Mittwoch, 22. November 2017

Gefüllte Paprika auf kroatische Art

Wenn man sich die Arbeit macht und diese gefüllten Paprika nachkocht, dann sollte man gleich eine ordentliche Menge machen und einen Teil einfrieren. Bei uns ist das ein sehr beliebtes Essen, wenn einmal keine Zeit zum Kochen ist, da durch die Sauce das Aufwärmen sehr einfach ist.

Dieses klassische Rezept ist eines der beliebtesten in Kroatien. Üblicherweise verwendet man dafür gelbe Paprikaschoten, aber mit roten schmeckt es auch gut. Der Autor empfiehlt, möglichst große Schoten zu nehmen. Man bereiten das Gericht gern in den heißen Sommermonaten zu, wenn Paprika Saison haben. Sie werden geschmort und liegen leicht im Magen, sehr fein ist dabei besonders die Kombination mit Tomaten.

Das Gericht hält sich einige Tage im Kühlschrank und schmeckt am Tag nach der Zubereitung am allerbesten. Kroaten bereiten gern gleich einen großen Topf mit gefüllten Paprikaschoten zu, die dann mehrmals unter der Woche aufgewärmt werden.

Die Paradeissauce habe ich gleich auf Vorrat gekocht und eingeweckt, da sie als Basis für aufwändigere Saucen dient, weil sie keine weiteren Aromen enthält. Man kann Oliven, Kapern, Pilze, rohen oder gekochten Schinken, Rosmarin und Basilikum hinzufügen. Sollte man keine aromatischen frischen Paradeiser bekommen, verwendet man Dosentomaten. In Kroatien serviert man diese Sauce zu gekochtem Fleisch oder als einfache Pastasauce.


Beide Rezepte sind für 4 - 6 Portionen.

Dalmatinische Paradeissauce
400 g große reife Paradeiser
50 ml Olivenöl
3 Knoblauchzehen, abgezogen und gehackt
1 TL gehackte Chilischote
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 EL Zucker (optional)

Für die Paradeissauce etwas Salzwasser in einem großen Topf zum Kochen bringen. Die Paradeiser mit einem Messer am Stielansatz einschneiden und einige Minuten im Wasser blanchieren. Dann die Schale entfernen und entsorgen. Die Paradeiser in Würfel (1 cm) schneiden. In einem zweiten Topf das Olivenöl auf mittelhoher Stufe erhitzen und den Knoblauch darin einige Sekunden braten, er sollte keine Farbe annehmen. Paradeiser, Chili, Salz und Pfeffer zugeben. Die Hitze auf kleine Stufe reduzieren und die Mischung etwa 1 Stunde köcheln lassen. Die Sauce sollte immer nur ganz leicht köcheln, das ist wichtig. Wenn man sie bei zu hoher Temperatur gart, verliert sie erheblich an Aroma. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und den Zucker zugeben, wenn die Tomaten zu sauer sind.


Gefüllte Paprikaschoten
100 g Weißbrot ohne Rinde
500 g Rind, faschiert
500 g Lamm, faschiert
4 EL Rundkornreis
1 kleine Zwiebel, abgezogen und fein gehackt
1 Knoblauchzehe, abgezogen und fein gehackt
1 EL Paprikapulver (scharf oder edelsüß)
2 TL Salz
I TL gemahlener Pfeffer
12 große Paprikaschoten

Dalmatinische Paradeissauce von oben
500 ml Gemüsebrühe
50 g geräucherter
Bauchspeck oder Schinken, in Streifen geschnitten (1 cm)

Das Brot in etwas Wasser einweichen, dann ausdrücken. Faschiertes, Brot, Reis, Zwiebel, Knoblauch, Paprikapulver, Salz und Pfeffer in einer großen Schüssel vermengen. Ein paar Minuten stark rühren, bis alles gut vermischt ist. Von den Paprikaschoten einen Deckel abschneiden und mit einem scharfen Messer die Trennwände und Samen herausschneiden. Darauf achten, dass die Seitenwände nicht beschädigt werden. Vorsichtig mit der Hackfleischmischung füllen.

