Mittwoch, 25. März 2015

[Buchbesprechung] Kandierte Orangen

Polnisch gekocht hatte ich bisher noch nie - ehrlich gesagt muss ich das gar nicht, denn ich habe eine ganz liebe Nachbarin, die über die Jahre zu einer Freundin geworden ist, und die stammt aus Polen. Nicht nur das, sie ist auch eine fantastische Köchin und macht gemeinsam mit anderen Polinnen zu anstehenden Feiertagen Unmengen an Pierogi mit verschiedensten Füllungen und immer fallen dann ein paar für mich ab. Nun hatte der Gerstenberg-Verlag schon vor einiger Zeit ein polnisches Kochbuch namens Rosenmarmelade herausgebracht. Als es nun das Kochbuch Kandierte Orangen gab, war ich schon allein wegen des Titels ganz begeistert, nachdem ich es mit den Zitrusfrüchten ja besonders habe. Zu meiner großen Freude hat mir der Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Beata Zatorska, die Autorin des Kochbuchs, ist gebürtige Polin, lebt aber nun in Australien, wo sie als Ärztin tätig ist. In dem bereits erwähnten Buch "Rosenmarmelade" schildert sie ihre Rückkehr nach mehr als 20 Jahren nach Polen. Ihr Ehemann Simon Target ist Filmemacher und Fotograf und zeichnet für die Fotos in beiden Büchern verantwortlich. Mit dem Buch "Kandierte Orangen" wird die Reise nach Polen fortgesetzt. Überhaupt ist das Buch so viel mehr als ein Kochbuch. Es ist ein Reisetagebuch mit vielen Geschichten und Reminiszenzen, eine Liebesgeschichte über Polen und seine Traditionen. Eigentlich ist es am besten geeignet, sich an einem kalten Abend in eine Decke gewickelt und mit einem Häferl Glühwein (Rezept natürlich aus dem Buch) in einen bequemen Sessel zu setzen und darin zu versinken, die Geschichten von der Nacht, in der die Tiere sprechen, oder über Urgoßmutter Julia zu genießen, sich nebenbei ein Rezept zu markieren, das man nachkochen will.

Aber nun ist der Winter vorbei! Warum also jetzt diese Buchvorstellung? Weil natürlich die wenigsten Rezepte auf eine Jahreszeit beschränkt sind - Pierogi isst man genau so zu jeder Jahreszeit wie Topfenkuchen. Und solchen Rezepten möchte ich mich auch hauptsächlich widmen.

Wenn jemand Lust hat, hier kann man einen Radiobeitrag über das Buch anhören: ARD Mediathek


Challah-Brot
Fotos:
Wie bereits erwähnt stammen die neuen von Simon Target. Wieder einmal so, wie ich es mag: Wenn es Rezeptfotos sind, liegt das Essen auf dem Teller oder sonst wo, wo ich finde, dass es hingehört, und nicht in der Gegend herum. Sehr hübsch finde ich das altmodische Geschirr, auf dem das Essen präsentiert wird - das passt einfach wunderbar zum ganzen Buch.

Es sind auch viele alte Schwarz-Weiß-Fotos, Grafiken, Zeichnungen und andere Illustrationen in dem Buch.
 
Keine Kunstwerke, sondern handwerklich schön gemacht, daher 9 von 10 Punkten.


Rote Rüben-Kren-Relish
Rezepte:
Es finden sich 47 Rezepte in dem Buch, also nicht arg viel, aber wie ich schon geschrieben habe, das Buch ist eine Liebeserklärung und kein alleiniges Kochbuch. Die Aufteilung nach Kapitel hat auch nichts mit Rezepten zu tun, sondern die Überschriften richten sich nach dem, was in den einzelnen Kapiteln erzählt wird (zum Beispiel "Eine Kindheit in Polen"), da gliedern sich die Rezepte dann ein.

Da die Rezepte eine untergeordnete Rolle spielen, vergebe ich 8 von 10 Punkten.



 
Topfentorte
Nachkochen:
Von ganz schlicht bis recht trickreich finden sich Rezepte für alle. Zum Beispiel das Rote Rüben-Relish: gegarte Rote Rüben werden fein geraspelt, mit Salz, Zucker, Zitronensaft und Kren gewürzt - Ende. Also sehr einfach. Viel trickreicher der Topfenkuchen links. Da braucht man zuerst kandierte Orangenschalen (Rezept natürlich im Buch) und auch einige Kochkenntnisse. Aber die Rezepte sind so gut erklärt und auch nicht auf einem Niveau, dass man eine halbe Kochausbildung haben muss, um sie nachzumachen.
In allen Kategorien breit gestreut: 9 von 10 Punkten




Mohnpalatschinken
Aufmachung:
Ein sehr schön gemachtes Buch mit Bändchen und insgesamt sehr liebevoller Gestaltung. Übersichtlich durch verschiedene Register, darunter auch ein Rezeptregister.
10 Punkte

