss man natürlich zum sofortigen Genuss abzweigen, den zweiten Teil in Hälften geteilt in Einweckgläsern verteilen. Dabei nie das Glas bis oben hin anfüllen, sondern immer einen breiten Rand freilassen. Mit dem Rotwein-Karamell-Gewürzsud aufgießen, Gläser verschließen und in ein ofenfestes Gefäß, das mit 2 Finger hoch Wasser befüllt ist, reinstellen. Backrohr auf 180 Grad stellen und immer wieder reinschauen, sobald Bläschen in den Weckgläsern aufsteigen, auf 150 Grad zurückschalten und 30 min. sterilisieren. Dann das Rohr abdrehen und die Gläser so auskühlen lassen.

Für die Zwetschken, die man bald essen will, gibt man selbige in den Sirup und lässt sie ca. 5 min. köcheln. Immer wieder mal schauen, ob die Zwetschken eh nicht zerfallen. Sobald sie weich sind, in eine Schüssel umfüllen und auskühlen lassen. Dann sind sie zum Essen bereit.



Was ich dieses Mal gemacht habe: Den Sud der Sofort-Essen-Zwetschken habe ich nach dem Garen der Zwetschken noch einmal reduziert, bis er dickflüssig war. Wieder zu den gegarten Zwetschken gießen. Und dann dazu ein Grießkoch oder Milchreis mit Zimt - so richtiges Kleinkinderessen, das passt 1A! Meine Topfenknödel passen, natürlich alle Arten von Schmarrn (Topfenschmarrn, Mohnschmarrn, Rahmschmarrn - den aber ohne Dirndln drinnen). Oder einfach als Kompott löffeln ohne irgendwas dazu. Sehr, sehr fein!

Und natürlich muss ich jetzt noch die passende Musik einbauen. Jessas, das sind Jugenderinnerungen. Ich hab gerade nachgelesen, 1969 wurde die Band gegründet, 1980 hatte sie ihre großen Erfolge. Ich werde alt! Macht aber ziemlichen Spaß, dass man dann nicht mehr die Probleme hat, die die Pubertät so mit sich bringt.


Sonntag, 18. September 2016

[Restaurant] China Kitchen No. 27



Das ist jetzt quasi eine kulinarische Eil-Meldung. Nun dachten wir, wir hätten einen Lieblingsasiaten gefunden - beschrieben hier: Chinarestaurat No. 27.

Passt man nicht auf, zack, macht der Koch vom Lieblingschinesen ein eigenes Lokal auf. Zhang Fa Jun, der Meisterkoch vom Jangtsekian, ist an die Linke Wienzeile Nr. 20 übersiedelt, direkt bei meinem wieder geliebten Naschmark. Und mit einem neuen Partner: Jonny Cheng hatte in dem Lokal, wo nun das Restaurant betrieben wird, davor eine Fischhandlung mit Imbiss. Das heißt, es wurde gerade bei Viechern aus dem Meer noch einmal ein Schäuferl draufgelegt.



Wir sind gestern mit Freunden dort eingefallen und haben uns quer durch die Speisekarte gegessen. Es war alles wirklich unglaublich gut. Nach wie vor ist alles, was mit einer Chili auf der Speisekarte gekennzeichnet ist, irrwitzig scharf. Allerdings ist es so, dass auch nicht gekennzeichnete Speisen durchaus Würze mitbringen. Unser Getränkekonsum war enorm! Der Taschentuchverbrauch auch - so zwecks abtupfen der Schweißperlen ...

Links am Bild sind wieder meine geliebten 1000-Schichten-Schweineöhrchen zu sehen. Die Innereienkarte ist wie im früheren Lokal weiterhin umfassend geblieben.

Die Auswahl der Speisen ist riesig und schaut auf den ersten Blick so aus, als wäre sie wirklich 1:1 vom alten Lokal übernommen, allerdings hat mir die asiatische Blunze (richtig heißt das Blutkuchen) gefehlt, dafür gibt es nun viel mehr Fischgerichte - dem neuen Partner sei gedankt.