Die Tomatensauce mit der Gemüsebrühe in einem großen Topf verrühren. Die gefüllten Paprikaschoten aufrecht hineinstellen. Sollten die Paprika eher länglich sein, dann vorsichtig hineinlegen. Den Speck oder Schinken zufügen. Alles zum Kochen bringen und bei kleiner Hitze 20-25 Minuten garen. Nach Belieben mit Erdäpfeln servieren.


Rezeptquelle: Die echte kroatische Küche

Montag, 20. November 2017

[Buchbesprechung] Die echte kroatische Küche von Ino Kuvačić

Kroatien ist Urlaub! Für viele ÖsterreicherInnen, die jedes Jahr hinpilgern, und auch für mich. Erstaunlicherweise ist die Küche Kroatiens aber gar nicht so bekannt, dabei ist die zum Niederknien gut, wie ich im September wieder feststellen durfte. Daher freut es mich sehr, dass der Südwest-Verlag ein Buch über diese Küche, besser gesagt über dalmatinische Küche, worauf der englische Titel "Dalmatia" hinweist, herausgebracht hat.
Der Autor Ino Kuvačić wurde in Split geboren, hat dort eine Ausbildung als Koch absolviert und ist 1997 nach Australien ausgewandert, wo er in  renommierten Restaurants gekocht hat. Seit 2004 betreibt er sein eigenes Restaurant, das Dalmatino in Melbourne.
Wenn man das Kochbuch in die Hand nimmt, dann hat man sofort das Gefühl "Urlaub", dieses Gefühl zieht sich während des gesamten Lesens durch. So schöne Fotos! Es finden sich nicht nur Fotos zu den Gerichten, sondern auch solche aus Kroatien, die die sommerliche Stimmung gut einfangen: die gepflasterten Straßen, kleine Häfen, Kirchen, im Freien aufgehängte Wäsche, Menschen, Märkte. Genau so kenne ich Kroatien.

Gut gefallen hat mir auch das dem Rezeptteil vorangestellt Kapitel "Ein Webteppich von Einflüssen", in dem die kroatisch-kulinarische Geschichte beschrieben wird, über den Aufbau einen großen Familienessens und über das Enstehen von Zutaten berichtet wird. Natürlich darf darin auch nicht ein Ausflug zur kroatischen Gastfreundschaft fehlen, denn die ist legendär.

Das Layout ist gut gelungen: Klar und übersichtlich sind Zutatenliste und Rezept getrennt, jedem Rezept ist ein Absatz vorangestellt, in dem der Autor über das jeweilige Gericht, die Zutaten oder Änderungsmöglichkeiten berichtet. Was mir besonders gefällt: Es gibt zum Glück nicht schon wieder das millionste Rezept für Cevapcici! Das ist Touristenessen, das nicht wirklich kroatische Küche widerspiegelt.

Das Buch ist unterteilt in die Kapitel Gemüse, Fisch, Fleisch und Süßes. Sehr wichtig: Ein vernünftiges Register ist auch zu finden.

Die Rezepte sind klar beschrieben und relativ einfach nachzukochen. Man muss natürlich die passenden Zutaten bekommen, was aber hier in Österreich nicht schwer ist, da die dalmatinische Küche für uns nicht so arg exotisch ist. Und ich hatte noch dazu den unglaublichen Vorteil, dass ich viele Zutaten in Kroatien einkaufen konnte und direkt damit die Rezepte zubereitet habe.

Und nun geht es ans Kochen! Wie man sieht, konnte ich mich mit dem Nachkochen kaum bremsen.


Graupen-Bohnensuppe
Diese Suppe habe ich als erstes gekocht. Erstaunlicherweise kommt Milch mit in die Suppe, was sie schön sämig macht. Dass Milch in so einer Suppe einen tollen Effekt macht, damit hätte ich nicht gerechnet. Geschmeckt hat es uns jedenfalls sehr gut.

