Freitag, 30. Dezember 2016

Marmelade aus der geheimnisvollen Frucht

Hab ich schon mal gesagt, dass ich die tollsten LeserInnen von überhaupt habe? Der Hiwwelhuber, der mir die Kombination Bergamotte und Birne ans Herz gelegt hat. Die liebe Doris R. verrät mir, wo ich gute Paradeiser aus der Dose und gscheiten Powidl bekomme, die Klaudia K. hat supere Bezugsquellen in Wien parat - inklusive der "französischen Bergamotte", die ich schon lange suche. David Lebovitz hatte vor Jahren Bergamott-Marmelade gemacht, die ich mit den in Wien gekauften Bergamotten nachmachen wollte - jo, denkste! Mit richtigen Bergamotten kann man diese Marmelade vergessen! Viel zu intensiv. Damals habe ich hier drüber geschrieben.



Ich hatte also diese Früchte gefunden, hab gleich im Geschäft ein Foto gemacht und voll Vorfreude ein Foto samt Schild auf Facebook gestellt. Sofort kam: Das sind KEINE Bergamotten! Ich habe nun ein wenig recherchiert und diese Früchte haben wirklich sehr viele Namen. In Frankreich heißen sie französische Bergamotte, in Italien Limetta di Palaestina, außerdem heißen sie noch Indian Sweet Lime oder Brazilian Sweet Lime, Wikipedia nennt sie im Englischen Bergamot orange, die University of California nennt sie Pomona Sweet Lemon. Und ich nehme mir nun die Freiheit, sie geheimnisvolle Früchte zu nennen.


Das hat aber schon einen Grund, warum ich das mache: Die sind wirklich voller Geheimnisse! Man schneidet die Dinger auf und sie duften wahnsinnig gut! Man presst den Saft aus und der schmeckt lasch, vor allem nicht sauer. Hm, was macht man also damit? Schale abreiben und den Rest wegwerfen? Das ist mir definitiv zu wenig. Ich habe also die Marmelade direkt nach dem oben verlinkten Rezept nachgemacht, nachdem der Geschmack aber immer noch nicht so war, wie ich mir das vorgestellt hatte, habe ich noch nachgebessert. Es wurde eine der besten Marmeladen, die ich kenne: ein ganz feiner Bergamottgeschmack entwickelte sich überhaupt erst über Nacht. Ich bin schon ganz gespannt, wie diese Marmelade sein wird, wenn sie reift. Hoffentlich habe ich dann noch genug, weil der Turbohausmann hat die Marmelade sehr ins Herz geschlossen.




Zutaten:
700 g französische Bergamotten (oder wie immer man sie nennen mag), unbedingt bio!
4 Zitronen, der Saft
1/2 l Wasser + ein großer Topf voll Wasser zum Blanchieren
600 g Kristallzucker
1 Prise Salz
 2 Stamperl Limoncello (Limoncello-Rezept, falls jemand mag, warat jetzt auch eine gute Jahreszeit)



Die Vorbeitung: Nach dem Waschen die französischen Bergamotten hauchdünn schneiden. Dafür hat sich die Schnitttechnik angeboten, die ich hier beschrieben habe: Früchte hochkant vierteln, dann den weißen Steg in der Mitte herausschneiden, so kann man die vielen Kerne, die in diesen Früchten sind, mit einem kleinen Messer gut herauskitzeln. Und diese Viertel schneidet man dann in möglichst feine Scheiben. Je feiner, desto besser. Die feinen Zitrusscheibchen werden in kochendem Wasser 5 min. blanchiert. Interessanterweise ändert sich da der Duft schon ein wenig.



Ein kleines Tellerchen in den Kühlschrank stellen - braucht man nachher für die Gelierprobe.

Nach dem Blanchieren die Zitrusscheiben in ein Sieb gießen und sehr gut ausdrücken. Danach mit dem Kristallzucker, Salz und dem halben Liter Wasser in einen ausreichend großen Topf geben, zum Kochen bringen, Hitze zurückdrehen und mindestens eine halbe Stunde köcheln lassen. Nun kann man das Tellerchen aus dem Kühlschrank nehmen und die Gelierprobe versuchen. Klappt das noch nicht, die Marmelade weiter köcheln lassen. Wenn die Marmelade auf dem kalten Teller stockt, den Zitronensaft und den Limoncello zur Marmelade geben, gut verrühren. Marmelade in sterilisierte Gläser füllen, zuschrauben, wenigstens über Nacht stehen lassen.

