Freitag, 22. August 2014

Beamtenforelle mit Spinat und Ei im Körberl

Eine der ersten Ideen, die ich hatte, als ich von Sandras wunderbarem Event las, war Omas Beamtenforelle. Ich war ja der Überzeugung, dass niemand, der nicht in meiner Umgebung lebt, diesen Ausdruck kennt. Aber siehe da, Google hat mir verraten, dass man das Wort sogar bis Deutschland kennt. Der Ausdruck stammt wohl aus einer Zeit, als Beamte recht wenig verdienten und sich daher keine Forellen leisten konnten, sondern die gekrümmte Wurst musste reichen.

Jedenfalls sind deutsche Beamtenforellen und österreichische Beamtenforellen offenbar in den Wurstsorten unterschiedlich. Bei uns nimmt man eine Augsburger, die ein Brät hat wie Knackwurst oder Frankfurter (in D = Wienerle), aber nicht geräuchert ist.

Dazu gibt es Spinat. Aber früher niemals Cremespinat, denn Schlagobers war zu Nicht-EU-Zeiten in Österreich, das ironischerweise seit ewigen Zeiten auf einem unverkäuflichen Milchberg sitzt, ein Luxusprodukt, das es vielleicht an Feiertagen, aber sicher nie einfach so unter der Woche zum Spinat gab.
Es gelten auch Dillfisolen zur Beamtenforelle.

Und dazu gab es bei der Oma nicht irgendein Spiegelei, sondern das war verpackt! Im Erdapfel!




Für 2 Personen:
2 Augsburger (ersatzweise Knacker)
Mehl
Öl zum Braten

1 sehr großer Erdapfel
2 Eier
Salz
Schnittlauch

1/2 kg frischen Spinat
1/2 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 EL Sonnenblumenöl
Salz
Pfeffer

Zuerst den sehr großen Erdapfel kochen. In der Schale! Noch besser: Am Vortag kochen, damit er auskühlt.
Backrohr auf 200 Grad vorheizen.
Den Erdapfel der Länge nach halbieren und aushöhlen, sodass ein Ei hineinpasst. Am besten geht das Ausstechen mit einem Kugelausstecher. Ich war übrigens erstaunt, wie viel Platz so ein Ei braucht - beim ersten Versuch ist mir das Ei teilweise wieder aus dem Erdapfel hinausgewandert. Die Erdapfelhälften so in eine ofenfeste Form stellen, dass sie nicht umkippen und jeweils ein Ei in eine Hälfte hineingleiten lassen. Ca. 15 min. backen, bis das Eiweiß gestockt ist.

Spinat waschen, waschen und noch einmal waschen - also wenn man so wie ich einen nimmt, der nicht vorgereinigt, sondern noch voll mit Sand ist. Da muss man wirklich etliche Male waschen, damit da nichts mehr knirscht zwischen den Zähnen.
Den halben Zwiebel in Würferln schneiden, anschwitzen. Knoblauch fein hacken, mit anschwitzen. Spinat dazugeben, zusammenfallen lassen. Salzen, pfeffern. Mit dem Mixstab fein pürieren.

Die Wurst schneidet man der Länge nach auseinander und die Oberfläche rautenförmig etliche Male ein. Die eingeschnittene Oberseite in Mehl tauchen, damit die Wurst beim Braten schön knusprig wird. Öl erhitzen, die Wurst auf beiden Seiten anbraten.

Den fertigen Erdapfel salzen und mit Schnittlauch bestreuen. Alles zusammen servieren.