Das Rezept findet man bei der lieben Frau Magentratzerl: Kroatische Graupensuppe mit Bohnen
Ziegenkäsecrepes mit einer Sauce aus gerösteten Paprika
Das hier ist mein absoluter Favorit in dem Buch. Der Aufwand ist beträchtlich, denn erst muss Varenik hergestellt werden, das ist dicklich eingekochter Traubensaft. Aber das Ergebnis ist so überzeugend! Für die Füllung hatte ich einen Ziegenweichkäse aus der Käserei auf der Insel Pag, was dem Gericht sicher nicht geschadet hat.

Diese Crepes kann man auf jeden Fall auch Gästen servieren.
Gefüllte Paprikaschoten
Ein ganz typisches Essen aus der österreichischen Monarchie, hier mit den Paprika aus Kroatien gekocht. Die gelben Spitzpaprika bekommt man zum Glück auch bei uns, türkische Supermärkte sind eine gute Quelle. Im Gegensatz zu den Blockpaprika, die man in Supermärkten hierzulande oft in der unheiligen Dreifaltigkeit rot/gelb/grün angeboten bekommt, haben diese Spitzpaprika eine wunderbare Konsistenz nach dem Garen. In die Füllung kommen Faschiertes, Reis und diverse geschmackgebende Zutaten. Die Paradeissauce dazu ist auch nicht irgendeine, sondern eine spezielle dalmatinische. Ein richtiges Leibgericht!

Krautfleckerl
Auch eine Reminiszenz aus der Monarchie. Im Buch werden sogar die Fleckerl selber gemacht, was ich dann doch nicht getan habe, weil es diese Teigform bei uns überall in sehr guter Qualität zu kaufen gibt. Im Gegensatz zur österreichischen Variante kommt hier kein Kümmel an die Krautfleckerl, sonst ist das Rezept sehr ähnlich, also auf jeden Fall etwas, das uns sehr gut geschmeckt hat.






Kroatische Karoffeln
Eine nette Variante, wie man Erdäpfeln zubereiten kann. Bei uns war es die Beilage zu den gefüllten Paprika war. Ich bin sicher, man kann das auch mit einem Salat als Hauptgericht servieren. Mir persönlich sind die Zwiebel, die erst goldgelb geröstet werden und dann mit den Erdäpfeln noch einmal im Rohr gebraten werden, zu dunkel geworden. Aber ich bin auch eine ziemliche Diva, was die Farbe von Zwiebeln angeht. Leider hat es die drübergestreute Petersilie nicht bis auf das Foto geschafft.




Birnenstrudel
Kroatische Küche verbinde ich nicht wirklich mit grandiosen Desserts, aber dieses Kochbuch hat einige formidable zu bieten. Der Strudelteig wird im Kochbuch nicht gezogen, sondern es wird Filo-Teig verwendet. In die Füllung sind Walnusskerne, Rosinen und getrocknete Feigen eingearbeitet. Die kroatischen Feigen sind klein, hell und sehr geschmacksintensiv. Beim Trocknen kommen Lorbeerblätter zu den Feigen, was ihnen noch einmal ein tolles Aroma verleiht. Wenn man diese Feigen einmal gekostet hat, weiß man erst zu schätzen, wie gut getrocknetes Obst schmecken kann. Und eben dieses Aroma macht den Strudel zu etwas Besonderem.


Und unterm Strich? Wer immer irgendeinen Bezug zu Kroatien hat, sollte dieses Kochbuch daheim haben. Es nimmt einen noch einmal mit auf Urlaub, in Bildern wie auch in Rezepten. Von mir eine absolute Kaufempfehlung.

Welches Rezept soll ich denn vorstellen? Hat jemand Wünsche?

Fakten zum Buch
Autor: Ino Kuvačić
Verlag: Südwest Verlag
ISBN: 978-3-517-09632-2
Einband: Gebunden, Pappband
Umfang: 224 Seiten
Format: 20,3x25,2
Preis: € 24,99 [D] | € 25,70 [A] | CHF 33,90

Wie immer gibt es das Buch beim Buchhändler zu kaufen, ÖsterreicherInnen bestellen versandkostenfrei beim Buchhändler.at, natürlich gibt es das Buch auch direkt vom Südwest Verlag.