Es ist wirklich spannend, dass das Verdünnen mit Wasser und das Reifen über Nacht ein ganz feines Aroma zum Vorschein bringt. Was ich unumgänglich finde, ist das Zufügen von Zitronensaft. Die französischen Bergamotten haben keine Säure, die muss man irgendwie reinbringen, sonst schmeckt das nicht - also mir jedenfalls nicht. Aber nun habe ich eine ganz wunderbare Marmelade! Interessanterweise hat sich auch die Farbe der Marmelade über Nacht deutlich verdunkelt und schaut nun eher aus wie eine Orangenmarmelade, schmeckt sanft nach Bergamotte und leicht säuerlich. Rundherum gelungen!




Damit verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche allen LeserInnen einen guten Rutsch!

Dienstag, 27. Dezember 2016

Nachweihnachtliches Granola




Nun hätten wir die Feiertage hinter uns, das große Schlemmen auch. Bei mir bleiben immer ein paar kandierte Früchte übrig. Zwecks gesundem Essen ist Granola kein Fehler. Vor allem hatte ich von einer Bekannten wunderbare Nüsse bekommen: rote Walnüsse! Laut Katharina heißen sie Donauwellennüsse, was ich nicht gekannt hatte, und sind angeblich in Österreich beheimatet. Ich finde sie leider viel zu selten. Sie schmecken ein bissl feiner und enthalten weniger Gerbstoffe, sind also weniger bitter. Wenn man sie wo sieht: unbedingt kaufen! Insidertipp: Ich bekomme sie ganz selten aber doch bei meiner Liesi am Favoritner Bauernmarkt.

Als Sabine ihr Herbstliches Knuspergranola veröffentlichte, hatte ich schon ganz vergessen, dass ich ja auch einmal Granola mit Apfelmus drinnen gemacht hatte. Bei mir klumpt das aber trotzdem nie so wunderschön. Nun habe ich den Grund im Standard gefunden: Soll es klumpen, dann muss die Menge von Öl und Ahornsirup erhöht werden. Ich habe aber beschlossen, ich lebe doch lieber mit weniger Klumpen. Dieses Granola hat dann erstaunlicherweise schon ein bissi geklumpt, wohl wegen der darin enthaltenen kandierten Früchte, also doch wieder höhere Zuckermenge.



Für 2 Backbleche:
300 g grobe Flockenmischung oder einfach nur Haferflocken
150 g feine Haferflocken
200 g kandierte Früchte (Arancini, Zitronat) in feine Würferl geschnitten
200 g Walnüsse, grob gerieben oder fein gehackt
2 EL  Rosinen
2 EL Schälsamen
1 EL Pistazien, gehackt
1 EL Cranberries
1 EL Berberitzen (Danke, Verena, deine sind sehr köstlich!)
2 TL gemahlener Zimt (frisch gemahlen ist am besten)
1 TL Meersalz
200 g Apfelmus, ungesüßt
4 EL Kokosöl (auch gut passend sind alle Nussöle)
4 EL Ahornsirup


Die kandierten Früchte mit den feinen Haferflocken vermischen, wie man sonst die kandierten Früchte beim Backen mit Mehl mischt, damit sie nicht einen einzigen pickerten Klumpen bilden, sondern sich in der ganzen Masse gleichmäßig verteilen.
Die trockenen Zutaten miteinander mischen. Kokosöl und Ahornsirup vermischen. Ein guter Tipp, den ich im Standard im oben verlinkten Rezept gefunden habe: Erst mit dem Esslöffel das Öl abmessen, dann den Ahornsirup - auf diese Weise bleibt der Sirup nicht am Löffel picken. Bei mir wird das Kokosöl immer fest, daher erwärme ich es gemeinsam mit dem Ahronsirup sanft. Mit dem Apfelmus mischen und dann alle Zutaten gut miteinander verrühren. Auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche verteilen.
Bei 170 Grad Umluft etwa eine halbe Stunde backen. Nach 20 Minuten alles auf den Blechen gut durchrühren, damit alle Flocken einmal oben liegen dürfen. Wenn alles appetitlich braun gebacken ist, raus damit aus dem Ofen. Abkühlen lassen und in Gläser füllen.



Serviervorschlag 1: Skyr in ein Glas geben, Granola drüberstreuen, mit filetierten Orangenspalten servieren.

Serviervorschlag 2: Granola 1 Stunde in Joghurt (muss relativ flüssig sein, z. B. 1 % Fett, keinesfalls griechisches) einweichen, mit Physalis (einheimisch, bio, gibts derzeit in Supermärkten) servieren.

