Montag, 30. Dezember 2013

No Knead Bread


Das Jahr geht zu Ende und es ist Zeit, kochtechnisch ein wenig zurückzuschauen. Keine Auffälligkeiten zu berichten bis auf den Brotbackvirus.

Bis vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich strikt geweigert, Brot zu backen. Kuchen jeder Art gerne und jederzeit, aber kein Brot. Irgendwann begann ich, No Knead Bread zu backen - hey, easy & smart! Mehr brauchte ich nicht. Sauerteig? Wozu? Vor allem hatte ich absolut kein Händchen für Sauerteigbrot. Das ging so weit, dass mir das Sauerteigbrot, das ich in einem Brotbackkurs gebacken hatte, auf dem Heimweg speckig wurde.

Aber mich packt dann immer der Ehrgeiz und es wurmt mich ohne Ende, wenn andere Leute scheinbar mit dem kleinen Finger etwas zusammenbringen und ich schaffe das nicht einmal mit Einsatz aller Kräfte. Also bin ich dran geblieben und habe hinter den Kulissen ein Brot nach dem anderen verhaut. Als Ausgleich habe ich dann Handsemmerln gebacken oder Salzstangerln - kein Sauerteig, daher hat so etwas immer geklappt. Aber ich bin immer besser geworden. Und nun trau ich mich sagen: Ich hab's kapiert! Danke auch noch einmal an Jürgen, der mit mir einen Brotbackkurs überstanden hat und den ich immer löchern durfte mit allen Fragen - von ihm kam dann immer irgendwie ganz cool: Das wird schon. Und recht hatte er.

Der linke Wecken auf den oberen Bildern ist übrigens das Malzbierbrot, das Sandra from snuggs kitchen für mich gebacken hatte. Das wollte ich eigentlich für das heutige Posting verwenden, aber habe dann gesehen, dass das für das Brotbackevent schon von einigen anderen Leuten gezeigt wird.

Der Wecken rechts unten ist Jürgens Einkorn-Körndlbrot, gebacken mit Mehl und Körnern, die er mir geschenkt hat. Dieses Geschenk hat er hoffentlich nicht bereut, denn das brachte wieder etliche Fragen von mir mit sich. Aber was soll ich sagen? Neue Körner sind schon im Haus, damit ich das Brot wieder nachbacken kann. Dringende Nachbackempfehlung! Schmeckt überirdisch!

Ja nun, das wird hier ein endloses Gelaber. Dabei backe ich nur No Knead Bread. Nur ... Es ist eines der besten Brote, die ich kenne. Innen viele Löcher, knusprige Kruste, auch am zweiten Tag noch saftig, danach kann man es immer noch gut zum Rösten hernehmen. Und vor allem ist es ein Brot für faule Menschen - kein Kneten, wie der Name schon sagt. Bäckt sich fast von allein.


Die Zutaten kenne ich mittlerweile auswendig:
435 g weißes Weizenmehl (glattes oder Allzweckmehl)
1 g Trockengerm
12 g Salz
knapp 350 g Wasser
Mehl zum Stauben
1 Hand voll Weizen- oder Haferkleie


Erst rührt man die Zutaten zusammen - nicht kneten, nur zusammenrühren, nicht einmal ein glatter Teig muss entstehen, sondern es soll halt alles zusammenhalten. Ich mache das gleich in einer Rührschüssel, da kommt dann Klarsichtfolie drüber. Ende der Arbeit für 18 Stunden.









So schaut das nach der Gehzeit aus. Also nicht ganz, denn an den Rändern sieht man, dass der Teig ein Stück abgesackt ist, als ich die Folie abgenommen habe. Daher wichtig: Klarsichtfolie drüber und wirklich einfach in Ruhe lassen.

Nach den 18 Stunden Gehzeit richtet man sich ein Stück Backpapier her, staubt das ordentlich mit Mehl, holt den Teig mit einer Teigkarte aus der Schüssel und bugsiert ihn auf das gestaubte Backpapier.
Den Teig einmal falten. Ich stülpe danach einfach die Rührschüssel über den Teig, 15 min. entspannen lassen.

Dann bestreut man ein Geschirrhangerl (= Geschirrtuch) mit der Kleie. Viel Kleie! Der Teig ist feuchter als andere Brotteige, daher die viele Kleie, damit der Teig dann später wieder aus dem Geschirrhangerl raus geht. Mit bemehlten Händen hebt man den Teig vom Papier und dreht ihn mit der Faltstelle nach unten in das Hangerl. Selbiges kommt dann in ein rundes Brotkörberl. Ich decke das Körberl mit Klarsichtfolie ab, damit der Teig gut geschützt ist. So darf er nun wieder 2 Stunden liegen.