Die Links sind alle keine Affilate-Links.
Ich danke dem Verlag herzlich dafür, dass er so ein tolles Buch herausgebracht hat und mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Donnerstag, 16. November 2017

Maronireis

In meinem Posting zum Kastanienfest in Klostermarienberg hat man ja gesehen, dass man dort wunderbare Maroni zu kaufen bekommt. Ich kann ja nie die Finger davon lassen und habe wieder ordentlich eingekauft. Und daheim dann das große Schimpfen beim Schälen der Maroni. Auch wieder jedes Jahr dasselbe Theater!

Grundsätzliches: Den Unterschied zwischen Maroni und Esskastanien habe ich ja schon in dem oben verlinkten Posting erklärt. Wie man Maroni einschneidet, habe ich auch bei den Kästenklaubern (denen, die die Maroni in Liebing für das Maronifest sammeln) gelernt und ebenfalls schon gepostet: Maroni-Carbonara. Leider schmecken die Dinger wirklich besser, wenn man sie röstet. Und Maroni, richtige Maroni zu schälen, wenn sie ausgekühlt sind? Kann man vergessen! Die Innenhaut bekommt man im Leben nicht gründlich aus den Maroni heraus, wenn die nicht heiß sind.

Man braucht nicht lange drumherum reden: Es ist eine Heidenarbeit, bis man die Maroni so weit hat, dass man daraus Maronireis machen kann. Ich glaube, ich muss im kommenden Jahr einen Versuch mit vakuumierten Esskastanien machen, ob da wirklich so viel Unterschied ist, wie ich mir einbilde.

Einige hundert Jahre alter Kastanienbaum in Liebing



Für 4 Portionen:
1 kg Maroni (gewogen samt Schale)
2 x ¼ l Schlagobers
250 g Kristallzucker
1 ausgekratzte Vanilleschote
1 Stamperl Rum (ÖsterreicherInnen nehmen Inländer-Rum, damit es "echt" schmeckt, Menschen mit noch nicht verdorbenem Geschmack nehmen vernünftigen, guten, richtigen Rum)
100 ml Wasser

Schokosauce:
200 ml Wasser
125 g Zucker
40 g Kakaopulver
30 g Zartbitterschokolade, gehackt


Die Maroni einschneiden und im Backrohr bei 180 Grad ca. eine Stunde backen. Meine sind wirklich recht groß, also kann es sein, dass andere schneller fertig sind. Man sieht das recht gut, denn wenn die Schale schön weit auseinandergeht, dann sind die Maroni gar.

Dann geht es sofort ans Schälen! Gummihandschuhe helfen ein wenig gegen die Hitze, aber es ist natürlich immer noch heiß genug. Wenn die Maroni dabei zerbröseln, dann ist das kein Problem, denn die bleiben eh nicht ganz.

100 ml Wasser mit dem Zucker aufkochen. Wenn der Zucker aufgelöst ist, Vanilleschote und Maroni dazugeben. Vom Feuer ziehen. 1 Becher Schlagobers und den Rum einrühren. Auskühlen lassen. Vanilleschote entfernen. Die gesamte Masse in einen Mixer umfüllen oder mit dem Pürierstab mixen, bis eine homogene Masse entsteht. Im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

Rechtzeitig vor dem Servieren die Schokosauce zubereiten: Wasser und Zucker aufkochen, 5 min. köcheln lassen, Kakaopulver einrühren, noch einmal aufkochen. 10 min. überkühlen lassen, dann die Schokolade unterrühren. Abkühlen lassen.

Nun den zweiten Becher Schlagobers schlagen. Nicht zu steif! Es soll keine ganz festen Spitzen haben, sondern noch cremig sein. In Espuma-Flaschen wird mir das Schlagobers meist zu fest, daher mache ich das immer mit dem Handmixer. Das geschlagene Obers auf Gläser oder Dessertschalen aufteilen.

Die Maronicreme in eine Erdäpfelquetsche füllen, dabei eine Scheibe mit mittlerem Lochdurchmesser verwenden. Maronicreme durchquetschen - wenn man treffsicher ist, dann direkt auf das Obers drauf. Sonst in eine Schüssel quetschen und dabei immer wieder den "Reis" von der Quetsche schaben, damit es wirklich Reis wird. Will man lieber lange Würsteln,  muss man durchgehend quetschen, dann kann man schön lange Fäden machen, das sind dann Vermicelles.