Freitag, 23. Dezember 2016

Weihnachtsei 2016



Traditionen sind etwas Schönes. Auch Weihnachten ist schön, aber ich hab ehrlich gesagt manches Mal die Nase voll, wenn mich alle Plakate anlachen und aus dem Radio die Werbung schallt, was ich nicht noch alles kaufen soll. Und auch, was man alles kochen soll. Die Leute in den Supermärkten schieben Einkaufswägen vor sich her, die Verwunderung in mir hervorrufen: Wer kann denn solche Massen essen?

Ist es bei so einem Konsumdruck dann nicht verwunderlich, dass dieses Fest in Stress ausartet?

Der Turbohausmann und ich haben dieses Spiel noch nie mitgespielt. Wir gehen sehr gern vor Weihnachten auf Weihnachtsmärkte, am liebsten auf solche, die Kunsthandwerk anbieten. Ich habe dieses Jahr sogar etwas gekauft: ein Buttermesser aus Horn um 8,- €. Passt wunderbar zu meinem Eilöffel aus Horn, den ich vor ein paar Jahren auch auf einem Weihnachtsmarkt gekauft habe und der immer noch gute Dienste leistet. Muss es mehr sein? Für mich nicht. Ich kann mich auch an meinen Barbazweigen erfreuen - wobei die schon ein paar Tage vor Weihnachten in voller Blüte gestanden sind und Weihnachten nicht mehr erleben werden. Egal! Es war eine schöne und besinnliche Einstimmung.


Und passend zu dieser Einstellung habe ich über die Jahre meine Tradition des Weihnachtseies eingeführt: Es gibt ein einfaches Ei-Gericht. Dieses Jahr Eier Orsini. Die brauchen wenig Vorbereitung, werden einfach ins Backrohr geschoben und man kann sich der, dem oder den Liebsten widmen. Absolut stressfreies Frühstück für das Fest!



Eier Orsini

2 Eier
Salz
Butter zum Einfetten der Form + Butterflöckchen zum Drüberstreuen
1 EL würziger Käse, gerieben

Backrohr auf 180 Grad vorheizen.


Eier trennen, dabei das Eiklar gleich in eine Rührschüssel geben. Die Eigelbe getrennt in je ein kleines Schüssel legen. Eiklar mit Salz aufschlage, bis man einen richtig festen Schnee hat. das kann man testen, indem man einen Teelöffel drauflegt: sinkt der nicht ein, ist der Schnee fest genug.

Eine ofenfeste Form gut mit Butter einfetten. Den Eischnee in der Form verteilen. Zwei Kuhlen in den Schnee drücken, da rein kommen die Eigelbe. Alles mit Käse bestreuen und oben drauf Butterflocken setzen.

Die Form auf den Boden des Backrohrs stellen. Das hat den Grund, dass man schnell den Eischnee unten festigen sollte, damit die Eigelbe nicht runtersinken. Will man wie ich hier wachsweiche Eier haben, lässt man die Form je nach Größe der Eier 20 - 25 min. am Boden stehen. Dann den Grill dazuschalten und die Eier mit dem Gitter auf den obersten Einschub stellen. Nun darf man nicht mehr weggehen, bis die Eier eine schön gratinierte Oberfläche haben, das dauert wirklich nur ganz kurz.

Die Eier lassen sich gut aus der Form lösen, man kann sie aber auch direkt aus der Form essen.





Meine bisherigen Weihnachtseier:
2011
2012
2013
2014
2015





Weihnachtsfeen auf dem Weihnachtsmarkt am Karlsplatz. Wunderschön anzuschauen. Kinder daneben mit großen Augen. Einfach nur so etwas anschauen können, ist ein tolles Geschenk!

Montag, 19. Dezember 2016

[Verkostung] Panettone

Sollte sich jemand wundern: Ja, das Posting war schon am Freitag online. Also fast war es dieses Posting. Es kam nachträglich dann ein Mail von einem der Panettone-Bäcker und schon war das Ergebnis durcheinandergewürfelt. Sorry, dass die Kommentare nun weg sind, aber dafür nun die korrekte Variante.

Irgendwie hat das alles ganz klein angefangen: Auf Facebook habe ich gefragt, wo man in Wien den besten Panettone kaufen kann. Meine fb-Blase war sich schnell einig. Ich eilte also zum Meinl am Graben, wo es diesen Panettone angeblich zu kaufen gibt, stand dort - erschlagen von diesen Massen - vor einer riesigen Wand voll mit den unterschiedlichsten Panettone, aber halt genau dieser eine fehlte. Und irgendwie ergab es sich dann, dass wir angesichts dieser Vielzahl eine Verkostung machen wollten. Das wurde zwischendurch recht abenteuerlich, weil anfangs 15 Personen ihr Interesse bekundeten - so viele Leute bringe ich aber an meinem Tisch nicht unter. Es war dann für mich fast eine Erleichterung, dass wir nach der Terminfindung nur zu sechst gewesen sind, vier davon Foodblogger. Zu meiner großen Freude stellte sich heraus, dass wir eine gelernte Zuckerbäckerin in der Runde hatte, die uns viel über die Herstellung von Panettone erzählen konnte.