Die Speisekarte ist nach wie vor zweigeteilt: Im vorderen Teil finden sich die authentischen Gerichte, im hinteren Teil die Sachen, die man auch in anderen Chinarestaurants findet. Wobei man schon sagen muss, dass diese "Asia-Fusion-Gerichte" ganz sicher nicht so lasch sind wie in etlichen Chinalokalen in Wien, sondern auch die kann man wirklich mit Freude essen.


 


 


Einen Minuspunkt muss ich nun schon anführen: Das Lokal ist hässlich. Genau wie im alten No. 27 sehr schmucklos, hier allerdings ist das Restuarant noch dazu ein langer, schmaler Schlauch. Im hinteren Teil geht es ein paar Stufen hinunter, da sind dann nicht einmal mehr Fenster. Für einen romantischen Abend vollkommen ungeeignet, sondern da geht man am besten mit abenteuerlustigen Freunden hin.
Ich habe mir Amurkarpfen bestellt. Geschmeckt hat der unglaublich gut! Jetzt kommt ein großes "Aber": Das Service-Personal ist wirklich sehr nett, aber sagenhaft ahnungslos. Es kam eine riesige Schüssel daher - wirklich so groß, dass man gut zu zweit oder dritt davon satt werden kann. Es wäre nett gewesen, wenn jemand das beim Bestellen erwähnt hätte. Ich war etwas überfordert, wie man so etwas isst: Mit dem riesigen Löffel, der dabei war, einfach aus der Schüssel? Oder etwas rüberschaufeln in das kleine Extraschüsserl? Wohin mit dem Reis? Dass eine Kellnerin auf so eine Frage mit: "Ich weiß auch nicht genau," antwortet, das find schon verwegen.
Es ging ja nicht nur mir so, sondern auch meinem Mann, der ein Rindfleischgericht bestellt hatte und genau so eine Schüssel hingestellt bekam.

Zum Glück wurden wir aber, nachdem wir nicht einmal ein Drittel der Menge essen konnten, gefragt, ob sie uns alles einpacken sollten. Es war auch wirklich alles ausrinnsicher verpackt.

Kurzum: Man fragt am besten, wie groß die Portion sein wird, die man bekommt, damit man gleich vorher weiß, ob das nun ein Zwei-Tage-Fest wird.



Von uns trotz der Wermutstropfen, dass das Lokal ungemütlich und dass das Personal vollkommen ungeschult ist, eine ganz große Empfehlung. Wir sind sicher nicht das letzte Mal dort gewesen. Vor allem arbeitet der Turbohausmann in der Nähe und wir haben gesehen, dass die Mittagsteller extrem moderate Preise haben. Unterm Strich ist zu sagen, dass die Preise sehr günstig sind, die Qualität der Speisen aber herausragend.

Kontaktdaten:
No. 27 Restaurant
Linke Wienzeile 20
A-1060 Wien
Mo - Sa 11:00-14:30, 17:30-23:00
So, Feiertage 12:00-22:00 (durchgehend)
+43 (0) 1 5812486

Freitag, 16. September 2016

Weinbergschnecken mit Kochsalat und Erdäpfelkräuterpüree

Wir haben eine Kochsendung im österreichischen Fernsehen, die konnte ich nie leiden, weil sie so auf lustig gemacht war, gern auch mal mit frauenfeindlichen Witzen. Im Sommer auf Kur hatte ich oft zwischen den Folterungen Trainingseinheiten eine halbe Stunde Pause, da war ich meist so k.o., dass ich mich bei Schlechtwetter einfach vor die Glotze gelegt habe. Bei der Gelegenheit habe ich entdeckt, dass da durchaus brauchbare Rezepte vorgestellt werden. Und eines nehme ich mir gleich vor. Es gibt Schnecken, denn die mag ich wirklich gern. Allerdings gibt es sie selten in unserem Haushalt, weil die kosten ganz schön. Ich habe das Glück, in der Nähe des einzigen österreichischen Schneckenzüchters zu wohnen, der die Tradition der Wiener Schnecke, die leider ausgestorben war, wieder hochgeholt hat. Am liebsten kaufe ich Schnecken im Fond und die habe ich auch für dieses Essen verwendet. Wer das Originalrezept sehen mag, schaut bitte hier - wie so oft habe ich das Rezept an unsere Bedürfnisse angepasst.