Wenn der Maronireis auf dem Schlagobers ist, verteilt man noch die Schokosauce oben drüber. Genießen und glückselig seufzen ... ❤️

 

Nun noch ein Insidertipp: Statt der Schokosauce kann man auch Dirndlmus bzw. Dirndlsauce nehmen. Diese Variante schmeckt zum Umfallen gut!

Montag, 13. November 2017

Blunzenfleischlaberl mit so Sachen

Eigentlich habe ich das Rezept ja schon einige Male nachgekocht, nachdem ich es bei Petra gesehen hatte. Ich bin aber eher die Beilagen- als die Fleischesserin, daher hat mir noch das Tüpfelchen auf dem I gefehlt, das in Form von Margaretas Sauerkrautbratäpfeln auf dem Teller gelandet ist. Wie immer hat mich meine Bloggerkrankheit befallen, dass ich nur sehr schlecht nach Rezept kochen kann, und ich habe mehr als genug geändert. Wer die Originalrezepte sehen will, braucht nur die Links anclicken!
Es ist übrigens so viel Arbeit wie sich das liest, also nichts für einen Wochentag, wenn man geschlaucht von der Arbeit heimkommt, sondern für "ich will wieder einmal was schönes Rustikales kochen". Es ist ein Essen, das sich auch für Gäste eignet.

Das war noch die apfellose Variante


4 - 6 Portionen

Für die Laberln:
60 g (= ca. 1 Stück) Semmel vom Vortag, in Milch eingeweicht und gut ausgedrückt
1 große Rote Zwiebel, fein gewürfelt
500 Gramm faschiertes Schweinefleisch
2 Eier
1 EL Majoran
2 TL Estragon-Senf
200 g Blunze (Deutsche nehmen Blutwurst), in winzigen Würfelrn
1 kräftige Prise Piment d'Espelette
Butterschmalz zum Braten

Für die Erdäpfeln:
1 kg nicht zu große, fest kochende Erdäpfel (ca. 8 Stück  je 100 bis 150 g)
Olivenöl zum Bestreichen
Salz

Für die Apfel-Sauerkraut-Sauce:
1 EL Öl
2 Schalotten, fein gewürfelt
ausgehöltes Innenleben von vier kleinen Äpfeln (macht man die Äpfel als Beilage nicht, nimmt man einen geschälten Apfel)
200 ml Weißwein
400 g Sauerkraut inklusive Sauerkrautsaft
4 Teel. Speisestärke, angerührt in 50 ml Apfelaft zum Binden
400 ml Obers (Schlag- oder Kaffeeobers)
4 angequetschte Wacholderbeeren
Salz
Pfeffer
1 Prise Zucker

4 kleine säuerliche Äpfel
200 Gramm Sauerkraut
1 Zwiebel
1 ELÖl
100 ml Apfelsaft
½ Lorbeerblatt
100 Gramm Creme fraîche
Salz

Frischer Majoran, Blättchen abgezupft, zum Bestreuen


Für die Laberln das Faschierte, ausgedrücktes Semmel, Zwiebelwürfel, Eier, Majoran und Senf gut verkneten, dann die Blunze daruntermischen, mit Salz und Piment d'Espelette würzen. Aus der Masse mit feuchten Händen 12 kleine Laberl formen, auf eine Platte legen, mit Folie abdecken, kalt stellen.

Für die Erdäpfel und die Sauerkrautäpfel den Backofen auf 200°C vorheizen. Die Erdäpfel im Abstand von 2 mm quer einschneiden. Ein Grillspieß oder Essstäbchen links und rechts vom Erdäpfel hingelegt hilft, dass man nie ganz durchschneidet, sondern nur bis knapp über dem Boden. Die Erdäpfel mit den Schnitten nach oben in eine feuerfeste Form legen. Mit Öl einpinseln und für ca. eine halbe Stunde ins Rohr schieben. Ab dann sollte man sich den Küchenwecker auf 15 min. stellen und dann die Erdäpfel immer wieder mit Öl bepinseln. Sie brauchen etwa eine weitere Stunde. Gegen Ende aufpassen, dass die Erdäpfel knusprig sind, aber nicht anbrennen.

