Mittwoch, 27. Juni 2012

Marillenkuchen aus dem Pfandl

Der Gartenblog macht wieder einmal ein Event, dieses Mal zum Thema Aprikosen. Hamma aber net in Wien. Ich hoffe, Marillen gehen auch. ;)

Auf jeden Fall geht sich das bei uns ganz knapp aus: Ich habe die ersten inländischen Marillen ergattern können. Ihr scheint in Deutschland da deutlich früher dran zu sein mit der Ernte.

Garten-Koch-Event Juni 2012: Aprikosen [30.06.2012]


Das Rezept habe ich wieder einmal bei BBC Good Food gefunden. Dort heißt es noch ganz elegant apricot upside down tarte, ich habe es ganz schnöde in Marillenkuchen aus dem Pfandl umgetauft, da der Kuchen in der Pfanne gebacken wird. Omapfanne! Wichtig! Der Stiel der Pfanne muss 200 Grad aushalten können. Und man tut gut daran, diesen Stiel ordentlich einzupacken, bevor man die Pfanne aus dem Ofen holt. Es macht sicher böse Brandblasen, wenn man das vergisst.

Neu war für mich bei diesem Rezept das "rubbing in".  Man kann das sicher mit einem ganz normalen 08/15-Mürbteig auch backen, aber ich finde es immer wieder spannend, neue Techniken auszuprobieren. Bei dem "rubbing in" wird ein Ei mit einem Löffel Wasser verschlagen. In der Küchenmaschine werden Mehl, eine Prise Salz und Butter verbröselt, dann wird bei laufender Maschine gerade so viel von dem Ei-Gemisch zugegeben, bis der Teig abbindet. Ich habe nicht einmal die Hälfte von dem Ei-Mischmasch gebraucht und hatte einen schönen Teig fertig. Im Rezept wird der Teig sofort verarbeitet, aber das passte nicht in meinen Zeitplan, also durfte er eine Stunde im Kühlschrank ruhen, was ihm nicht geschadet hat.





Teig:
235 g Mehl
1 Prise Salz
170 g kalte Butter
50 g Staubzucker
1 Ei mit 1 EL Wasser verschlagen

Karamell:
100 g Staubzucker
50 ml Wasser
55 g Butter

Ca. 1/2 Kilo Marillen

Eis oder Schlagobers zum Servieren
(Turbohausfrau: 1 EL gehackte Pistazien zum Drüberstreuen)



Backrohr auf 200 Grad aufheizen (keine Umluft). 

Teig wie oben beschrieben zubereiten.  Im Rezept wird er auf einem Blatt Backpapier ausgewalkt und kreisrund (passend zur Pfanne) zugeschnitten. Ich habe das wie immer freestyle auf der bemehlten Arbeitsfläche gemacht und dann in der Pfanne den überschüssigen Teig weggeschnitten. Wenn man das so wie ich macht, muss man allerdings aufpassen, dass die Karamell-Marillen-Masse schon einigermaßen überkühlt ist, sonst schmilzt der Teig durch die heiße Pfanne davon.

Aber so weit ist es noch nicht, erst Karamell herstellen:
Zucker und Wasser in der Pfanne schmelzen, ein paar Minuten köcheln lassen, bis die Masse sirupartig eingedickt ist. Dabei ununterbrochen Rühren, damit nichts anbrennt. 40 g Butter in die Karamell-Masse einrühren, Pfanne für ein paar Minuten zum Abkühlen auf die Seite stellen. In der Zwischenzeit Marillen waschen und entkernen. Mit der Schnittfläche nach unten in die Butter-Karamell-Mischung setzen. Mit dem Teig abdecken, die Teigkanten gut nach unten stopfen. Mit einer Gabel den Teigdeckel etliche Male einstechen. Die übrige Butter in Flöckchen draufsetzen, den restlichen Zucker über den Teig streuen. Ab ins Rohr und 30 min. backen. Wenn der Teig eine schöne hellbraune Farbe angenommen hat, ist der Kuchen fertig. An die Handschuhe denken, bevor man den Kuchen aus dem Rohr holt!

Kuchen ein paar Minuten abkühlen lassen, dann auf einen großen Teller stürzen. Achtung! Bei mir ist noch ein wenig Karamell aus der Pfanne rausgeronnen, daher sollte man den Teller wirklich groß wählen, damit einem der brennheiße Zucker nicht über die Hände rinnt beim Stürzen.

Ich habe noch gehackte Pistazien über den Kuchen gestreut, was ausgezeichnet gepasst hat. Wir haben zu dem warmen Kuchen eine Kugel Vanilleeis gegessen.




Manöverkritik: Ausgezeichneter Kuchen mit einem gar nicht bröseligen, sondern wunderbar saftigen Mürbteig.
Großes Aber: Man sollte den Kuchen gleich aufessen, also ladet euch Leute ein! Am nächsten Tag ist der Kuchen nur mehr das halbe Vergnügen, weil da ist der Mürbteig nicht mehr saftig, sondern aufgeweicht vom Karamell.

Kommentare :

  1. Das ist ja wirklich ein interessantes Rezept!

    Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Lecker!

    Liebe Grüße, Ann-Katrin
    von penneimtopf.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  2. Eben, ich fand das Rezept auch sehr interessant. Und es war ein wirklich guter Kuchen - also am ersten Tag ausgezeichnet, am zweiten auch ganz okay.

    AntwortenLöschen
  3. Sozusagen eine Marillen-Tarte-Tatin! Ich warte noch auf die Wachauer, allerdings soll die Ernte heuer ganz schlecht ausfallen, hab ich gehört ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In Wien kriegt man sowieso fast nie Wachauer Marillen zu kaufen - die werden nach Frankreich exportiert, wir haben dafür die französischen hier. Das ist echt ein Wahnsinn, dass man aus Wien in die Wachau fahren muss, um die Marillen kaufen zu können.

      Löschen
    2. in Linz ist es ähnlich. Wir fahren deshalb jedes Jahr im Juli in die Wachau, um einzukaufen. Und selbst dort muss man aufpassen, mittlerweile stehen am Straßenrand oft LKW mit ungarischem Kennzeichen und verkaufen Marillen ...

      Löschen
    3. Nicht nur bei den ungarischen Kennzeichen muss man aufpassen. Uns ist es einmal passiert, dass wir in einem Marillengarten direkt einkaufen wollten und erst auf Nachfrage erfahren haben, dass der gute Mann da nicht nur die eigenen Marillen verkaufen wollte.

      Aber zum Glück scheint die Ernte im Wiener Raum gut zu werden und ich kenne Leute mit Marillenbäumen. ;)

      Löschen
  4. Bei einer Tarte Tatin mit saftiger Frucht wird der Karamell leicht zu flüssig. Ich würde generell das Wasser weg lassen, den Zucker langsam schmelzen und dann die Butter einrühren. Wenn dann die Früchte noch viel Saft lassen, die Marillen aus der Pfanne nehmen und den Karamell-Saft noch weiter einkochen bis er richtig dickflüssig ist. So bleibt der Karamell in der Tarte und wird jede Tarte Tatin auch am 2. Tag nicht matschig.

    AntwortenLöschen
  5. Nachdem ich noch nie original englisches "Butterscotch" gemacht hatte, habe ich mich ans Rezept gehalten und das direkt nachgekocht. :)

    AntwortenLöschen