Für 2 Personen:
1 Glas Schnecken in Fond
1 Lorbeerblatt
einige Zweige frischer Thymian
2 Zwiebeln
1 TL Zucker
½ TL Paprikapulver
1 EL getrockneter Majoran
Sud der Schnecken
1 EL Sojasauce
1 EL Schweineschmalz
 optional: 1 TL Erdäpfelstärke und 2 TL kaltes Wasser zum Binden

Für das Kräuterbutterpüree:
2 EL handwarme Butter
1 TL gehackter Schnittknolauch
1 EL gehackte Petersilie
1 EL gehackter Majoran
Salz
Pfeffer
300 g mehlige Erdäpfel
100 ml heiße Milch
Salz

Für den Kochsalat:
1 Kochsalat (in Streifen geschnitten)
1 EL Butter
1 TL gehackten Schnittknoblauch (alternativ 1 Knoblauchzehe)
1 Zweig Majoran
schwarzer Pfeffer
Salz


Zubereitung

Die Erdäpfel schälen und vierteln, in Salzwasser weichkochen. Während die Erdäpfeln kochen, die anderen Arbeitsschritte durchführen.

Kräuterbutter für das Püree: die Butter mit den Kräutern verrühren, mit Salz abschmecken. 

Die Schnecken samt Fond in einen Topf geben. Lorbeer und Thymian zufügen, alles aufkochen und ziehen lassen, während man die Zwiebeln schneidet und röstet. Schnecken aus dem Sud fischen, warmstellen. Den Sud aufheben.

Die Zwiebeln schälen und in Scheiben schneiden. Schmalz in einer Pfanne erhitzen, Zwiebel darin braun rösten. Zucker, Paprikapulver und Majoran dazugeben, durchschwenken, mit dem Sud ablöschen. Sojasauce zugeben, alles aufkochen lassen. Wenn das Zwiebelgemüse zu flüssig sein sollten, kann man es mit etwas in Wasser angerührter Erdäpfelstärke binden.

Für den Kochsalat Butter aufschäumen und leicht bräunen lassen. Knoblauchzehe, Majoran sowie den geschnittenen Kochsalat zufügen und durchschwenken. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Erdäpfeln abseihen und noch heiß durch eine Quetsche drücken. Heiße Milch dazugießen und mit einem Schneebesen die Kräuterbutter einrühren, wenn nötig mit Salz abschmecken. Kräuterbutterpüree mit den Schnecken und dem Kochsalat anrichten: einen Ring aus Püree machen, da rein kommt der Kochsalat, oben drauf ruhen die Schnecken im Zwiebelgemüse.


Wie man sehen kann, ist das Rezept schon ein ziemlicher Aufwand. Es geht sich zeitmäßig gut aus, wenn man vorher alles hergerichtet und zurechtgeschnitten hat, sonst wird das nix. Jedenfalls ist es ein richtiges Sonntagsessen und wirklich gut passend zum Herbst - tröstliches Püree und überhaupt Erntedankfestessen, weil viel verarbeitet wird, was der Herbst zu bieten hat.

Wien war übrigens ab dem 18. Jahrhundert die Schneckenhauptstadt Europas. Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts blieb diese Auster des armen Mannes hierzulande ein beliebtes Essen. Geistliche durften sie auch in der Fastenzeit essen, weil sie laut Bibel weder Fisch noch Fleisch sind. Sie sind aber reines Muskelfleisch und scheinen recht gesund zu sein. Schnecken nicht vorbereitet zu kaufen, würde ich mich allerdings nicht trauen, denn es ist eine sehr aufwändige Prozedur, bis sie küchenfertig sind. Wenn man das einmal gesehen hat, versteht man den Preis wirklich gut.

Bericht über meinen Besuch der Schneckenfarm im letzten Jahr: Da steppt die Schnecke
Noch ein Schneckenrezept: Lardo-Schneckenspieße mit Balsamicoreduktion

Mittwoch, 14. September 2016

[Blogevent] Das war mein Sommer 2016

Freundin Sina, die Giftige Blonde will wissen, wie der Sommer so war. Kulinarisch und auch sonst. Na dann packen wir es an! Ich erzähl das mal mit einer Menge Bildern und wenig Text.