Für die Sauerkrautäpfel die Äpfel waschen, das Kerngehäuse ausstechen und dann mit einem Kugelausstecher so viel Fruchtfleisch wie möglich aus dem Apfel herausstechen. Es sollte etwas ein Rand von 1 cm stehen bleiben, damit die Äpfel noch ausreichend Stand haben. Das Fruchtfleisch gleich in einen Zerkleinerer geben.
Zwiebel klein schneiden, in Öl anschwitzen. Das Sauerkraut etliche Male durchschneiden, zur Zwiebel geben, mit Apfelsaft aufgießen, Lorbeerblatt dazugeben, salzen, alles ca. 10 min. offen dünsten. Der Apfelsaft sollte dann ziemlich verdunstet sein. Die Hälfte von der Creme fraîche unterrühren. Lorbeerblatt herausnehmen.
Die Sauerkrautmasse in die vorbereiteten Äpfel füllen, die zweite Hälfte von der Creme fraîche oben auf die Äpfel setzen. Äpfel in eine feuerfeste Form füllen. Nach ca. der halben Erdäpfelbratzeit die Form zu den Erdäpfeln ins Rohr stellen. Wenn nötig nach einiger Zeit mit Folie abdecken, falls das Creme-fraîche-Häubchen zu dunkel werden sollte. 

Für die Sauce in einem Topf die Schalotten in Öl anschwitzen. Mit Sauerkraut und Sauerkrautsaft zu den Apfelabschnitten in den Mixer geben und alles zu einer homogenen Masse mixen. Wieder zurück in den Topf geben, mit Weißwein aufgießen, Wacholderbeeren dazugeben und alles ca. um ⅓ einkochen lassen. Mit Obers aufgießen, alles aufkochen. Wacholderbeeren entfernen. Stärke im kalten Apfelsaft anrühren, die Sauce damit binden. Es sollte eine dickflüssige Sauce entstehen. Wenn nötig, kann man sie noch ein bisschen einkochen. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.

Zum Herausbacken der Laberl 3 - 4 EL Butterschmalz schmelzen, die Laberl auf jeder Seite 3-4 min. backen.

Majoran waschen, trocken tupfen, die Blättchen abzupfen.

Auf jeden Teller einen Saucenspiegel geben, Laberln, Erdäpfel und Äpfel drauf verteilen. Mit Majoranblättchen dekorieren. Restliche Sauce in einer Sauciere sevieren.


Und hier die Variante für BeilagenliebhaberInnen





Freitag, 10. November 2017

[Urlaub] Kairo - Wechselbad der Gefühle


Ja, Kairo. Keine Stadt, die ich sonst kenne, weckt so viele gegensätzlichen Gefühle in mir. Einerseits ist es zum Davonrennen: Es hat im Großraum zwischen 16 und 30 Millionen Einwohner - genauer weiß das niemand. Ein Moloch aus Lärm, Dreck, Chaos, eine männerdominierte Welt. Dennoch: Ich habe dort Gastfreundschaft gefunden, die mir bis jetzt noch Tränen in den Augen aufsteigen lässt, wenn ich daran denke. Und nicht zuletzt habe ich 1001 Nacht gefunden,  denn die Altstadt ist ein Kleinod, wie ich es noch nie gesehen habe.




Es gibt Wunderlichkeiten, die bei näherem Hinsehen alle einen Sinn ergeben: So ein Sessel ist kein Müll, der einfach so auf der Straße steht, sondern da sitzt normalerweise der Hausmeister eines Hauses und überwacht, was sich da so tut, nimmt die Post für Hausbewohner entgegen und dirigert die Autoeinparker: In Straßen, in denen geparkt werden darf, muss die Handbremse immer gelöst bleiben. Autoeinparker schieben die Autos hin und her, damit sie Stoßstange an Stoßstange stehen, um möglichst viele Autos unterbringen zu können. Wo das jeweilige Auto dann steht, weiß eben der Hausmeister.



