Sonntag, 23. Februar 2014

Tarocco, Pomeranze, Bergamotte, Martisi

Tarocco = Halbblutorange, Pomeranze = Bitterorange, Bergamotte = Duftorange mit Earl Grey-Aroma - so weit klar, oder? Aber Martisi?

Am Freitag habe ich wieder was Neues kennengelernt, nämlich besagte Martisi. Ich war bei Casa Caria, um für die liebe Eva Kochpoetin Bergamotten zu holen, denn ich habe sie infiziert mit dem Motten-Virus. Und dort durfte ich die süße kleine Martisi kennenlernen. Eine Orangen-Wildform, die keinen, aber auch gar keinen Hauch Säure hat. Zitrusfrüchte sind doch immer wieder erstaunlich! Wie die Frucht botanisch wirklich heißt, wusste auch das sympathische Casa Caria-Duo nicht. Dafür bekam ich gleich zwei von den Martisi geschenkt und das sind sie:


Grund genug, ein Testessen und -kochen zu machen. Eine Orange habe ich so gegessen, um ein bissi ein Gefühl für den Geschmack zu bekomme: Bis auf die nicht vorhandene Säure keine besonderen Auffälligkeiten. Einen ganz leichten bitteren Hauch haben die Martisi, aber auch nicht stärker als durchschnittliche Orangen. Sehr saftig. Ein feines Aroma in jedem Fall.

Dann habe ich mich ans Werk gemacht und gekocht.  Weil ich nun eine Woche lang jeden Tag gebloggt und gewisse Verschleißerscheinungen habe, mache ich es mir einfach: Ich verlinke zu den Rezepten und schreibe nur dazu, wenn ich etwas geändert habe.

Roberts Arance habe ich hier schon nachgemacht. Dieses Mal gemacht aus Tarocco, Schale und Saft fürs Mazerieren stammen von einer Bergamotte.
Ergebnis: sehr gut! Allerdings geht das Aroma der Bergamotte ziemlich verloren. Man schmeckt noch einen Hauch des speziellen Duftes.

Panna Cotta: 1/2 l Schlagobers mit 50 g Zucker unter Rühren erhitzen, währenddessen 3 Blatt Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Schlagobers aufkochen lassen, vom Herd ziehen. Von einer Martisi die Schale abreiben, den Saft auspressen. Saft und Schale zum Schlagobers geben. Gelatine ausdrücken und im Schlagobers auflösen. Auf 4 Gläser verteilen. Wenn die Masse ausgekühlt ist, mit Folie zudecken und ein paar Stunden im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.
Ergebnis: Die Idee, keine Vanille zum Panna Cotta zu geben, war sehr gut. Die Martisi schmecken nicht so intensiv und das Vanillearoma hätte den zarten Geschmack erschlagen.

Aus ein paar Pomeranzen habe ich Kretisches Löffelsüß gemacht. Keine Änderung. Alles genau wie im Rezept gemacht.
Ergebnis: Für gut befunden. Aber süß! Wirklich sehr, sehr süß.

Sollte jemand dieses Dessert genau so nachmachen wollen: Unbedingt diese Pomeranzen erst am Schluss essen. Sie sind so süßsüßsüß und dazu noch der bittere Geschmack der Pomeranzen, dass sie alle anderen Aromen total niederbügeln. Also einfach am Schluss den Löffel mit den kandierten Schalen in den Mund stecken. Vorher nicht einmal probieren!


Was nach dem Essen zu sagen ist: Der Winter hat an Weisel kriegt.
Das verstehen jetzt nur Wiener und da auch nicht alle, weil das ein Ausspruch ist, den fast niemand mehr verwendet. Dabei wär der so schön! Ein Weisel ist ein Verweis. Und mit diesem Dessert erhält der Winter wirklich einen Platzverweis.

Kommentare :

  1. Ich verstehe es, trotzdem ich nicht mal im Ansatz ein Wiener bin.
    Weil den Weisel gibt's auch hier.

    Deine Desserts kriegen keinen Weisel von mir, weil die klingen alle wunderbar köstlich!
    Bis auf das Löffelsüß, ich glaub das wäre nicht meines.

