Mittwoch, 9. Juli 2014

Nigel Slaters "Tender - Gemüse" - eine Liebeserklärung, Teil 2


Und weiter geht es mit der Vorstellung des Buches. Dieses Mal schreibe ich über etwas, das eigentlich gar nicht so meine Passion ist: Fotos. Also selber machen ist nicht meine Passion, anschauen aber schon. Wenn ich Blogs wie Tante Malis Gartenblog sehe, bekomme ich ganz große Augen und könnte Stunden damit verbringen, mir die Fotos anzusehen. Anders schaut es dann aus, wenn in Blogs die Lebensmittel quer über den Tisch verteilt werden, die Tischwäsche zerknittert wird und ausgeschlagene Emaile-Töpfe herhalten müssen. Wahrscheinlich bin ich schlicht und einfach zu alt, um so etwas zu verstehen - mit ausgeschlagenen Emaille-Töpfen bin ich groß geworden, weil einfach nicht genug Geld da war, neue Töpfe zu kaufen. Auch wenn es trotz allem eine gute Zeit war, so sehne ich mich nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Wahrscheinlich sitzt es mir auch noch aus Kindertagen in den Knochen, dass man mit Lebensmittel respektvoll umgeht und sie nicht der Gaude halber auf dem Tisch verteilt.



Das war jetzt eigentlich nur die endlos lange Einleitung zu einem kurzen Satz: Die Fotos in dem Buch sind ein Traum! Essen auf den Tellern und nicht daneben, liebevoll fotografierte Lebensmittel, zum Teil noch an den Pflanzen. Genau so stelle ich mir einen britischen Gärtner vor in meinen Fantasien. Und genau so stell ich mir einen guten Koch vor: Nix mit "hau drauf", sondern Umsicht und Behutsamkeit als Prioritäten.



Und nun kommt ein Rezept, das genau so vorsichtig mit einem eher "gewöhnlichen" Lebensmittel umgeht:
Lauch-Risotto mit Pancetta

Ich hatte das Glück, recht jungen Lauch zu ergattern, das heißt, er hatte einen besonders feines Aroma. Um einem so zarten Aroma gerecht zu werden, braucht es aber Zeit: Soll heißen, man schmort anfangs den Lauch ganz langsam und bei möglichst niedriger Temperatur, bis er weich ist. Man kann auch ein Stück Backpapier in der Größe des Topfes zuschneiden und direkt auf den Lauch legen, so als Deckel quasi.

Für 2 Personen:
2 mittlere Stangen Lauch (bei mir 3 kleine)
50 g Butter + 1 nussgroßes Stück zum Abrunden vom Risotto
300 g Risotto-Reis (bei uns 250 g, aber wir hätten auch 300 g gepackt)
1 Glas Noilly Prat
1 l Hühnerfond
6 Scheiben Pancetta
3 EL Parmesan, gerieben

Vom Lauch die äußeren Blätter entfernen, die Stangen der Länge nach einschneiden und die Erde herauswaschen. Wasser vom Strunk weg durch die Blätter fließen lassen, damit man nicht die sicher noch vorhandene Erde in den Lauch hineinschwemmt. Lauch trockentupfen und in feine Ringe schneiden. Butter auf kleiner Flamme schmelzen, Lauch dazugeben und ganz sacht garen, bis der Lauch weich ist. Farbe darf er dabei nicht annehmen.
Reis zum Lauch geben, einrühren und mit dem Wermut aufgießen. Köcheln lassen, bis der Alkohol verdampft ist. Dann immer wieder mit einem Schöpfer kochend heißem Hühnerfond aufgießen. Ab und zu umrühren.
Den Speck ohne Fett in einer Pfanne knusprig braten. Auf Küchenrolle abtropfen lassen. 4 gebratene Speckstreifen in kleine Stückerln schneiden. Bei mir sind sie teilweise zerbröselt. Wenn das Risotto fertig ist, Parmesan, Butter und alle Speckstückerln und -bröseln einrühren. Ein paar Minuten ruhen lassen. Servieren. Dabei die verbliebenen beiden Speckstreifen auf das Risotto setzen.



Was es nach dem Essen zu sagen gibt? Ein einfaches Essen, das für mich so richtig gut zur Vorstellung passt, dass der emsige Gärtner nach einem Tag Umgraben, Aufbinden, Ausgeizen, Auszupfen und Gießen schlussendlich ein paar Stangen Lauch erntet, ins Haus geht und sich genau dieses Risotto zubereitet. Rustikal, gut nach einem Tag harter Arbeit, sättigend und vor allem sehr glücklich machend!