In folgenden Blogs werden Berichte über die Verkostung veröffentlicht:
Verena kocht
Kitchenstories
Der Mundschenk & Compagnie




Heldenhaft hat sich der Turbohausmann bereit erklärt, alles für die Blindverkostung vorzubereiten - er durfte mitkosten, aber nicht mitstimmen. Er hat alle Panettone ausgepackt, numeriert, aufgeschnitten, darüber Bericht erstattet, wie der Duft beim Auspacken war und wie sich der Anschnitt verhielt.

Verkostet wurden Panettone von: Auer, Brotocnik, Casa Caria (Panbriacone von Bonci), Crupi (Classico), Dolce Pensiero, Kasses, Kurkonditorei Oberlaa,  Merkur (Loison) - aufgezählt in alphabetischer Reihenfolge.

Wie wir gerade auf diese Panettone kamen? Geschäfte bzw. Zuckerbäcker unseres Vertrauens haben wir aufgesucht und die Panettone gekauft. Ja, selber bezahlt. Ausnahme: Herr Podocnik, der gerade anfängt, seine eigene Bäckerei Brotocnik zu betreiben, hat uns ein Exemplar unentgeltlich zur Verfügung gestellt, wusste aber nichts von der Verkostung.



Unsere Kriterien: Aussehen, Geruch, Geschmack, Textur, Sonstiges (z. B. sind Löcher vom Aufhängen da). Der Schwerpunkt lag natürlich bei Geruch und Geschmack. Abzüge gab es für zugesetzte Aromen, Zusatzpunkte waren für Bioprodukte erreichbar.

Ein großer Stolperstein: Die kandierten Früchte. Bei vielen Panettone haben die eigenartig geschmeckt oder waren geschmacklos. Es scheint den Bäckern so zu gehen wie mir: einfach zu finden sind gute kandierte Früchte nicht.




Bald haben wir verstanden, warum Katharina Seiser mit ihrem jour doux nicht weitermacht.

Relativ schnell waren wir ernüchtert bei der Verkostung: Von brotigem Anschnitt ...









... bis zu  Gatsch fanden wir alles!


Dito beim Geschmack: Es gab zwei Highlights, aber der Großteil zeichnete sich durch Mittelmaß aus. Erstaunlicherweise auch der Panettone, der mir empfohlen worden war.


Unten total verbrannt war natürlich auch dabei. Der war aber dafür außen ledrig. Was für ein Ausgleich!

Das Innenleben war durchaus erfreulich, hat nicht verbrannt geschmeckt, und ich werde, wenn ich Panettone wieder anschauen kann, zu der Pasticceria schauen, ob das einfach Pech war, so ein Exemplar erwischt zu haben.



Penibel wurden beim Verkosten Listen geführt - auf dem Foto schon am Ende der Verkostung mit dringend notweniger Salami.

Wir alle lechzten massiv nach etwas Nichtsüßem im Mund. Übrigens haben wir es trotz vollen Bäuchen geschafft, alle Essiggurkerl in meinem Haushalt aufzuessen, was nicht so einfach ist, weil immer mehr als genug da sind.





Ich nehme an, nun hab ich genug um den heißen Brei herumgeredet? Nun soll ich sagen, welchen Panettone man kaufen kann? Man kann eigentlich alle irgendwie essen bis auf den Letztgereihten, den kann ich wirklich nicht empfehlen. Alle anderen sind nicht schlecht, wenn sie nicht einem gnadenlosen Direktvergleich wie hier ausgesetzt sind. Bei der Verkostung waren nur zwei Panettone herausragend:

Geschmacklich ausgezeichnet war der Panettone von der Kurkonditorei Oberlaa (beheimatet in St. Favoriten, also lästere bloß niemand mehr über meinen Bezirk). Ein feines Zitrusaroma, hausgemachte kandierte Früchte in angenehmer Menge. Man hat auch die Löcher gesehen, die durch die Stäbe entstehen, an denen Panettone zum Auskühlen kopfüber aufgehängt wird - diese Prodzedur ist nötig, damit das wunderbar flauschige Ding nicht zusammenfällt. Der Turbohausmann schwärmt immer noch, was ihm für eine feine Duftwolke beim Öffnen dieser Verpackung entgegenkam.