Was es nach dem Essen zu sagen gibt: Spinat mag ich sehr viel lieber, wenn man ein paar Löfferln Schlagobers dazugibt, also Cremespinat macht. Auch mag ich es lieber, wenn man den Zwiebel für den Spinat in Butter sanft anschwitzt, aber zu meinen Kinderzeiten war Butter genau so ein schweineteures Luxusprodukt wie Schlagobers und war Feiertagen vorbehalten. Irgendwie tut mir das manchmal ganz gut, mir wieder einmal vor Augen zu führen, was für ein Leben ich führen kann. Auch an Kuchen kommt mir nur Butter und auf keinen Fall Margarine. In Omas handgeschriebenen Rezepten gab es keinen einzigen Kuchen, der mit Butter gebacken war. Wenn ich heute Kuchen vorgesetzt bekomme, der mit Margarine gebacken wurde, kann ich dem nicht so arg viel abgewinnen. Manches verklärt sich wohl doch in der Erinnerung, denn Omas Kuchen waren immer soooo gut!

Liebe Sandra, danke für dein schönes Event!


Kindheitserinnerungen

Kommentare :

  1. Dem Titel nach hatte ich eigentlich einen Fisch erwartet. ;-) Klingt aber auch so nach einem guten Essen und etwas Sahne kann man ja hinzuschmuggeln...
    Aber du hast schon völlig recht. Das mit der Margarine in den Kuchen kenne ich auch noch (schüttel) und immerhin konnte meine Ur-Oma sich die "gute" Butter für's Brot leisten, aber selbstverständlich war das nicht. Wir haben es schon ziemlich gut!

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    1. Forelle mag ich definitiv lieber, aber ab und zu solche Sachen sind auch nicht schlecht.
      Butter auf dem Brot gab es bei meiner Oma auch, aber dann gab es Butterbrot und sonst nichts, also nicht auch noch Käs drauf oder so. Damals konnte man noch ein Achtel Butter kaufen, da waren 125 g, also ein Achtel Kilo drinnen. Ich weiß nicht einmal, ob es solche Mengen noch zu kaufen gibt, für mich ist es selbstverständlich, dass ich ein Viertel, also 250 g kaufe.

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  2. Von einer Beamtenforelle höre ich heute zum erstmal, aber man kann ja alt werden wie eine Kuh, man lernt immer noch was dazu.
    Ich mag den Spinat auch lieber mit etwas Schlagsahne. Früher gab es den bei uns immer pur, da hab ich ihn als Kind nur mit wiederwillen gegessen bzw. gar nicht.
    Meine Eltern haben aber immer darauf geachtet, das Butter im Haus war. Sie sind in der schlechten Zeit groß geworden und wollten dann nicht mehr darauf verzichten. Bei uns gab es damals in der Zeit kalten Krieges die Senatsreserven, die immer regelmäßig aus den Lägern an die Bevölkerung preiswert abgegeben wurde. Die Butter wurde dann eingefrohren.

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    1. Meine Mutter ist 1942, also mitten im Krieg geboren, da war es keine Frage, ob Butter oder Margarine, sondern Essen oder Hunger. Danach, was man zu essen kriegt, hat da niemand gefragt. In meiner Kindheit zog dann schön langsam Butter ein in unserem Haushalt, aber die war wirklich nur für "schön".

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  3. ach so, ich vergass. Deine Beamtenforelle sieht aber lecker aus. Könnt ich gerade verspeisen.

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    1. Ehrlich gesagt wär mir jetzt eher nach irgendwas aus deiner Räucherkammer. ;)

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    2. ist zur Zeit alles aus. Ich muss mal wieder für Nachschub sorgen.

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    3. Gibt Bescheid, dann komm ich kurz vorbei ... ;)

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  4. Soso, was bei Euch die Beamten-, ist bei uns die Arbeiter-Forelle :-)
    Aber egal wie sie ganannt wird, ich bekomm Appetit!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Ach, schau an, in der Schweiz gibt es auch Wurstforellen! Das ist doch sehr weit verbreitet, stelle ich fest!

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    2. Als "Arbeiterforelle" kenne ich die gebratene Fleischwurst auch, allerdings noch mit Käse gefüllt und mit Speck umwickelt, so wie hier: http://blog.nassrasur.com/2011-08-15/maenneressen-die-arbeiterforelle/
      Rezept und Bezeichnung hab ich in den 70er Jahren in einer "Meine Familie und ich" gesehen, da hat das werner Enke ("Zur Sache, Schätzchen") als sein Lieblingsrezept vorgestellt.

