Freitag, 12. April 2013

Haferwurzeln

Es musste tatsächlich Ostern werden, bis ich endlich Haferwurzeln auf dem Markt sah. Der Boden war offenbar durchgehend gefroren, sodass die Wurzeln nicht geerntet werden konnten. Irgendwann einmal hatte ich schon Haferwurzeln, aber sie waren mir nicht als besonders spannend in Erinnerung. Nun habe ich eine ziemliche Menge gekauft und getestet, was damit geht und was nicht.


Wikipedia klärte mich auf, dass die Haferwurzel sehr nahrhaft ist - ja fein, wär doch ein Wunder, wenn ich einmal etwas kaufe, das wenige Kalorien hat. Ein Sprichwort sagt angeblich: „Habermark macht d' Bube stark.“ Da ist es wieder, mein goldenes Händchen, was solche Lebensmittel bzw. Rezepte angeht. Hallelujah!

Vom Geschmack her finde ich die Haferwurzel sehr ähnlich der Schwarzwurzel. Laut Wikipedia ähnelt sie dem Geschmack einer Auster. Dazu kann ich aber nichts sagen, weil ich kann schleimige Sachen gar nicht essen. Meine erste und einzige Auster hinterließ geschmackstechnisch rein gar keinen Eindruck bei mir, nur einen texturtechnischen und der war zum Glück bei der Haferwurzel ganz anders.

Leider waren die Wurzeln nicht nur beim Einkaufen hässlich. Es ist so, dass man laut Bäurin die vielen kleinen Seitenwurzeln nicht abschneiden kann oder gar die Haferwurzel schälen, da sonst der ganze Saft herausrinnt und die Wurzeln werden hart und zäh. Mir ist auch aufgefallen, wenn ich eine stärkere Seitenwurzel doch abgerissen hatte, dass sofort milchiger Saft austrat, der die Hände braun färbt (ist gut abwaschbar).
Das heißt, man kann die Wurzeln nur waschen und bürsten, die ganz feinen Seitenwurzeln kann man ein wenig einkürzen, ebenso das sehr dünne Endstück abzwicken. Ein borstiges Etwas hat man in jedem Fall auf dem Teller.

Laut Bäurin, bei der ich gekauft habe, dünstet man die Wurzeln ein paar Minuten in wenig Wasser, fertig. Das Grün abschneiden und am Schluss mit den Wurzeln mit dünsten.


Das war dann unser erster Versuch: Wenig Butter geschmolzen, ganz wenig Wasser dazu, Wurzeln 5 min. zugedeckt gedünstet, dann das Grün dazu, noch eine Minute gedünstet. Nur gewürzt mit Salz und Pfeffer.
Serviert zu Lammkotelett und roter Polenta.

Nicht ohne Grund habe ich die Wurzeln hinter allem versteckt. Der Geschmack war ausbaufähig.





Bei kulinaria katastrophalia wurde ich fündig bezüglich Versteck-Versuchen. Dieses Mal habe ich beim Dünsten mit Weißwein aufgegossen, das Ergebnis war weitaus erfreulicher als nur mit Wasser. Um jede Wurzel habe ich 3 Bärlauchblätter gewickelt, drumherum Rohschinken, die Röllchen in der Pfanne noch einmal kurz angebraten.
Perfekte Vorspeise! So kann ich diese Wurzeln wirklich empfehlen.


Da landeten zwei Haferwurzeln drinnen: Wurzelkorma nach Nigel Slater, gefunden bei Katha.

Das ist die zweite Empfehlung, die ich uneingeschränkt abgeben kann. Da sieht man die Haferwurzel nicht und sie passt auch geschmacklich gut in das Wurzeldurcheinander rein.




Bei Tischgespräche habe ich den Link zu diesem Wurzelrezept gefunden. Irgendwo in dem Wurzelchaos ist eine letzte einsame Haferwurzel versteckt. Ich habe abweichend zu dem Rezept im Link noch eine halbe Knoblauchknolle zu den Wurzeln gegeben und die Wurzeln ordentlich mit Olivenöl beträufelt. Die Idee, das Gemüse 3 Stunden in diesem Spezialbett aus Backpapier zu garen, ist toll! Allein der Geruch in der Wohnung, der sich im Lauf der Zeit durch den langsam geschmorten Knoblauch verbreitet hat, war den Versuch wert.
Man muss jedoch aufpassen: das Gemüse drückt mit seinem Gewicht nach unten und macht im Laufe des Garens das Papier platt, sodass mein Gemüse dann teilweise am gusseisernen Bräter aufgelegen ist, an diesen Stellen war es schwarz. Also besser unten ein paar Lagen Papier zerknüllen und nicht nur eine Lage, wie ich das gemacht habe. Auf jeden Fall aber eine Empfehlung für dieses Rezept. Man sieht halt dann leider wieder die kleine, hässliche, zerrupfte, borstige Haferwurzel. Also bedingte Haferwurzeleignung.


Zu spät habe ich gesehen, dass Katha in ihrem Wildpflanzenkochbuch auch Haferwurzeln drinnen hat. Ich kenne die Wurzeln nicht als Wildpflanzen, daher wäre ich nicht auf die Idee gekommen, in diesem Buch zu suchen. Jedenfalls werden die Haferwurzeln dort zu Püree verarbeitet, entweder solo oder mit Erdäpfeln gemischt. Das wird ein Projekt für den nächsten Winter.


Und nun ist Schluss mit Wurzeln und Wintergemüse.  Vor ein paar Tagen ist bei mir der Frühling auf Balkonien  eingezogen und so muss das jetzt bleiben.