Kommentare :

  1. Du machst mich richtig glücklich damit, was du über (Zitat) "wenn in Blogs die Lebensmittel quer über den Tisch verteilt werden, die Tischwäsche zerknittert wird und ausgeschlagene Emaile-Töpfe herhalten müssen" und "Essen auf den Tellern und nicht daneben, liebevoll fotografierte Lebensmittel" schreibst, denn ich bin da ganz Eins mit dir (vielleicht liegt es bei mir auch am Alter....das wohl auch einigermaßen ähnlich ist bei uns :-)) und da ich ja bekennende Risotto-Liebhaberin bin, nehme ich mir gleich mal was von deinem tollen Risotto mit!

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    1. Das denke ich auch, dass wir in etwa gleich alt sein müssten. Wahrscheinlich ist es so etwas wie antik-romantisch, wenn man ausgeschlagene Töpfe verwendet, ich weiß es nicht. Aber es macht nichts, ich muss nicht alles mögen. Und am langweiligsten wäre es auf der Welt, wenn alles gleich wäre. ;)

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  2. Ich verstreue nur sehr selten, würde ich jetzt mal so sagen... ;)

    Okay, ich shopp das Buch nachher - ich glaube, noch länger kann es nicht auf der Wunschliste bleiben! Risotto ist großartig, mag ich wirklich sehr gerne und mit Lauch hatte ich noch keins.

    Und jetzt schau ich mal bei Tante Malis vorbei!

    PS: Dein erstes Foto ist großartig, die anderen natürlich auch :D

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    1. Sandra, du weißt, dass ich deine Fotos sehr mag. Und du bist wirklich weit weg von dem Shabby Chic, den ich meine. ;)

      Wart halt auf den dritten Teil der Rezension, vielleicht verreiß ich das Buch dort total? ;)

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  3. Foto-Zustimmung! Letztendlich sehen diese Fotos dann am Ende irgendwie alle gleich aus......und mit Essen in Szene setzen hat es auch nichts mehr zu tun. Ach was, auch ich bin zu alt für solche Spielereien. :-)
    ....so, und jetzt warte ich gespannt auf Deinen Verriss im dritten Teil :-)

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    1. Gekonnt Gerüchte in die Welt setzen nennt man das, wenn du nun schon gespannt wartest. ;)

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  4. Liebe Turbohausfrau!
    Jetzt bin ich doch ganz und gar sprachlos und will mich dennoch bei dir bedanken!!! Wie lieb von dir und welche Auszeichnung und was ich mich freue, dass mein kleiner Versuch ein paar Bilder zu posten, dir so viel Freude bereitet! Ich danke für die extrem charmanten, verbalen Blumen!!! Danke, danke, danke schön!
    Das Risotto-Rezept nehme ich gleich mit auf meine Liste: 1. weil ich Risotto sehr gern mag und 2. weil deine Variante und die dazugehörige Beschreibung so wunderbar in manch einen Gartentag paßt!
    Hab eine wundervolle Zeit und nochmals tausend Dank
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth,
      wegen deines Blog plane ich einen Umbau meiner Blogroll, weil ich will nicht, dass mir irgendwas entgeht bei dir! Aber leider hab ich bisher keine sonstigen Blogs. Nun muss ich erst mal ein bissl durch Blogistan schauen, was ich in einer neuen Kategorie unterbringen könnte. ;)

      Auch dir eine wundervolle Zeit!

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  5. Zustimmung auf ganzer Linie. Wobei, *grübel* verstreuen wir nicht manchmal auch was? Kann mich gerade nicht erinnern. ;-)
    Das Risotto ist gespeichert.
    Und das Buch werde ich wohl noch einmal ausleihen und einer eingehenderen Prüfung unterziehen müssen..
    P.S.: Ich weiß zumindest schon, dass die "Tarte Tango" geschmacklich top ist - an der Optik müssen wir noch feilen. :-)

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    1. Also ich verstreu auf jeden Fall immer wieder was, doch das ist dann ein Unfall und darf nicht in den Blog.
      Du mit deinen ganz akkuraten Torten verstreust doch nichts! Aber vielleicht wär das eine Anregung: zerbrösel doch einmal ein Stück Torte statt sie einfach auf den Teller zu stellen. :D

      Ah, hat dich die Tango gepackt! Die ist schon sehr genial gewesen.

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    2. Sie ist köstlich und jetzt auch optisch OK. Danke nochmal für das Rezept! (Vielleicht hätten wir einfach die erste "ausgeweidete" fotografieren sollen ;-)).

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    3. Jaaaa, Unglücke sind es immer wert, dass man sie festhält. Man muss ja nicht immer alles herumzeigen, aber manche Fotos sind dann so witzig, dass man später drüber lachen muss. ;)

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  6. Ich seh das wie du, wobei wenn es schön arrangiert ist (und nicht angeschlagenes Geschirr verwendet wird kreisch) und vielleicht nur ein Beerchen irgendwo am Tisch zu sehen ist, finde ich das ganz ok. Ich selber würde aber auch nicht so fotografieren, aber ich bin auch kein Maßstab.