Nach einer Stunde heizt man das Backrohr auf 240 Grad auf, Rost ganz nach unten stellen, nach 30 min. stellt man noch einen feuerfesten Topf mit Deckel (z. B. gusseiserner Bräter) mit ins Rohr. Da kippt man nach den 2 Stunden Gehzeit den Teig hinein. Bei mir immer die schwierigste Übung - auf dem Foto sieht man, dass ich es wieder einmal nicht geschafft habe, dass die gefaltete Stelle nun an der Oberseite ist.

30 min. mit Deckel, weitere 15 min. ohne Deckel backen. Brot herausheben und auf einem Backgitter auskühlen lassen.

Mindestens eine Stunde überkühlen lassen. Nein, nicht zu früh kosten. Finger weg!












Immer noch zu kompliziert? Hier die Videoanleitung:


Wie es im Video heißt: Sechsjährige können das. Wirklich. Kein Schmäh!

Spannend finde ich übrigens, dass fast die identen Zutaten in einem anderen Brot zusammenkommen: Zu finden hier bei Zorra das Pane Casareccio - bei dem wird allerdings geknetet.

Bread Baking Day #63 - Topfbrot/Bread in a pot (last day of submission Januar 5, 2014)
Dies ist mein Beitrag zum BBD # 63, den dieses Mal Sandra ausrichtet, die Meisterin der Topfbrote.

Kommentare :

  1. lecker, lecker, lecker. Mal sehen, wo ich heute noch Weizenkleie her bekomme. Ich brauch nämlich frisches Brot

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    1. Die Kleie kaufe ich entweder im DM oder einem Biogeschäft. In gut sortierten Supermärkten sollte es die eigentlich auch geben.

      Viel Erfolg muss ich dir ja nicht wünschen, denn du kannst ja Brot backen! :)

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  2. Haha, ich könnte mich wegwerfen, so schön geschrieben :)

    Aber Du sieht, Übung macht den Meister, wenn man sich mal meine ersten Brot-Fotos anschaut - reden wir nicht drüber ;) Und selbst jetzt klappt es nicht immer...

    Und Du hast mir sogar etwas voraus - ich habe noch kein No-Knead-Brot gebacken, steht jetzt aber ganz weit oben auf der ToDo-Liste für 2014!

    Vielen lieben Dank für Deinen tollen Beitrag ♡

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    1. Ja, es stimmt: Das wird schon. Man muss einfach ein bissl Geduld mit sich selber haben, dann klappt das. Auch die Sauerteigbrote werden immer besser.

      Das find ich lustig, dass du das einfachste Brot noch nicht gebacken hast. Gerade du! :)

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  3. Wunderbar sieht das wieder aus.
    Wahrscheinlich kann man statt Kleie auch was anderes verwenden oder?

    Und: Du bist eine No Knead Meisterin!

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    1. Die No Knead-Meisterin hat zwei Tage vor diesem Brot auch eines verhaut. Das hab ich dir eh erzählt, dass das einfach der Schlag getroffen hat. Keine Ahnung, was da passiert ist. Aber seit ich Brot backe, habe ich immer eines im Tiefkühler, damit wir nicht an einem Feiertag ganz ohne Brot dastehen. Auch da habe ich gelernt ...

      Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was man sonst nehmen könnte. Die Kleie hat den Vorteil, dass sie wirklich nur an der Brotkruste bleibt. Wenn man zu viel nimmt, fällt sie einfach runter und klebt nicht in Brocken untrennbar am Brot. Was sonst noch diese erfreuliche Eigenschaft hat, weiß ich nicht.

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    2. würden kleinblättrige haferflocken auch funktionieren?

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    3. Ehrlich, ich hab keine Ahnung! Ich hab das immer nur mit Kleie gemacht. Ich hab Hafer- und Weizenkleie probiert, die gehen beide, aber sonst habe ich noch keine Versuche gemacht.

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    4. Ich denke das müsste genau so funktionieren wie Sesam oder so.

      Auf alle Fälle wünsche ich uns für 2014 noch viele herrliche Brotbackideen -)

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    5. Gerade habe ich Dinkel-Weizen-Brot ins Rohr geschoben - ähm, nein, eigentlich waren auch das nur Karotten ... ;)

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    6. Karotten gabs hier auch heute, aber nicht als Solo Auftritt gggggggg

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    7. Heute wieder: nur Karotten - oder so ... :)

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  4. Super, dass Dich jetzt auch der Back-Virus erwischt hat. Das no Knead könnte ich auch mal wieder backen, das gab es bei uns auch länger nicht. Danke fürs Erinnern und Deine schöne Anleitung in Wort und Bild.