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    1. Aber der Weisel stirbt aus, oder? Gestern war ich auf einer Geburtstagsfeier und wir haben drüber geredet, dass nur mehr sehr wenige Leute dieses Wort verwenden.
      Retten wir jetzt auch noch den Weisel? ;)

      Das Löffelsüß schmeckt sehr nach Urlaub in Griechenland. Das sind so Reminiszenzen, die ich ab und zu gern mag. Bei der unglaublichen Menge Zucker, die da drin enthalten ist, denke ich, dass das eine Glas die nächsten fünf Jahre halten wird und mehr brauch ich davon auch nicht. Aber ich hab es sehr schön gefunden, so eine Urlaubserinnerung wieder einmal erwecken zu können. :)

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    2. Ich habe in Griechenland auch noch nie sowas gegessen.
      Oder übersehen, weil es mir einfach zu süß wäre.

      Wir hatten gestern ja auch Urlaub am Teller :-) Sogar stilecht mit Bier das ich auch dort trinke :-)

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    3. Ansehen tut man dem Zeugs ja nicht, wie süß es ist.
      Ich hab deinen Radler schon entdeckt. :)

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    4. Danke jedenfalls dass du uns auf deine Bergamotte Zitrusfrüchte Reise mitgenommen hast.
      Ich mußte mich gestern so beherrschen als ich diese Buddhas Hand Pflanze gesehen habe....kreisch!

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    5. Dich nehm ich doch besonders gern mit. ;)
      Zitrusfrüchte generell sind immer schon eine besondere Sache für mich gewesen. Dass ich dieses Jahr so viel Glück hatte mit der Auswahl, das freut mich wirklich sehr. Und dass du dich da beherrschen musstest, kann ich sehr gut verstehen. Da hätte es mich auch gejuckt.

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  2. Was Du immer alles auftreibst - unglaublich!!!

    Ich bin mal gespannt, der Marktmann hat gesagt, er versucht mir für nächsten Samstag Bergamotte zu besorgen. Ich werde berichten :D

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    1. Hoffentlich bekommt er noch welche, denn die Saison ist praktisch schon zu Ende. Auftreiben ist gut - die Martisi sind mir passiert. ;)

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  3. Du machst mich neidisch. Hier bei uns im Norden gibt es nur normale Zitrusfrüchte.

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    1. In Wien haben wir diesbezüglich wirklich Glück, dass wir ein paar sehr engagierte Leute haben, die auch so außergewöhnliche Sachen importieren.

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  4. Den Weisel habe ich Nordlicht tatsächlich ganz intuitiv verstanden. ;-)
    Ich freue mich schon wie verrückt! Vielen lieben Dank nochmal!
    Und zu den Desserts, sie klingen köstlich, und ich bin sicher, dass der Winter aufgeben und sich trollen wird. :-)

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    1. Also heute hat das schon mal geklappt mit dem Frühling. Ich hoffe, das bleibt so.

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  5. so eine tolle cremige zitruskomposition könnt ich jetzt glatt auch vertragen.

    so, den newsletter bei casacaria hab ich dann schon mal für die nächste zitrussaison abonniert. :-)

    weiß nicht, ob du meine antwortkommentare auf die deinigen zum zitruskuchen bei sina gestern gelesen hast. ;-)
    ich habe ja gleich bei der tante google anklopfen müssen zwengs den martisi, und was schlägt die gute vor:
    ob ich nicht martini orange meinte? nix da olle tante, ich wollte schon infos über MARTISI! tztztz

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    1. Irgendwann sollte ich bei Casa Caria Prozente verlangen. :D
      Nein, Blödsinn, ich finde das toll, wenn Leute sich die Mühe machen, mit doch nicht unbeträchtlichem Aufwand und Risiko solche exotischen Sachen zu importieren.

      Ja, ich hab deinen Kommentar gelesen, aber ich war schon auf dem Sprung und hab deswegen nichts dazu geschrieben. Diese Martisi scheinen eine lokale Besonderheit zu sein. Niemand dort in der Gegend, wo die wächst, kennt den Ursprung dieser Orange oder den botanischen Namen. War nur spannend, eine vollkommen unsaure Orange zu kosten.
      Vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr mehr als ein paar Exemplare zum Kosten.

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