Panettone vom Auer: geschmacklich top! Toller Anschnitt, flaumig in der Textur, wie sich das gehört die Krume schön langfasrig, ein angenehmer Duft nach Germteig, saftig, ein ausgewogenes Verhältnis an kandierten Früchten und Rosinen. Löcher vom Aufhängen ebenfalls vorhanden. Alle waren wir uns einig, dass Panettone genau so sein sollte.







Beim großen Verlierer des Abends waren wir auch einig. Zu meinem Leidwesen aus einem meiner liebsten Geschäfte in Wien, nämlich Panbriacone (Bonci) von Casa Caria. Irgendwie tut es richtig weh, das Kommende zu schreiben: Der Panettone von dort ist der braune Gatsch, den man oben auf dem Foto sieht. In dem Panettone sind "kandierte" Oliven drinnen. Kandiert heißt in diesem Fall, dass sie in Zuckerlösung eingelegt sind. Ich habe keine Ahnung, ob dieser Matsch zu gären angefangen hat oder ob da Schnaps mit im Spiel war, es roch jedenfalls sehr unangenehm alkoholisch. Zu allem Überfluss haben diese Oliven nach unten durchgesuppt und alles aufgeweicht. 32,- Euro hat das Stück gekostet, mit Abstand der teuerste Panettone.


Falls jemand auf die Idee kommen sollte: Das ist kein Werbeposting! Kein Sponsoring bis auf Kleinigkeiten, die uns rund um die Verkostung zur Verfügung gestellt wurden. Hier geht mein Dank  an Bloggerin Christine, die sehr gute Gewürze für Glühwein und Punsch mischt. Mit diesen Gewürzen in den Heißgetränken sind wir beschwingt durch den Abend gekommen.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Advent in Wien

Nur einer der wenigen Gründe, warum man im Advent nach Wien fahren sollte. Es ist hier schon sehr, sehr schön. Wer erkennt das Gebäude? (Es gibt nichts zu gewinnen für die Antwort. 😉)



Wieder darf das Foto zu den Sonntäglichen Inspirationen von Ines, die Postings, die nicht mehr als ein Bild zeigen, in ihrem Blog Eclectic Hamilton sammelt.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Verglüh

Es gibt wirklich Verjus in Literflaschen. Und genau so eine habe ich gekauft. Schon vor längerer Zeit. Nun stand sie offen im Kühlschrank, in dem ohnehin nur sehr begrenzt Platz ist. Oft habe ich Verjus statt Essig beim Salat verwendet, aber da braucht man halt leider nur ein bissl was, und die Flasche wollte nicht und nicht leer werden. Ich habe eine wagemutige Aktion gestartet, die aber wirklich ein mehr als erfreuliches Ergebnis hatte: Verglüh.

Nachdem ich annehme, dass ich das ausnahmsweise selber erfunden habe, kriegt es auch einen Namen von mir. Nun bin ich richtig stolz, dass ich auch einmal etwas kreiert habe. Sollte es doch jemand anderer erfunden haben, bitte her mit Infos, damit ich mich nicht mit fremden Federn schmücke.

Zum Apfelsaft: Ich habe naturtrüben genommen. Es müsste aber wahrscheinlich schön ausschauen, wenn man gefilterten nimmt, außerdem erspart man sich möglicherweise das Filtern, weil sich keine Flankerl absetzen. Nur ich hab einfach keinen klaren Apfelsaft im Haus, nie, daher hoffe ich auf Berichte, ob sich mein Verdacht bestätigt.



½ l Apfelsaft
¼ l Verjus
½ l Wasser
1 Bioorange, gewaschen und in Stücke geschnitten
1 Zimtstange (ich: eigener Import aus Sri Lanka, ich hätte sollen mehr mitbringen)
3 Gewürznelken
2 Stück Langpfeffer (der liegt schon genau so lang herum wie der Verjus herumsteht, daher ...)

3 EL Honig
1 Bioorangen, gewaschen und in Scheiben geschnitten 

Alles miteinander bis auf Honig und Orangenscheiben erhitzen und einige Stunden, besser über Nacht durchziehen lassen. Orange danach direkt in den Verglüh hineinpressen, alles durch ein Stück Küchenrolle filtern, noch einmal erwärmen.

Noch einmal erwärmen, 3 EL Honig (sind wirklich dringend notwendig, weil der Verjus sauer ist) in den Verglüh einrühren, probieren, eventuell mehr Honig dazugeben. Mit einer Scheibe Orange servieren.



Natürlich kann man auch Schnaps in den Verglüh reinkippen. Rum schmeckt sicher gut dazu oder Grappa. Aber das überlasse ich gewandteren Trinkern, das einmal auszuprobieren.

