Dienstag, 31. März 2015

Fregola Sarda mit Artischocken, Saibling im Traubernkernmehlmantel

Regionale und saisonale Lebensmittel zu kaufen ist eigentlich das, was ich normalerweise mache. Aber am Ende vom Winter, wenn unsere Bauern noch kaum frisches Grün liefern können und die Lagerware erstens schon schwächelt und mir außerdem schon sonst wo raushängt, bin ich sowas von froh, dass meine FoodCoop auch Lieferungen aus Italien bekommt!

Es ist übrigens immer ein Abenteuer, auf die Italienlieferung zu warten: Einmal geht der Lastwagen ein, ein anderes Mal können die Bestellungen nur zum Teil geliefert werden, weil ein Unwetter die Früchte beschädigt hat, beim nächsten Mal ist eine Straße wegen Unwetter nicht passierbar - pünktlich wie geplant und in vollem Umfang kamen diese Lieferungen noch nie. Früher war mir das gar nicht so bewusst, wenn ich einfach in den Supermarkt gegangen bin, wo immer alles zu haben war, wie arg die Bauern Wind, Wetter und anderen Unbillen ausgeliefert sind.

Spannend ist es jedenfalls immer, was den Weg nach Wien schaffen wird.
Dieses Mal waren neben jeder Menge Zitrusfrüchte noch Melanzani, Fenchel, Frühlingszwiebel und Artischocken dabei.

1A-Qualität ist das übrigens nicht: Die Artischocken sollten schön geschlossen sein, so wie hier, die Artischockenböden von so großen Artischocken wie diesen kenne ich normalerweise so groß wie hier. Diese Böden waren so klein, dass ich tatsächlich sechs Artischocken für eine Beilage für zwei Personen gebraucht habe. Aber egal, das Essen war köstlich! Was auch gut war, denn es stellte sich heraus, dass in meiner FoodCoop nicht viele Leute Artischocken mögen, so habe ich innerhalb von einer Woche zweimal dasselbe Essen gekocht, damit die Artischocken nicht kaputt werden. Das hat den Vorteil, dass das Rezept wirklich ausgefeilt ist. Im nächsten Jahr muss ich dann nicht mehr herumprobieren, weil nachkochen werde ich es auf jeden Fall.

Wie man Artischocken putzt, habe ich hier schon einmal gezeigt - das geht bei den großen genau so wie bei den kleinen, nur einfacher, weil es nicht so eine arge Fitzelei ist. In jeden Fall hat man nachher einen Mistkübel voller Biomüll und recht wenig, was auf dem Teller landen kann. Trotzdem mach ich es gern, weil Artischocken sind köstlich!

Für 2 Personen:

150 g Fregola Sarda
350 ml Gemüsefond (Deutsche nehmen klare Gemüsebrühe)
2 Schalotten
Artischocken - ich musste 6 Stück nehmen, weil die Böden so extrem klein waren, normalerweise reichen 3
1 Zitrone (Saft)
1/4 Salzzitrone, ersatzweise Saft + abgeriebene Schale von 1 Zitrone
2 EL Mascarpone
1 EL Olivenöl

2 Saiblingsfilets
1 EL (doppel)griffiges Mehl
1 EL Traubenkernmehl
Salz
weißer Pfeffer (ich: Melange blanc)
1 EL Sonnenblumenöl
1 EL Butter

Eine Zitrone auspressen, Saft und Zitronenreste in eine große Schüssel mit kaltem Wasser geben. Artischocken putzen und die Böden ins Zitronenwasser legen, damit sie nicht dunkel anlaufen.

Schalotten putzen und fein schneiden. In Olivenöl sanft anschwitzen, aber keine Farbe nehmen lassen. Wenn die Schalotten weich sind (4 - 5 min.) die Artischocken dazugeben, und kurz mitrösten.
Fregola Sarda dazugeben, mit heißem Gemüsefond aufgießen. 20 min. köcheln lassen. Dann hat die Pasta den Sud ziemlich aufgesaugt. Die Schale einer Viertel Salzzitrone ganz fein hacken und gemeinsam mit 2 EL Mascarpone unter Fregola Sarda und Artischocken rühren. Zugedeckt ziehen lassen, während man den Fisch zubereitet.

Die Saiblingsfilets nach eventuell vorhandenen Gräten absuchen. Mehl und Traubenkernmehl vermischen. Den Fisch salzen und pfeffern, dann in der Mehlmischung wenden.
In einer Pfanne Öl erhitzen, die Butter darin aufschäumen lassen. Die Fischfilets auf der Hautseite rasch je nach Größe 2 - 4 min. braten, dabei die nach oben zeigende Fischseite immer wieder mit dem Bratfett begießen, dann umdrehen und von der Flamme nehmen. Während man den Tisch deckt, lässt man die Filets noch garziehen.

Alles miteinander anrichten + servieren.




