Dienstag, 9. Juli 2013

Weichsel-Nuss-Strudel

Die liebe Zorra hat ein schönes Event: Walnüsse will sie. Kriegt sie.
Irgendwie hab ich so die romantische Vorstellung, dass mein Rezept es auf den kalifornischen Walnusskalender schafft und irgendjemand dort tatsächlich anfängt, das Strudelziehen nach meiner Anleitung zu lernen. Freuen würde es mich auf jeden Fall sehr.

Aus diesem Grund habe ich das Rezept auch erstmals mit Allzweckmehl versucht. Ich muss schon zugeben, dass es mit dem österreichischen glatten Mehl leichter geht. Aber andererseits hat man so eine Ausrede, wenn man ein Loch in den Strudelteig reißt oder ihn nicht gar so dünn ausziehen kann, dass man durch den Teig die Zeitung lesen kann - das Mehl ist schuld!


Den Teig in zwei Teile teilen. Einen Teil dünn auswalken und auf ein Küchentuch legen - wenn man hat, nimmt man ein Strudeltuch (danke, liebe Küchenschabe). Nun macht man Fäuste und beginnt den Teig über die Handrücken gleiten zu lassen, dabei zart ziehen, sodass er dünner wird.

Hier sieht man schon, wie der Teig größer und dünner wird. Der Teig soll am Ende so dünn sein, dass man eine darunter liegende Zeitung lesen kann. Die Ränder kann man übrigens nicht dünn ausziehen, daher schneidet man die einfach weg. Den fertig ausgezogenen Teig mit ca. 1/4 der zerlassenen Butter beträufeln.

Die gerösteten Brösel mit Zucker und Nüssen vermischt auf den ausgezogenen Teig streuen, dabei rundherum Ränder lassen, die dann eingeklappt werden. Mit Hilfe des Tuchs einrollen und in eine mit Backpapier ausgelegte Form legen.

Die eingerollten Strudel mit zerlassener Butter beträufeln, bei 180 Grad Ober-/Unterhitze ca. 35 min. backen. Nochmals mit Butter beträufeln, 10 min. ruhen lassen. Fertig.
Für den Teig nimmt man 200 g Mehl, 110 g handwarmes Wasser und 30 g Sonnenblumenöl. Die Zutaten verknetet man rasch mit der Hand - Küchenmaschine ist nicht nötig. Es geht wirklich sehr schnell. Man muss nur schauen, dass man einen homogenen Teig hat und sich nirgends mehr "Mehlnester" verstecken. Die entstehende Teigkugel beträufelt man mit ein paar Tropfen Sonnenblumenöl und lässt den Teig eine Stunde bei Zimmertemperatur ruhen.

In der Zwischenzeit die Fülle herstellen. Unbedingt! Der ausgezogene, dünne Teig verträgt kein langes Herumstehen, sondern muss rasch weiterverarbeitet werden. 

Für die Fülle 1 kg Weichseln waschen und entkernen.
50 g Butter schmelzen, darin 50 g Semmelbröseln und 50 g geriebene Walnüsse anrösten. 50 g Zucker in die überkühlte Nussmasse einrühren.

Weitere 50 g Butter schmelzen und überkühlen lassen.

Nun beginnt die oben beschriebene Prozedur des Strudelziehens. In diesem Fall ist es wirklich besser, wenn man zwei einzelne Strudel macht, da die Weichseln leicht ein Loch in den Teig reißen. Wichtig ist, dass man die Nuss-Mischung nicht mit den Weichseln mischt, sondern auf den mit Butter beträufelten Teig verteilt. Das ist quasi eine Schutzschicht, damit der Teig nicht durch den Weichselsaft aufweicht.

Den fertig gebackenen Strudel nach dem Rasten in Stücke schneiden und mit Staubzucker bestreuen.  Warm oder kalt genießen.