Kommentare :

  1. Du treibst Sachen auf......:-)
    Bloggen bildet doch ungemein; Haferwurzeln kannte ich wirklich nicht.

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    1. genau, Bloggen bildet... von Haferwurzeln hatte ich bisher auch noch nie gehört.

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    2. Doch, irgendwann hatte ich die schon mal, ich konnte mich aber nicht mehr richtig erinnern, was ich davon halten soll. Nun weiß ich, warum das so ist - ich weiß wieder nicht, was ich davon halten soll. ;)
      Nein, Blödsinn, natürlich weiß ich es jetzt und ich werde die Wurzeln auch wieder kaufen.

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  2. Herrlich :-) Du hast komödinatisches Talent! Danke für die Versuchsreihe. Ich kannte die Wurzel, aber ihr Äußeres hat mich bislang vom Kauf abgehalten. Kathas Wurzelkorma habe ich auch schon gemacht. Köstlich! Und danke für den Tipp des langgeschmorten Wurzelgemüses in Papier. Ist vorgemerkt für den nächten Winter. Denn auch bei uns: Frühling, endlich!!!

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    1. Schönheiten sind die Dinger echt nicht. Aber wenn man sie irgendwo untermischen kann, dann passt das schon. Sie schmecken nicht besonders intensiv, aber das haben alte Gemüsesorten wohl an sich.

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  3. Interessant, ich denke aber diese Wurzeln werden hier nicht Einzug halten, bzw, habe ich auch noch nie wo welche gesehen.
    Aber lieb von Dir, dass du für uns diese Versuchsreihe durchgeführt hast.

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    1. Für mich ist es immer wieder spannend, solche Gemüse auszuprobieren. Und wenn es sein muss, dann auch gleich mal eine ganze Teststrecke lang. ;)

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  4. Sieht ja nach einer unglaublich einfach zu verarbeitenden Angelegenheit aus die dazu noch sehr ertragreich scheint. Wie viel Kilo braucht Man(n) denn da für eine Person?

    Muss ich um das zu bekommen die älteste Frau auf dem Markt in irgend einer Geheimsprache fragen oder wie läuft das ab *scnr* ;-)

    Aber Hey, Schwarzwurzeln mag ich - von dem her sicherlich einen Test wert.

    Gruß Tom

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    1. Hi Tom,
      doch, ich finde auch, dass die Wurzeln einen Test wert sind. Ich kann dir gern sagen, wo du in Wien die Wurzeln kaufen kannst. Du bist aber aus Deutschland, oder?
      Menge hängt davon ab, was du damit machst. Also Beilage 2 große Wurzeln pro Person, für die Vorspeise habe ich die 3 kleinsten genommen und dann noch in der Länge halbiert für 2 Portionen.

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    2. Naja Wien ist etwas weiter weg. Ich bin aus Stuttgart ;-) Werde danach aber morgen auf dem Markt mal Ausschau halten. Sollte es bei uns ja auch geben :)

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    3. Biobauern sind ein heißer Tipp für solche Gemüse - also zumindest in Wien.
      Ich bin gespannt, ob du die Haferwurzeln findest. Viel Glück!

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  5. Interessant. Eine Haferwurzel hab ich bis jetzt weder gesehen noch davon gehört :-)
    Wieder etwas dazu gelernt, aber jetzt hab ich auch erst mal genug von Wurzeln, der Frühling ist da :-)

    Wünsche ein schönes Wochenende!

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    1. Liebe Britta,
      na so ganz arg bekannt sind die Haferwurzeln bei uns ja auch nicht. Ich finde es immer wieder spannend zu testen, was mit solchen Lebensmitteln möglich ist und was nicht.

      Auch dir ein schönes Wochenende!

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  6. Sehr interessant! Diese Wurzeln kannte ich bisher nicht. Mal sehen ob ich sie bei uns auf dem Markt auftreiben kann, würde mich schon reizen diese auszuprobieren. Danke für den tollen Tipp.

    LG Amika

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    1. Liebe Amika,
      es freut mich, wenn ich dein Interesse geweckt habe. Viel Glück beim Wurzel-Finden!

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  7. Hallöchen,
    sehr interessant das alles, vielen Dank für die vielen Infos:)
    Ich würde nun gerne mal das Rezept von Tischgespräche ausprobieren. Finde aber das Rezept nicht. Auch der link funktioniert nicht ("Seite nicht gefunden")
    Ich wäre dankbar für das Rezept:)

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    1. Oh je! Ich habe wieder etwas dazugelernt: Verlinken allein reicht nicht, man sollte doch auch Eckpunkte eines Rezepts aufschreiben. Leider scheint es diesen Blog nicht mehr zu geben.
      Wenn ich mich recht erinnere, waren da alle möglichen Wurzeln in möglichst gleich große Stücke geschnitten, ordentlich mit Olivenöl beträufeln, in Backpapier und selbiges dann in einen Bräter packen, im Rohr bei 150 Grad 3 Stunden zugedeckt schmoren. Aber meine Hand würde ich für die 150 Grad der langen Zeit nicht mehr ins Feuer legen. Ich gelobe aber Besserung und werde das Rezept diesen Winter noch einmal machen und dann genauere Infos hier reinschreiben.
      Tut mir leid!

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  8. Hi, Ich würde die Haferwurzel gerne mal ausprobieren. Wo bekommt man sie denn in Wien?
    Liebe Grüße
    Katharina

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    1. Liebe Katharina,
      diese habe ich vom Bauernmarkt am Naschmarkt gekauft. Du kannst auch noch am Karmelitermarkt schauen, ob es sie vielleicht dort gibt. Aber die Chancen stehen wohl nicht so gut, weil die findet man wirklich sehr selten.
      Viel Glück beim Finden!

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