Solche riesige Ballen mit Baumwolle werden immer noch transportiert wie im Mittelalter: Frauen tragen sie auf dem Kopf. Der Verkauf liegt Männerhänden.

Um die Rolle der Frau zu veranschaulichen: Vor zwei Wochen wurde in Ägypten eine Fernsehmoderatorin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie gesagt hatte, dass Frauen ihre Kinder auch ohne Männer aufziehen können.



Und mitten in dem ganzen Durcheinander wachsen solche Bäume, die im November noch bunt blühen. So ein Anblick versöhnt mich sofort wieder mit der Stadt. Anfangs konnte ich es gar nicht glauben, so unwirklich schön blühen viele Bäume dort.



Die ganze Stadt ist eine riesige Baustelle: Wann immer jemand ein wenig Geld hat, wird ein Haus gebaut. Und diese Häuser schauen alle gleich aus!
Will jemand einziehen, muss er sich selber seine Fenster einmauern und zahlt an den Hauserbauer Miete. Eine junge Frau hat mir erzählt, wenn sie heiraten würde, dann würden ihre Eltern einfach auf das Haus, in dem sie jetzt mit ihnen lebt, einen Stock draufmauern, da könnte sie dann einziehen. Das Haus gehört aber niemanden aus der Familie.



Die alte Innenstadt ist ein Kleinod! Wunderbare 1000 Jahre alte Bauten säumen die Straßen und man kann sich gar nicht daran stattsehen. Mit unglaublicher Sorgfalt ist jedes Detail gearbeitet: solche Handwerkskunst, die großteils erhalten ist, ist ein Wunder.



Kairos Katzen: Sonderzahl sind sie in der ganzen Stadt anzutreffen. Junge Katzen, selber noch Kinder, sind schon wieder trächtig. Der höllische Verkehr wird den meisten von ihnen zur Todesfalle.



Der Nil ist bei Kairo schon wahnsinnig breit, beginnt sich sein Delta doch bald nach Kairo aufzufächern, um dann zu einer unüberblickbaren Wassermenge zu werden, die vom Meer kaum noch zu unterscheiden ist.

Zugang zu Trinkwasser haben 85 % der Bevölkerung, die restlichen 15 % beziehen ihr Trinkwasser aus dem Nil. Es gibt den Spruch in Kairo, wenn man Wasser aus dem Nil trinkt, dann wird man bald Teil des Flusses sein.



Leider - oder Gott sei Dank - habe ich kein Foto, auf dem es verkehrstechnisch wirklich wild zugeht, denn wenn aus zwei Spuren auf einer innerstädtischen Autobahn vier gemacht werden und eine davon entgegen der Fahrtrichtung geht, dazwischen Eselsgespanne fahren und Leute mit ihren Handkarren auf der Straße Essen verkaufen, dann kann ich kein Foto machen, da hab ich einfach Angst. Das, was man hier sieht, dass Leute außen an Fahrzeugen mitfahren, ist an der Tagesordnung. Dazu muss man wissen, dass oft Löcher und immer wieder Schwellen in der Fahrbahn sind, die gewaltig rumpeln. Und es wird wirklich nicht langsam gefahren. Wie viele Unfälle passieren? Viele! Die Statistiken sind katastrophal!



Ein antikes Frauenfenster: Eingesperrt in ihren nicht allzu goldenen Käfig konnten die Frauen Blicke auf die Vorbeigehenden werfen, ohne selbst gesehen zu werden.
Derzeit ist es so, dass ca. 80 % der Frauen in Kairo mit Kopftuch gehen, 10 % mit Niqab und 10 % ohne Kopfbedeckung - die Sichtbarkeit hat sich ein wenig verbessert, aber dennoch ist von Gleichberechtigung keine Rede.



Eine Gewürzhandlung: Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich so etwas wunderschön finde, aber im Leben würde ich mir dort nichts kaufen. Den ganzen Tag sind die Produkte dem Straßenstaub ausgesetzt, kein Mensch weiß, wie lange die Sachen schon dort liegen. Außer ein paar ahnungslosen Touristen, die derzeit in Kairo kaum zu finden sind, kauft niemand etwas.
Es gibt auch recht wenige Gewürzhandlungen im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern, wo das Angebot deutlich üppiger ist. Und man merkt es auch an der ägyptischen Küche, dass Gewürze da nicht unbedingt ihr Zuhause haben.