Man kann den Strudel auch mit normalen Kirschen backen, aber besser schmeckt er mit Weichseln (= Sauerkirschen), denn die feine Säure gibt ihm das gewisse Etwas.
In meinem Elternhaus wurden die Weichseln früher nie entkernt - mir ist das definitiv zu mühsam beim Essen. Aber falls jemand mal keine Lust hat, sich die Arbeit anzutun, dann muss er das nicht, wollte ich nur so anmerken.

Eine weitere Anleitung zum Ziehen von Strudelteig habe ich hier schon einmal eingestellt. Die ist noch ein wenig genauer. Bei youtube finden sich auch eine Menge Anleitungen, die das Ausziehen vom Teig schön zeigen.

Strudelblätter oder Yufka-Teig sind die Variante für Feiglinge. ;)



So, nun schnell ab mit dem Strudel zu Zorra, damit sie noch ein Stück warm essen kann.

Kommentare :

  1. Schaut sehr lecker aus! Ich muss auch endlich mal wieder strudeln :)

    Und danke für die Erklärung, ich hatte angefangen zu lesen und ständig überlegt, was Weichseln sind. Sah ja schon nach Kirschen aus ;-)

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    1. So ganz sicher bin ich mir nie, ob mich jetzt gar niemand aus Deutschland versteht oder nur Bayern versteht oder eh jemandem klar ist, worum es geht. Sicherheitshalber schreib ich dann, was ich denke, wie das in Deutschland heißt. Zum Glück ist Deutsch meine erste Fremdsprache ... ;)

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  2. Jawoll, ich will jetzt bei jedem zukünftigen Strudelrezept ein offizielles Dankeschön fürs Strudeltuch ;-))
    Schön schaut er aus, dein Strudel, und ich back ihn sogar nach, wenn meine Weichseln reif sind!

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    1. Hihi, solange du nicht vorschreibst, dass ich jede Woche einen Strudel damit backen muss, um dir zu huldigen, mach ich das gern. :)

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  3. Mei, das ist sie wieder - die wunderbare österreichische Küche,
    zu gern hätt ich davon jetzt a Stückerl ;-)
    Meine Weichsel sind noch grasgrün aber wenn sie rot sind ....
    Herzlichst Doris

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    1. Wart, ich versuch dir ein Stückerl durch die Leitung zu schieben. Teller unters Internet halten, bitte!

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  4. Danke für die detaillierte Zieh-Anleitung. Inzwischen klappt das ganz gut bei mir, aber so routiniert, dass es fix geht. Dabei mag ich Strudel so gerne.

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    1. Da ist das Mehl schuld, sag ich dir! Ich hab dieses Mal auch ein bissl herumgewurschtelt und der Teig ist nicht sooo ganz genial über die Handrücken gerutscht wie sonst.

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  5. Omnomnom... :-)
    Das mit dem Ziehen scheint so ähnlich zu gehen wie bei den Sfogliatelle, also kann ich's bereits. Danke für den Tipp, die Ränder einfach abzuschneiden. Dazu war ich bislang zu "geizig" und wurde beim Ziehen mit vielen Löchern belohnt. ;-)

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  6. Sehr fein, wenn du es schon kannst! Find ich toll.
    Bei mir reißt der Teig auch wenn, dann am Übergang vom dünnen Teig zu den dickeren Rändern. Keine Ahnung, ob es da eine brauchbare Lösung dafür gibt. Ich hab für mich entschieden, die Ränder krieg ich einfach nicht hin und schneid sie einfach ab. Aus die Maus.

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  7. Also wäre ich deine Nachbarin, dann würde ich mich genau dazu bei dir einladen. Einfach klingeln und hoffen! Sieht super aus!

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    1. Na das würde mich dann sehr freuen, wenn du vor der Tür stehen würdest! Immer her mit dir! :)

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  8. sehr schöne action-Fotos!
    genau so wird gestrudelt.
    ach ja, die variante für Feiglinge.lol ;-)

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    1. Danke!