Montag, 12. Dezember 2016

[Buchbesprechung] Kräuter für den Gourmetgärtner


Käuter - jetzt im Winter? Ja, genau. Es ist wirklich Absicht, dass ich dieses Buch um diese Jahreszeit vorstelle. Es ist nämlich so bei uns Hobbygärtnern (auch wenn sie nur Balkongärtner sind wie ich), dass es um diese Jahreszeit in den Fingern anfängt zu kribbeln. Nun hat man schon zwei Monate oder mehr nicht herumkrabbeln können in der Erde und es fehlt einem etwas. Man fängt immer interessierter an, das Angebot von Saatgut zu studieren. Also kommt dieses Buch vielleicht zusammen mit einem Sackerl Samen zu Weihnachten genau richtig für Gartenfreunde.

Das Buch Kräuter für Gourtmetgärtner aus dem Dumont-Buchverlag ist eine Neuerscheinung und kommt mir aus den genannten Gründen gerade recht. Die Autorin ist Caroline Holmes ist offensichtlich im englischsprachigen Raum eine bekannte Buchautorin, die seit 2001 laufend Bücher zum Thema Gärtnern schreibt. Sie konnte mit der englischen Version des hier besprochenen Buches auch schon Lorbeeren einheimsen. Sie ist Vortragende, Broadcasterin und vor allem Gartendesignerin. Hier hat sie nun ein Buch vorgestellt, das auch Rezepte enthält. Also genau mein Ding!

60 Kräuter werden vorgestellt, zu vielen finden sich Rezepte, die Verwendung der verschiedenen Teile der Kräuter wird beschrieben, der beste Standort wird vorgestellt, ihre Geschichte, wie man sie am besten kultiviert, wie man sie konserviert, Größe, Lagerung, Zubereitung, Varietäten und vieles mehr.

Was es nicht gibt in dem Buch, sind Fotos, aber Grafiken und Zeichnungen, wunderschöne! Dazu noch Abbildungen von Bildern, teilweise aus alten Büchern. So richtig nett altmodisch schaut das aus. Ich habe schon etliche Stunden mit einer Tasse Tee und dem Buch in der Hand verbracht, dabei seufzend rausgeschaut auf mein eingewintertes Balkonien.

Ein kleines Textbeispiel aus dem Buch: "Die meisten Kräuter haben entweder einen 'schwebenden' oder 'schlummernden' Duft, nur die Zitronenverbene bietet beide Varianten. Kräuter mit schlummerndem Duft muss man berühren, um den Duft freizusetzen. Zu den Kräutern mit schwebenden Düften gehören Zitronenverbene und Senfrauke, Kräuter mit schlummerndem Duft sind Zitronenverbene, Lavendel, Kamille (als Sitzpolster, auf Mauern oder als Teil der Pflasterung in weniger frequentierten Bereichen),Töpfe mit gefleckten Duftpelargonien oder Rosmarin." So geht es dahin und ich habe Wissen aufgesogen ohne Ende. Oder wer wusste, dass es eine Variante von Borretsch mit weißen Blüten gibt, die im Dunkel schimmern?


Lorbeer im Dezember
Nun wäre ich an der Stelle angelangt, an der ich normalerweise zu kochen beginne. Das Rezept,  das ich vorstellen will, wird in vielen Schmorgerichten, wie man sie zu dieser Jahreszeit so gerne macht, gebraucht: Bouquet garni, aber individuelle Varianten für alle möglichen Gelegenheiten:

Fleisch: Ein Lorbeerblatt, Petersilie, Thymian und Majoran.

Fisch: Ein Lorbeerblatt, Petersilie, Fenchelstängel und/oder Zitronenmelisse.

Geflügel: Ein Lorbeerblatt, Petersilie, Zitronenthymian und Majoran. Die Mischung vor dem Braten in die Bauchhöhe des Geflügels legen.

Wild: Ein Lorbeerblatt, Petersilie, Rosmarin und Wacholder.

Provenzalisch: Ein Lorbeerblatt, Petersilie, zerdrückter Knoblauch und Orangenschale.

Wintereintöpfe und Hülsenfrüchte: Ein Lorbeerblatt, Petersilie und Winter-Bohnenkraut. Sollte es Knödel als Beilage geben: Petersilie und Bohnenkraut fein gehackt passen.

Es folgt dann noch eine Anleitung, wie man Bouquet garni schnürt. Ich muss gestehen, dass ich faul bin: ich schupf nämlich die Kräuter alle in einen Teefilter aus Papier, binde sie mit Bratenschnur zu und friere sie so ein. Schöner schaut es natürlich aus, wenn man kunstvoll große Lorbeerblätter mit anderen Kräutern einwickelt und nach allen Regeln der Kunst verschnürt.