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    3. Also bitte, das ist ja dann die Luxusvariante, wenn man da noch mit Käse und Speck arbeitet. ;)
      Wir haben "Berner Würstel", da werden Frankfurter (= Wienerle) mit Käse gefüllt und mit Speck umwickelt. Abartigerweise gibt es so etwas sogar fertig zu kaufen. Anscheinend ist die Herausforderung, ein Würstel auseinanderzuschneiden, Käse reinzulegen und mit Speck zu umwickeln, schon eine zu große.

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  5. Beamtenforelle! jetzt bin ich aber auch erst mal baff :-D das hab ich noch nie gehört, hehe!

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    1. Das beweist wieder, dass das hier ein Bildungsblog ist. ;)

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  6. und ich dachte schon es ist was für den "Suchbegriff"....
    Großgeworden bin ich auch mit Margarine, es gab verschiedene für aufs Brot oder zum Backen, wobei ja nicht viel gebacken wurde. Butter gabs bei der Oma auf dem Land. Und ich hätte wohl vegetarisch leben müssen angesichts deines Tellers... Kartoffel und Ei, mehr wär damals nicht drin gewesen.

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    1. Nein, nein, wir reden so. ;)
      Keine Wurst? Kein Spinat? Na auch okay, denn Erdäpfel und Eier sind auch was Feines.

      Wenn ich richtig gute Erdäpfel habe, reichen mir Salz und Butter dazu.

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    2. Als Kind keinesfalls, das wöäre "high risk" gewesen- und wenn ich ehrlich bin heute auch nicht wirklich, Spinat als Blätter oder in Maultaschen oder so, und Würste- nur sehr ausgewählte.

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    3. Ich habe zu den eigenartigen Kindern gehört, die immer schon gern Spinat gegessen haben - sogar so wie hier ganz ohne Schlagobers.

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  7. Auch wenn ich aus Bayern komme - die Beamtenforelle ist mir komplett neu. Aber sie gefällt mir. Und ganz besonders sagt mir die Kartoffel mit dem Ei drin zu :-)

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    1. Mit dem Erdäpfel mit Ei drinnen kriegst du auf jeden Fall die Aufmerksamkeit deiner Kinder, wetten? Aber andererseits hast du sicher eh keine Kinder, die nichts essen wollen, nehme ich an.

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    2. Oh, von wegen......ich habe hier was ganz heikles.....

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    3. Spannend! Ich dachte immer, in Haushalten, wo gut gekocht wird, gibt es dieses Phänomen nicht. Aber immer wieder werde ich eines Besseren belehrt.
      Ich kenne einen jungen Mann, der fast sein ganzes Leben auf der Flucht verbracht hat. Da hätte ich auch gedacht, der kennt das nicht, dass man Essen verweigert, weil es nicht schmeckt. Denkste!

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  8. Es gibt ja viele Umschreibung für ein preiswertes Essen aus Zeiten, als die meisten Menschen nicht so begütert waren und mit dem wenigen, was es gab, auskommen mussten. Ich kenne aus meiner Kindheit den Begriff "Beamtenstippe" = eine einfache Zwiebelsauce mit wenigen Speckwürfelchen und den Begriff "Schusterkotlett" für eine panierte Scheibe Bauchfleisch. Erst vor kurzem hörte ich von der Wilden Henne den Begiff "Arbeiter Cordon Bleu" - ein nette Umschreibung für eine Cervelatwurst (dicke, rote Grillwurst) mir Käse und etwas Speck.


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    1. Was du da beschreibst, kenne ich wieder alles nicht.
      Wobei mir bei der Gelegenheit einfällt, dass es bei uns auch panierten Leberkäs gibt - die Arme-Leut-Variante vom Wiener Schnitzel. Wenn ich wüsste, wo ich einen gscheiten Leberkäse kriege, würde ich das direkt einmal machen.