      Filo-Teig hab ich als Warmduscher-Variante vergessen. ;)

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  9. Och, ich bin zu spät meine Vorredner haben schon alles aufgegessen! Da musst du mir nochmals einen backen! Am besten komme ich gleich persönlich vorbei und du zeigst es mir live wie es geht. Ich habe ja auch schon 2x gestrudelt, so ganz Anfänger bin ich nicht. ;-)

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    1. Ja, leider alles weg. Musst schnell kommen, weil die Weichseln sind bald aus. Die gibt es hier immer nur sehr, sehe kurz.


      Dich hab ich auch gerade aus dem Spam-Ordner gefischt! Anscheinend kommentierst du auch zu viel. ;)

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  10. Überall so nette süße Rezepte, und ich keine Zeit was zu backen!
    DAS ist gemaiiihiiin!

    Kann ich mich wo beschweren?

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    1. Willkommen im Leben der werktätigen Massen. ;)
      Falls du eine Beschwerdestelle findest, lass es mich unbedingt wissen. Da geh ich dann auch hin.

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  11. Strudelteigausziehen war bei uns immer "Kinderarbeit". Wir sind zu viert um den Tisch herum gewandert - ein bissl ziehn - weiter gehn - wieder ziehn... Was für ein Spaß! Und Mama hat auch gar nicht geschimpft, wenn wir wieder Löcher reingerissen haben ... Im Nachhinein: Respekt vor dieser Gelassenheit ;-)
    Sieht köstlich aus, dein Strudel!

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    1. Das stell ich mir grad recht lustig vor, was du da beschreibst. Und es klingt nach glücklicher Kindheit!

      Das Strudelziehen habe ich in der Schule gelernt. Was ich mich so erinnern kann, haben die ersten Strudel nur aus Löchern bestanden, die durch die dicken Ränder und viel gutem Willen zusammengehalten wurden. ;)

      Danke für die Blumen.

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  12. Kommende Woche müssten meine Weichseln soweit sein, ich mach so einen Strudel normalerweise mit normalen Kirschen, mit Weichseln hab ich es noch nie probiert. Freu mich jetzt aber schon voll drauf, nachdem ich deinen köstlichen Strudel entdeckt hab!

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    1. ach und eine Frage: waren deine Weichseln sehr sauer? Bei meinen würde ich eher nicht von feiner, sondern doch recht kärftiger Säure sprechen und frag mich gerade ob der Zucker dafür reicht...

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    2. Nein, meine waren nicht sehr sauer. Ich kann mich erinnern, als ich ein Kind war, hatten wir einen Weichselbaum im Garten, da waren die Weichseln brutal sauer. Da war sicher die dreifache Menge Zucker im Strudel. Das hatte aber den Vorteil, dass kein Vogel sich an den Weichseln vergriffen hat. Die sind vor den Weichseln eher geflüchtet. ;)

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    3. so, sie sind reif! Vögel vergreifen sich sicher keine an meinen Weichseln ;)
      aber länger hängen lassen bringt auch nix, süßer werden die nimmer. Mit dem Zucker muss ich wohl experimentieren!

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    4. Genau solchen Weichseln dürften wir in meiner Jugend auch im Garten gehabt haben. Die hat nämlich auch kein Vogel angerührt, weil sie so sauer waren. Und die sind auch nicht süßer geworden durch das längere Hängen. Da musst du wirklich ausprobieren, wie viel Zucker die brauchen. Aber verdoppeln würde ich die Menge mindestens, wenn nicht verdreifachen.

      Wenn du einen Dampfentsafter hast, dann mach doch Weichselsirup. Das geht schnell und die Zuckermenge kann man ja dann dem Saft anpassen. Das war früher auch immer eine willkommene Verwertung für diese supersauren Dinger.

      Bitte einmal Babybauch für mich streicheln! ;)

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    5. Hihi, erledigt, also das Babybauchstreicheln. Obwohl ich eigentlich grade gar nicht so nett zu meinem Kind sein will, die tritt mich nämlich schon wieder sooooooo gegen die Rippen. Aber jetzt sind es ja nur mehr 2 Wochen, ich kanns gar nicht glauben wie schnell die Zeit vergangen ist.