Manöverkritik: Beim nächsten Mal trau ich mich mehr und werde das Traubenkernmehl pur verwenden. Das war mein erster Versuch und ich hatte gelesen, dass man es immer massiv verdünnt. Beim Fisch hat man es kaum herausgeschmeckt.
Die Beilage, die wir einmal als alleiniges Hauptgericht gegessen haben, ist zum Niederknien gut. Dringende Nachkochempfehlung!

Kommentare :

  1. Der Italiener liebt Artischocken, hier braucht es aber noch ein wenig, bis die ersten auf dem Markt erhältlich sind. Ein paar kleine habe ich schon gesehen, aber wie Du schon schreibst, das ist eine solche Fummelarbeit...

    Rezept merke ich mir mal. Statt der Pasta geht das vielleicht auch in einer Risotto-Variante, den die Fregola Sarda finde ich sicherlich nicht mit Dinkel o.O

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    1. Das, was ich da gemacht habe, ist eigentlich Pasta-Sotto, also geht Risotto ganz sicher!

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  2. Wunderbar! Ich werde grad heute endlich wieder einmal mit Fregola Sarde beliefert und freue mich sehr darauf :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Na dann drauf los! Fregola Sarda muss man schnell essen. ;)

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  3. Fregola hätte ich noch da, aber bei den Artischocken muss ich passen, denn die aus der Dose wären wohl kein würdiger Ersatz.
    Und das Schicksal der Bauern kenne ich aus eigener Erfahrung gut, mein Stiefvater baut auf einer recht großen Fläche jedes Jahr Gemüse an. Von Schnecken über Fäule, Fliegen und derlei, herrja, es ist eigentlich ein Wunder, das überhaupt etwas auf dem Tisch landet. ;-)

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    1. Ich bin immer wieder erschüttert, wie viel ich nicht weiß oder worüber ich mir nie Gedanken gemacht habe. Aber gut, ich habe ja noch vor, ein paar Jahre zu leben, also kann ich noch jede Menge dazulernen.

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  4. Eure Food Coop ist ja wirklich ein spannendes Projekt :-)
    Und das Essen sieht herrlich aus! Wo bekommt man denn Traubenkernmehl?

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    1. Ja, das ist wirklich spannend mit der FoodCoop.
      Das Traubenkernmehl habe ich geschenkt bekommen, also bin ich dir da keine große Hilfe.

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  5. Wow!!! Ich bin begeistert, da hast du etwas gaaanz exakt nach meinem Gusto gekocht!

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    1. So im Vorbeiflitzen hab ich deinen Artischockensalat gesehen und mir genau dasselbe gedacht. Den werde ich morgen noch genauer unter die Lupe nehmen, weil mit dem könnte ich gut Freund werden, glaub ich. ;)

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  6. bei Artischocken hab ich neulich auch zugegriffen, sie warten noch.... da kommt dein Rezept grade recht. Fregola hab ich zwar keine aber mir wird schon was einfallen....
    Bis meine Artischocke im Gärtchen was liefert wirds noch dauern- immerhin sie zeigt Lebenszeichen- ich dachte schon der viele Schnee hätte sie geschafft.

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    1. Lass sie nicht zu lange warten, denn die sterben recht schnell.
      Mich hat heute ein Päckchen erwartet und ich habe mir gerade die Haxen ausgefreut! Du bekommst noch eine Mail von mir, aber erst morgen, weil ich bin zum Umfallen müde.

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  7. Eines Tages, eines Tages werde ich endlich hier irgendwo Fregola Sarde auftreiben und dann genüsslich ausprobieren :-)
    Traubenkernmehl könnte ich auch mal testen, das kann man hier auch problemlos kaufen ;-)

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    1. Habt ihr kein Frische Paradies in der Nähe? Das ist eigentlich eine deutsche Firma. Und in Wien der einzige Ort, von dem ich weiß, dort gibt es Fregola Sarda: http://frischeparadies.de/

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  8. Das schaut ja wieder gut aus, liebe Susi!
    Aufn Fisch das Traubenkernmehl ist spannend!
    Hatte es da auch, so wie bei meinen Nudeln ach nach dem Zubereiten noch den gewissen "Biss" oder wie ich schrieb crunchig?

    lg und ein hoffentlich sonniges Ostern Dir, dem Mann und dem Ghost!
    Sina

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    1. Jüf schrieb ja, dass man Fisch und Fleisch mit Traubenkernmehl ummanteln kann, also habe ich das ausprobiert. Leider kein dramatischer Effekt, weder im Geschmack noch in der Textur. Ich würde fast meinen, dass man den Fisch in purem Traubenkernmehl wenden kann. Das werde ich sicher ausprobieren.

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  9. Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber weil ich gerade auf der Suche nach Fregola bin, bin ich darauf gestoßen - Frischparadies gibts in Wien ja inzwischen nicht mehr, wenn ich das richtig gesehen habe. Weißt du zufällig wo man Fregola jetzt in Wien bekommen kann?

    Und eine zweite Frage - diese Food Coop klingt interessant! Gibts dazu auch eine eigene Homepage oder wo könnte ich dazu nähere Infos finden?

    Danke und lg,
    Isa :)

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