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  9. Ich liebe das!
    Wir machens mit Knacker, so wie ich es von Kind auf gewohnt bin,..Spinat essen wir da eher nicht dazu, aber dafür ERdäpfelschmarrn und Salat.
    Und ich glaub ich muss das bald wieder mal machen.
    da fällt mir ein, zu den einbrennten Hund mag ich die Knacker auch gern!
    Schönes Wochenende!

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    1. Erdäpfelschmarrn ist da sicher sehr gut dazu, aber ich brauch irgendwas, was die Sache zum Rutschen bringt, also eben Dillfisolen oder Spinat.

      Dir auch ein schönes Wochenende, meine Liebe!

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  10. Ich glaube (bin mir nicht sicher), dass bei uns die Beamtenforelle, also die Knacker eher kalt gegessen wurde, aufgeschnitten mit Zwiebel in Essig und Öl. Ist auch was Gutes!! Ich mag überhaupt Knackwurst sehr gern.
    lg

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    1. Bei euch war Knacker in jeder Form eine Beamtenforelle?
      Ich hab als eine Erklärung, woher der Name kommt, auch gelesen, dass Beamte die oft im Menagereindl (auch schon ein ausgestorbenes Wort) in der Arbeit mitgehabt hätten. Da denke ich dann auch, dass die dann eher in Essig und Öl war als gebraten.

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    2. in jeder Form weiß ich nicht...
      das Menagereindl konnte man meist im Büro (Beamte) aufwärmen, ich glaube, da kam nix Kaltes rein?
      ausgestorbene Alltagskultur,
      lg

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    3. Also ich find das sehr schad, wie viel an Kultur da verloren geht. Vor allem an Esskultur, weil die liegt mir besonders am Herzen.

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  11. Ich kenne nur die Maurerforelle. Wird aber kalt gegessen mit Zwiebel drin, oder ganz authentisch über'm Bunsenbrenner geröstet.

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    1. Hihi, die Variante kenn ich wieder gar nicht. Aber mit dem Bunsenbrenner, das hat wirklich Stil! :)

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  12. Ist mir auch schon aufgefallen - in Omas Rezepten steht oft Magarine. Hatte mir noch garkeine Gedanken darüber gemacht, wie es dazu kommt bzw. gekommen ist.

    Und heute triffst Du mein Geschmack - ich hätte gerne ein Tellerchen von Deiner Beamtenforelle, der erste Fisch, den ich mag ;) Nur das Spiegelei brauche ich nicht. Ein wirklich schöne Gericht!

    Vielen lieben Dank für Deinen zweiten wundervollen Beitrag!! <3

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    1. Du ahnst gar nicht, was an Beiträgen noch auf dich zukommen wird. Und an Oma-Geschichten. ;)

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  13. diese FARBE vom Spinat - wow!!!

    spiegelei im erdapfel habe ich noch nie gesehen. muss ich mal probieren!

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    1. Na die Farbe kommt daher, dass eben kein Schlagobers drinnen ist. ;)

      Mit dem Erdapfel kannst Kinder beeindrucken, damit du sie nachher mit einem dreckigen Kompott wieder verschrecken kannst. :D Keine Ahnung, wieso ich mir das sooo gut gemerkt hab, aber ich glaub, das vergess ich nie mehr.

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    2. aha, dann werde ich den erdapfel strategisch als überrumpelungstaktik bei rolands nichten und neffen einsetzen, wenn sie das nächste mal zum essen kommen. ;-)

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    3. Verrat bitte, ob's geklappt hat.
      Ich hab gute Erfahrungen damit gemacht. Man kann es ja auch dramatisch als Auge irgendeiner Märchenfigur bezeichnen - je nach Alter und Gusto der Kinder. ;)

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  14. HAHA Super, Beamtenforelle. Der ist echt gut. Das habe ich nie gehört, werde das aber gleich meinem Vater erzählen der ist nämlich auch einer. Mal schauen ob der weiß was das ist!

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    1. Na ich bin gespannt, was dein Vater sagt.
      Bei uns ist das Wort leider auch im Aussterben, aber dafür verdienen die Beamten auch ein bissl mehr. ;)

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