Gesamtwertung:
Wenn man ein "Nur"-Kochbuch will, ist man damit nicht gut bedient, aber für mich ist es ein tolles Buch: Etwas fürs Herz durch die vielen Kindheitserinnerungen und Geschichten. Die Rezepte sind auf unterschiedlichstem Schwierigkeitsniveau, also wirklich für jeden etwas dabei.
9 von 10 Punkten

Hard Facts:
Titel: Kandierte Orangen
Autoren: Beata Zatorska, Simon Target
Verlag: Gerstenberg Verlag
320 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-8369-2100-8




Kommentare :

  1. Ha, das hatte ich neulich in der Bücherhalle schon in der Hand. Habe es aber nach kurzem Blättern stehen gelassen. Jetzt werde ich es beim nächsten Besuch mitnehmen - zumal meine Wurzel teils "ostpreußisch" sind. Danke! :-)

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    1. Um deine Bücherhalle beneide ich dich oft! Ich hab schon bei uns in der Bücherei geschaut, da schaut es schlecht aus mit Kochbüchern.

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  2. ..... hurra! Ich hab die Bücher! Beide :-) Sie sind einfach zu schön.....

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    1. Der Titel "Rosenmarmelade" frustriert mich ein bissl, weil ich so gern Rosenmarmelade machen würde, aber keine Duftrosen habe. Leider weiß ich auch nicht, wo man die kaufen könnte, ohne dass massig Pestizide eingesetzt wurden.

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  3. Vielen Dank für diese schöne Rezension aus der man deine Begeisterung für das Buch heraus liest. Ich habe mir das Buch letztes Jahr zugelegt und bin auch begesitert. Ich bin gebürtige Polin und wie du, finde ich, dass dieses Buch eine Liebeserklärung an meine Heimat ist. Vieles aus den Anekdoten und Erzählungen habe ich wiedererkannt und hatte beim Lesen teilweise feuchte Augen. Und die Rezepte sind authentisch, was auch nicht unwichtig ist. Liebe Grüße, Anna

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    1. Das ist eine schöne Information, dass die Rezepte wirklich authentisch sind, denn so etwas kann ich dann wieder gar nicht beurteilen. Ich hatte aber geplant, das Kochbuch einmal meiner polnischen Freundin zu zeigen, was sie dazu meint. Aber nun weiß ich es von dir! Danke.

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  4. Das Rosen-Buch hatte ich schonmal in der Hand und fand es sehr schön und ansprechend; es scheint dieses ist genauso schön und verlockend. Nur, ich mach ja Kochbuch-Fasten (g) ... gibt es die Topfen-Torte hier zu lesen?

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    1. Wenn du das willst, dann gibt es die Torte zu lesen. Diese Woche gibt es noch das Challah-Brot, weil ich das wirklich besonders toll fand, aber ich kann den Kuchen nächste Woche verbloggen.

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  5. Das liesst sich wirklich ganz wunderbar. Ich werde auf alle Fälle mal einen Blick in das Buch werfen. Geschichten zu den Rezepten mag ich sehr gerne und schöne, aber einfach Fotos sowieso :)

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    1. Das freut mich, wenn es sich wunderbar liest, denn das hat sich dieses Kochbuch wirklich verdient! :)

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  6. Uiiii liebe Susi, das kling aber fein! Ich verbinde mit Polen ganz viel Wundervolles und das Essen gehört natürlich dazu. Erinnere mich nicht nur an einen Tisch, der sich unter der Last von Pierogi in allen Variationen gebogen hat.
    Aber was mich an diesem Buch besonders anzieht, ist das, was du schreibst: Die Geschichten. Also na dann, tausche Türentick gegen Kochbuchtick :)!
    Hab einen feinen Frühling
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth,
      das Kochbuch ist wirklich wunderbar mit seinen vielen Geschichten. Und ich bin sicher, dass es etwas für dich wäre mit der Liebe zum Detail: Da sind Seiten mit alten Schriftarten beschrieben, dazwischen ein durchscheinendes Blatt (Pergament?) - in meiner Jugend gab es das bei Fotobüchern, heute findet man das gar nirgends mehr.
      Mit der Türe bin ich am Verhandeln. Mal schauen, wie das wird. ;)

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  7. Das Rosenmarmelade-Buch liebe ich heiß und innig! Und um dieses schleiche ich auch schon eine Weile rum :-) Danke für die Besprechung :-)

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    1. Wenn du das Rosenmarmelade-Buch magst, bin ich sicher, dass dir dieses auch gefallen wird, liebe Anikó. Man kann wunderbar mit dem Buch in der Hand versinken und im Kopf nach Polen reisen.

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  8. DAs klingt nach einem wirlklich schönen Kochbuch mit mehr Inhalt!
    Liebe Grüße Sina

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    1. Stimmt. Es ist viel mehr als ein Kochbuch. Da kann man so richtig nachvollziehen, wie der Winter in Polen ist bzw. war.

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