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    1. Das schmeckt gut, gell? Wobei ich das jetzt schon in den verschiedensten Varianten gesehen habe, auch mit Nüssen drinnen und so. Mir ist es aber so ganz schlicht am liebsten.

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  5. Gut sieht das aus! Auch ich habe erst es erst einmal gebacken, das berühmte Brot...ganz am Anfang der Backkarriere....ich muss mal wieder....

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    1. Das ist wirklich DAS Einsteigerbrot, wenn man zu backen beginnt. Es eignet sich ja wirklich gut, weil man nicht viel falsch machen kann.

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  6. jössas susi, die HANDsemmerl schauen ja zum reinbeißen gut aus. da können sich meine "krewegaln" ja verstecken.
    ......und erst die salzstangerl - hach!
    hast sie so geformt (eine hand wuzelt und mit der anderen zieht man den teig in die entgegengesetzte richtung lang, damit er sich verjüngt und die korrekte wicklung entsteht) wie unser brotbackkursgastgeber in seinen videos?
    der erste versuch war ein fiasko bei mir. der teig ist immer beim formen gerissen.

    du bist jetzt schuld, dass ich für die morgige gulaschsuppe handsemmerl backen muss. ;-)

    rutschts gut rüber morgen. :-)

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    1. Ja, sowohl Handsemmerln als auch Salzstangerln sind nach den Videos vom Ofner gemacht. Hat sogar beim ersten Anlauf bei beiden Sachen geklappt.
      An solchen Backaktionen bin ich gern schuld. :)

      Euch euch einen guten Rutsch!

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  7. Das No Knead habe ich auch schon lange nicht mehr gebacken, warum eigentlich?
    Ich freue mich sehr für dich, dass der "Brotbackknoten" endlich geplatzt ist! Die Semmeln sehen herrlich aus. Und wart's mal ab, irgendwann hast auch du zwei verschiedene Sauerteige im Kühlschrank. ;-)
    Ich wünsche dir einen schönen "Letztjahrsabend". Komm gut rüber!
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Öhm, ja, ich hab schon zwei neue "Haustiere" im Kühlschrank: Roggensauerteig und Weizensauerteig. :) Und weil's so Spaß macht, mache ich heute gleich wieder ein neues Brot.

      Liebe Eva, auch dir und deinem H. einen schönen Silvesterabend und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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  8. Rutscht gut ins Neue Jahr!
    Ich freu mich drauf auch in 2014 wieder bei dir mitzulesen.
    Ganz liebe Grüße
    Eva

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    1. Liebe Eva,
      na dann stapfen wir Seite an Seite ins neue Jahr und begleiten einander durch 2014!

      Liebe Grüße auch an dich!

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  9. Ausdauer lohnt sich, wie man sehen kann. Ich bin ja immer noch kein Fan vom No-Knead-Brot aber deins sieht köstlich aus!

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    1. Kein Fan? Also ich finde das sehr gut. Man muss allerdings Ciabatta-Brot mögen, denn so schmeckt das No Knead Bread.

      Aber mal schauen, wie das wird, wenn ich mehr Brote backen kann. Ich werde in nächster Zeit oft auf deinem Blog zu Gast sein und stöbern. :)

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  10. MIt No-Knead-Brot hab ich mich noch nie befasst- wenn ich allerdings deinen Anschnitt anschaue mit den wundervollen Löchern, sollte ich doch dringend mal....

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    1. Liebe Ninive,
      ich finde es wirklich gut. Diese ungleich großen Löcher sind für mich immer ein Zeichen, dass das ein Brot ist, das ich gern mag. Kommt halt auch sehr auf das Mehl an, wie ich immer wieder merke.

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  11. Aus dem Urlaub zurück lese ich erst mal all die leckeren Brote des BBD’s. Dein No Knead Bread sieht gut aus und ich habe mich ebenfalls noch nie mit No Knead Bread auseinandergesetzt was ich aber nachholen werde, denn warum denn auch kneten wenn man nicht unbedingt muss, gell? 

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    1. Dein Nussbrot habe ich gerade bestaunt, das schaut auch sehr gut aus!

      Das Kneten macht bei mir normalerweise die Küchenmaschine, aber die ächzt schon ziemlich, weil sie schon in den letzten Zügen liegt. Daher gibt es derzeit bei mir vermehrt Nicht-Knet-Brote. ;)

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