      Den Strudel hab ich gestern gemacht und er ist sehr gut geworden. Ich war nur etwas bequem und hab den Teig fertig gekauft. Zucker hab ich Auge mal Pi genommen, zuerst die Weichseln schon fest gezuckert, probiert, noch einmal nachgezuckert. Sollte ich das nächste mal anders machen, dann wüsste ich wieviel ich verwenden muss und kann mir die Probiererei sparen. Aber egal.
      Mir hat er jedenfalls sehr gut geschmeckt, wenn ich ihn für Gäste machen würde müsste wohl noch ein bissl mehr Zucker dazu. Ich mags gern sauer.

      Die restlichen Weichseln hab ich eingelegt und die Schwiegermutter hat noch welche zu Marmelade verarbeitet. Bin froh, dass damit der Großteil schon verarbeitet ist, es ist jetzt alles schon ein bissl mühsam...

      schöne Grüße!

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    6. Einen ganzen Baum mit so supersauren Weichseln voll stell ich mir fast schon mühsam vor. Noch dazu mit Babybauch.
      Habt ihr schon einen schalldichten Raum gemacht für die kleine Winzerin? Oder für dich, wenn du dich einmal ausruhen willst? :D
      Zwei Wochen bei dieser Hitze noch überstehen, das wird sicher kein Erbserl. Ich wünsch dir alles Gute für die Zeit - und natürlich auch die Zeit danach.

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    7. es ist ein noch kleines Bäumchen, also geht es. und alles was nicht verarbeitet werden kann düngt eben den Boden, da mach ich mir keinen Stress.

      Wenn ich einmal Ruhe brauche, dann geh ich in den Keller etikettieren und teil die Schwiegermama ein ;) und wenns dem Winzer zu laut werden sollte, dann muss er halt auch in den Keller, schlafen wird dort halt für ihn vielleicht ungemütlich, hihi. Aber vielleicht bekommen wir ja auch ein ganz, ganz braves und ruhiges Winzerkind. Mein Winzer hat mir heute übrigens das Planschbecken aufgebaut, damit wir die heisse Zeit gut überstehen. Also wir machen das schon! So und jetzt kümmer ich mich endlich auch wieder einmal um meinen Blog, werd heut aber wahrscheinlich trotzdem nicht fertig werden. Gähn...

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    8. Liebe Kärntnerin, das klingt alles sehr entspannt! Sowohl was den Weichselbaum angeht als auch bezüglich Nachwuchs.
      Ich drück euch die Daumen, dass die kleine Winzerin eine ganz Brave wird. Aber mir scheint, ihr werdet das Kind in jedem Fall schon schaukeln. Das mit dem Planschbecken finde ich sehr nett vom Winzer!
      Das mit dem Blog kenn ich. Der hängt immer irgendwie nach. Aber man kann auch einen Blog mal ganz einfach ruhen lassen. ;)

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  13. Strudelteig ist für mich ja ein "Buch mit 7 Siegeln" - gabs hier auch nie, aber irgendwann werd ich es vllt auch mal probieren :D

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    1. Man hat ja nicht wirklich was zu verlieren, wenn es nicht klappt. 200 g Mehl sind jetzt nicht sooo die Welt.
      Kauf einfach ein Packerl Strudelblätter. Wenn es schief geht, kannst du die immer noch nehmen.

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  14. Weichsel-Nuss habe ich noch nicht im Strudel gehabt. Sieht super gelungen und lecker aus. Gekaufter Strudelteig ist meiner Ansicht nach schwieriger in der Handhabung. Trocken, bricht leicht an den Nähten etc. Und so gezogen geht er, abgesehen von der Stehzeit, wirklich realativ schnell.

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Die Kombination Weichsel mit Nuss ist wirklich gschmackig.
      Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich viele Jahre mit gekauftem Strudelteig gekocht habe - ist ja so praktisch ... Und kleine Strudelpackerln, die man in Muffinförmchen stellt und oben zubindet, mach ich immer noch mit gekauftem Strudelteig, weil ich finde, der ist steifer und eignet sich dafür besser. Aber ich arbeite dran!

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