Der Sommer begann mit einem wunderbaren dreitägigen Musikfestival im Waldviertel. Rund um den Herrensee auf 10 Bühnen mitten in Wald und Wiese. Sehr chillig!
Wenn schon Waldviertel-Urlaub, dann natürlich auch zur Mohnblüte!

Eine geniale Ausstellung über die 70er Jahre in der Schallaburg.

Bloggereinladung in ein neues Burgerlokal: Rinderwahn

Dann kam die Kur - wunderbar in den Kärnter Bergen.

Wenn ich in den Bergen bin, geh ich immer auf Suche nach Alpengärten. Fündig geworden!

Mit Erstaunen hab ich festgestellt, es gibt in Kärnten auch ein Gmünd, ein wunderschönes noch dazu.

Zum Essen auf Kur ist nicht viel zu sagen: Das schaut zwar aus wie Hirnmasse, sollte aber Haselnusspudding sein. Ich habe genau einen Bissen davon gegessen.

Traumhaft schön war die Malta Hochalpenstraße, eindeutig die wassrigste Hochalpenstraße.

Noch so ein Essensfoto von der Kur: durchgehender Garzustand von Gemüse war lätschert. Und es gibt nur ein Gewürz: Salz, aber das verwendet man kaum, weil es dem Blutdruck nicht gut tut.

Diese Erkenntnis hat mir die gute Laune trotz scheußlichem Essen gerettet.

Das ist nicht R2D2, sondern das Observatorium Kanzelhöhe, wo ich in die Sonne schauen durfte, ohne dabei blind zu werden.

Das Steinhaus vom Domenig ist auf jeden Fall einen Besuch wert.


Auf der Burg Landskron gibt es Vogelflugschauen, die ich sehr empfehlen kann. Die Vögel haben dort jede Menge Möglichkeit zum Freiflug.

Das war ein Ausflug in die wunderschöne Heimat vom Montasio.

Wieder in Wien: Wir hatten diesen Sommer so oft Drama-Himmel wie selten.

Das beste Essen des Sommers war bei Freunden! Das ist die Giftige Blonde in Action - natürliche Haltung eines Foodbloggers.

Quit pro quo ;)


Noch ein Wiener Dramahimmel, dieses Mal mit Regenbogen.

Die Restaurantwoche: im Flatschers Bistro der Lachs mit der grauen Transchicht ...

Noch einmal Restaurantwoche: im Lugeck haben wir himmlisch gegessen. Hier Tatar und rosa Kalbsnuss vom Kremstaler Milchkalb, dazu Chilimayo und Toast. Zum Niederknien!

Bei uns im Grünstreifen haben bis vor ein paar Tagen die Malven so wunderbar geblüht. Dann kam der Rasenmäher ...

Es war das Kriecherljahr, noch nie habe ich so viele verkochen dürfen.


Eines der schönsten Schwimmbäder in Wien, original Jugendstil, ist in der Zwischenzeit mein zweites Zuhause geworden: 2 km pro Woche schwimme ich derzeit durchschnittlich. Wehe, meine Schulter beschwert sich wieder!

Die Brombeersträucher sind voll, ich bin dort etwa an zwei Tagen in der Woche und sie schauen immer so aus. Eine einzige reife Beere habe ich ergattert.

Eine sehr nette Buchpräsentation: "Morgenstund", das Frühstückskochbuch

Nach 30 Jahren die Keramikerin wiedergefunden, bei der ich töpfern gelernt habe. Erkenntnis 1: So schlecht war ich gar nicht, Erkenntnis 2: Ich mag Social Media.

Ein rauschendes Familienfest beim Jeitler - zweitbestes Essen des Sommers.

Das jährliche Erntedankfest hat mittlerweile den Heldenplatz gesprengt und überflutet nun den Augarten. Dennoch eine tolle Leistungsschau unserer Bauern, aber viel zu wenig bio.


Das markiert für mich immer das Ende des Sommers: Buskers, das Straßenkünstlerfestival am Karlsplatz



 “Blogevent

So, liebe Sina, das war's, #daswarmeinsommer2016 . Kein schlechter Sommer, muss ich in der Rückschau schon sagen.
Und da du Teil davon gewesen bist, musste ich ein Foto von dir natürlich mit reinnehmen. ;)