Was ich fast vergessen hätte: Zitate! In dem Buch finden sich Zitate von Schriftstellern, zu Lorbeer zum Beispiel eines von Alexandre Dumas. Ich hätte nicht gewusst, dass er auch über Lorbeer geschrieben hat. Wieder was gelernt.


Fakten zum Buch: Gebunden, 224 Seiten, 100 farbige Abbildungen, Originalverlag: Quid Publishing, Hove 2014, Originaltitel: Herbs for the Gourmet Gardener. A Practical Resource from the Garden to the Table, Erscheinungstag: 17.10.2016, ISBN 978-3-8321-9911-1, Übersetzung: Heinrich Degen, Preis: 30,- (in Österreich erstaunlicherweise nur um 90 Cent teurer - danke, Dumont Verlag!).

Das Buch kann man im Fachhandel bestellen und das geht sich noch vor Weihnachten aus.

Danke an den Dumont-Buchverlag, der mir das Buch für die Rezension zur Verfügung gestellt hat. 

Sonntag, 11. Dezember 2016

Barbarazweige

Mir ist wieder einmal danach, bei der Aktion Sunday Inspiration mitzumachen. Ines sammelt auf ihrem Blog Eclectic Hamilton  Postings, in denen nur ein einziges Foto zu sehen ist. Und ich zeig euch meine Barbara-Zweige.



Klassisch werden dafür am Namenstag von Barbara Obstzweige abgeschnitten und eingefrischt. wer noch keine Zweige hat: Nachdem Barbara schon eine Woche her ist, wäre es besser, man nimmt Forsythien. Die sind immer recht flott und blühsicher.

Noch eine kurze Anleitung, wie man Zweige dazu bringt, dass sie wirklich antreiben: Sie brauchen Frost! Hat es noch nicht gefroren, dann muss man im Tiefkühler nachhelfen. Nachher kommt der Frühling. Den gaukelt man den Zweigen vor, indem man sie einen Tag in warmem Wasser in der Badewanne einweicht. Nicht nur den Anschnitt, sondern wirklich die ganzen Zweige. Danach werden die Zweige neu angeschnitten, am besten schräg. Ab in eine Vase und ungefähr alle drei Tage das Wasser wechseln.

Ich hoffe, ich habe eine Blütenpracht hier stehen zu Weihnachten. 💐

Donnerstag, 8. Dezember 2016

[Rettungsaktion] Stollen für Ungeduldige

Schon mal einen Blick auf das geworfen, was die Futtermitttelindustrie uns seit September in allen Supermärkten andrehen will? Ich mein jetzt nicht nur, dass es einem auf die Nerven geht, dass Weihnachten jedes Jahr ein bissl früher anfängt, sondern vor allem, was da als Lebensmittel angeboten wird. Ein Blick auf die Zutatenliste und ich krieg die Krise!

Vor Stollen drücke ich mich ganz gern, weil man immer eine Weile warten muss, bis man ihn anschneiden kann, was ich sehr böse finde.  Bei diesem Rezept ist Topfen drinnen, der den Stollen saftig macht und das schneller als bei den klassischen Stollen. Natürlich schadet es dem Stollen auf gar keinen Fall, wenn man ihn ein paar Tage rasten lässt, aber wenn die Not sehr groß ist, kann man das Schätzchen schon nach einem Tag Ruhezeit anschneiden.


Kandierte Früchte vom Markt: selber kandieren ist besser, aber nicht immer möglich.


500 g Mehl, glatt
1 Pk. Weinstein-Backpulver
200 g Butter
2  Eier
130 g Mandeln, gemahlen
4 EL Rum
100 g Rosinen
100 g Korinthen
100 g Zitronat, in Würferl geschnitten
100 g Orangeat, in Würferl geschnitten
1 Msp Salz
250 g Topfen
100 g Zucker
Schale einer Bio-Zitrone, abgerieben
Kardamom, Ingwer, Zimt, Muskatblüte – gemahlen, je 1 Messerspitze

50 g Butter, geschmolzen
Staubzucker

Extrem wichtig: kandierte Früchte mit dem Mehl sehr gut vermischen.
Wichtig: Am Vortag Rosinen und Korinthen mit dem Rum mischen. Ich geb alles in ein Glas mit Schraubverschluss, so kann man alles ab und zu durchschütteln, damit alle Mumien zum Leben erweckt werden. 👻

Am nächsten Tag das Backrohr auf 160 Grad vorheizen.