Dieses Foto und das nächste zeigen sehr gut, wie widersprüchlich Kairo ist: Das obere Foto ist keine Müllhalde, sondern ein ganz normales Kaffeehaus, das von Männern gut frequentiert ist, die dort Wasserpfeife rauchen und Brettspiele spielen.



Und hier dieses 1001 Nacht, das ich vorhin angesprochen habe. Wunderschöne Pölster, in akribischer Handarbeit gefertigt, dazu Tischchen mit Holzeinlegearbeiten und fein ziselierten Tellern. Hier sieht man auch die eine oder andere Frau.



Ein Campus in Kairo: Hier verschiebt sich der Anteil der Frauen mit Kopftuch/ohne Kopftuch ein kleines bisschen zugunsten sichtbarer Frauen. Dennoch: Zwei Drittel der Studierenden sind männlich. Im Alltag ist es so, dass ca. 50 % der Frauen Arbeit finden. Der Rest ist angewiesen auf Männer. Sie haben keine Krankenversicherung und schon gar kein Anrecht auf Pension.

Überall wurde ich übrigens mit "Mrs. VornamevomTurbohausmann" angesprochen. Man verliert in Ägypten sogar den eigenen Namen und wird zu einem Anhängsel des Mannes.



Inmitten des höllischen Verkehrs finden sich immer wieder Bauern aus der Umgebung, die das zu verkaufen versuchen, was gerade am eigenen Feld oder am Baum wächst. Mein Eindruck war, dass sehr viele Lebensmitteleinkäufe tatsächlich auf der Straße gemacht werden. Einkäufe in Supermärkten zu machen, bleibt einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten.



Eine drei bis vier Meter hohe Türe in der Altstadt: Viele solche Türen sichern bis heute alte Paläste und andere wunderschöne Gebäude. Bis ins kleinste Detail mit Einlegearbeiten verziert, einfach nur traumhaft. Und damit man so ein Gebäude dann zuverlässig schließen kann, wurden in viele dieser  Türen Löcher geschlagen, durch die man massive Ketten ziehen kann, die dann mit einem Vorhängeschloss abgeschlossen werden.



In der Altstadt haben wir an einem Abend in einer alten Caravanserai eine Show gesehen, die mich für alle Zeiten mit arabischer Musik versöhnt hat. Wir waren die einzigen Touristen dort - kaum jemandem fällt zwischen den ganzen blinkenden Leuchtschriften diese dezente alte Türe auf, die uns in einen riesigen Innenhof führte, in dem ganz hochkarätige Musiker aus dem ganzen Land musizierten und tanzten.





Meine Wenigkeit durfte sich öfters in so einen kleidsamen Ganzkörpersack hüllen, um in heilige Gebäude zu kommen. In besonders heilige Stätten dürfen Frauen aber auch nicht mit Niqab bzw. sind besonders heilige Gegenstände in dem Teil der Moscheen, in den nur Männer Zugang haben.

Es war ein sehr einprägsames Erlebnis, mit Niqab herumzugehen, wenn man beim Gehen mit den Beinen nicht ausholen kann, soweit man will, und wo der Blick nach vorne gerichtet bleiben muss, denn bei jeder Kopfdrehung rutscht der Stoff über das Gesicht.

Es war eine wunderbare und extrem lehrreiche Zeit, die ich auf keinen Fall missen will. Man bekommt wieder den Kopf zurecht gerückt und lernt, dem Schicksal sehr dankbar zu sein. Mein Dank gilt meinen "Three Monkeys": Drei junge Wissenschaftlerinnen, die mich unermüdlich durch ihre Stadt geführt haben, mir meinen Vornamen wiedergegeben haben, meine Tritte ins Fettnäpfchen ertrugen und mir gezeigt haben, wie man trotz widrigster Umstände mit sehr viel Humor durch das Leben gehen kann.