    Zum Rezept: Genial! mit dem Pancetta...seufz

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    1. Das ist ja der Witz an der Sache, dass ich solche Arrangements, und wenn sie noch so liebevoll gemacht sind, nicht die meinen sind. Aber wie schon geschrieben: Mir muss ja nicht alles gefallen.

      Das Risotto war echt super!

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  7. Hallo,
    ein Schwalbenschwänzchen so im Flug bzw. superkurzem Stillstand vor einer Blüte zu fotografieren ist schon ne Meisterleistung, liebe Turbohausfrau.
    Da ich selbst auch fotografiere und dieses niedliche Schwalbenschwänzchen auch mal aufs "Korn" ehm vor die Linse nehmen wollte, weiß ich, dass das nicht einfach ist, so schnell wie diese "Schwälbchen" fliegen.

    LG
    Iris

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    1. Liebe Iris,
      dieses Foto ist ein Schnappschuss, der halt gut gelungen ist. Ich glaube, einen gute Fotografin erkennt man daran, dass so etwas auch wiederholbar ist. Aber ich kann mit meinen Fotos schon leben. Professionell bin ich weder beim Kochen noch beim Fotografieren, doch das ist für mich okay.

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    2. Hallo,
      man muss kein Profi sein, um Gutes hervorzubringen, egal ob Fotos oder Essen. Wenn man etwas gerne tut, Spaß und Freude daran hat, kommen auch gute Ergebnisse zustande. Schnappschüsse sind doch oft auch sehr gute Fotos - wie man ja sehen kann, liebe Turbohausfrau.

      LG
      Iris

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    3. Hi Iris,
      ja, stimmt. Und irgendwie mag ich auch hemdsärmelige Blogs ganz gern, wo auch mal was anbrennen darf und auch mal was schiefgeht wie bei mir. ;)

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    4. HI Turbohausfrau,
      da kann ich dir nur zustimmen. Bei manchen Blogs mag ich gar nicht mehr gucken (und tu's auch nicht mehr), da habe ich das Gefühl, dass sich manche schon "übertrumpfen" wollen. Egal. Man bzw. ich kann mir ja aussuchen, was mir gefällt und auf welchen Blogs ich mich wohlfühle und verweile. Langsam verliere ich schon fast den Überblick und möchte mich in Zukunft nur noch bei ganz bestimmten Blogs nach Neuem und Interessantem umsehen.
      LG
      Iris

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    5. Wir sind wieder einmal einer Meinung. *abklatsch*
      Ich sollte mich auch wieder einmal um meine Blogroll kümmern. Blogs mit nur gestylten Fotos und sonst wenig bis gar keinen Inhalt finde ich nicht so prickelnd. Oder auch extrem professionelle Blogs schau ich kaum mehr an. Nicht, dass ich das nicht schön finden würde, wenn ein Teller ausschaut wie ein kleines Kunstwerk, aber das mache ich im Leben nicht nach.

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  8. Sag mal Susi, hast du mich für deinen Spam-Ordner gespeichert? Ich versuche jetzt schon zum dritten Mal einen Kommentar zu schreiben.

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    1. Liebe Konny, ich gehe sofort meinen Spamordner durchsuchen und verschiebe dich in die Öffentlichkeit.

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  9. Ach schau an, jetzt hat es doch geklappt. Also ich halte auch nichts von den Fotos mit dem vielen Schnick-schnack. Das lenkt doch nur von der Mahlzeit ab. Und Lebensmittel verschwenden muss man nicht unbedingt.

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    1. Na bitte, beschweren hilft! ;)

      Es heißt ja nicht zwingend, dass man Lebensmittel verschwendet, wenn man sie auf den Tisch legt. Man kann sie ja danach aufsammeln und verkochen. Nur für mich ist das so ein "gehört sich nicht"-Ding, das mir halt tief in den Knochen sitzt wie alles, was ich in meiner Kindheit gelernt habe.

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  10. Mmh. Warum hab ich nur sofort das Gefühl, ich muss jetzt auch noch Lauch anpflanzen? :-D

    Das Buch muss ich mir wohl doch mal genauer ansehen, wenn du es so magst ;-)

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    1. Mein Blog verschluckt meine eigenen Kommentare ... Dem muss ich mal ins Gewissen reden.

      Aber bei dir hab ich dann mein Ziel erreicht, wie's scheint. :D

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  11. Ich freu mich mit, auf den Verriss oder was auch immer. Und Fotos, klar die sind wichtig aber zu viel Arrangiertes mag ich auch nicht- egal in welche Richtung.

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