Die kandierten Früchte in Würferl schneiden und sehr gut mit dem Mehl mischen. So verhindert man, dass die schrecklich pickerten Würferl einen einzigen großen Klumpen bilden.
Backpulver unter diese Mehlmischung mischen. Auf eine Arbeitsfläche kippen, eine Mulde machen. Zimmerwarme Butter, Eier, Zucker, Topfen, Mandeln, Zitronenschale, Gewürze, Rosinen und Korinthen in diese Kuhle geben, alles zu einem Teig verkneten. Es zahlt sich wirklich nicht aus, dafür die Küchenmaschine zu verwenden, denn der Teig bindet wunderbar rasch ab.

Den Teig zu einem großen oder zwei kleinen Stollen formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Im vorgeheizten Backofen etwa eine Stunde backen (bei zwei kleinen Stollen reichen 45 min.).

In den letzten 5 min. die restliche Butter in einem kleinen Reinderl mit ins Rohr stellen, um die Butter zu schmelzen. Den noch heißen Stollen damit wieder und wieder bepinseln, bis er die Butter komplett aufgesogen hat. Dann mit Staubzucker ganz dick bestreuen.


Der Stollen hat mich sehr überrascht: Er ist genau so gut wie mein "normaler" Stollen (von dem ich die Zutaten so ungefähr übernommen habe, aber die Butter habe ich reduziert), geht viel schneller und unkomplizierter, vor allem aber behält der hier die Form. Damit habe ich, wie man in dem verlinkten Posting sehen kann, immer gerauft. Hier ist das gar kein Thema gewesen. Der Stollen ist  aufgegangen, aber nicht so ausgeufert. Nun jammere ich nie mehr wieder, dass Stollen kompliziert ist. Ist es wirklich nicht!



Nun auf zu meinen KollegInnen von #wirrettenwaszurettenist! Ich freu mich schon wieder darauf zu sehen, wer mit der Giftigen Blonden und mir alles mitrettet.




giftigeblonde - Schokoladekuchen mit inneren Werten
Obers trifft Sahne - Beschwipster Früchtekuchen
Summsis Hobbyküche - Gewürzkuchen mit Walnüssen 
Cuisine Violette - Christstollen
Friederike Fliederbaum - Pfeffriges Honiggewürzbrot
our food creations - Glühweinkuchen
Dynamite Cakes - Schneeflockentorte mit zimtigem Apfelmus
Barbaras Spielwiese - Linzertorte
The Apricot Lady - Panettone
Vergissmeinnicht - Zimtsternkuchen

Und so schaut mein Stollen angeschnitten aus.

Montag, 5. Dezember 2016

Muscheln mit Kräutersauce

Wie in meiner Buchbesprechung Zu Gast bei Monet angekündigt, möchte ich euch Monets Muschelrezept vorstellen. Es ist einfach zu machen, also auf zum Fischhändler des Vertrauens, denn jetzt gibt es überall wunderbare Muscheln zu kaufen.

Laut Buch ist das Rezept für 4 Personen, aber wir sind verfressen genug, dass wir 1 kg Muscheln zu zweit essen. 😉

Und es ist ein Rezept für Faule, also passend für mich: In 15 min ist alles fertig, wenn man schon geputzte Muscheln kauft. 🍽



1 Zwiebel, geschält
1 Stange Staudensellerie
1 Bund frische Petersilie
3-4 Stängel frischer Kerbel
3-4 Stängel frischer Sauerampfer
2 Zweige frischer Estragon
1 kg frische Miesmuscheln
1 El Butter plus 1 TL Butter extra
100 ml Weißwein
1 Teelöffel Stärkemehl, zum Abbinden der Sauce

Zwiebel und Sellerie hacken. Petersilie hacken und zusammen mit dem Gemüse beiseite stellen. Den Kerbel, den Sauerampfer und den Estragon klein hacken und ebenfalls beiseite stellen. Die Muscheln waschen, wenn nötig den Bart entfernen, geöffnete oder beschädigte Muscheln wegwerfen. In einem großen Topf ein EL Butter zerlassen und die Muscheln sowie das zerkleinerte Gemüse mit der Petersilie hineingeben. Den Deckel aufsetzen und die Muscheln bei starker Hitze garen, bis sie sich öffnen. Dabei mehrmals den Topf mit festgehaltenem Deckel kräftig schütteln, damit die Hitze alle Muscheln erreicht. Wenn sich alle Muscheln geöffnet haben, durch ein Sieb abgießen, den Sud auffangen und die Muscheln wieder in den Topf geben. Deckel wieder drauf zum Warmhalten.

In einem kleinen Topf das kleinere Stück Butter zerlassen, die gehackten Kräuter darin anschwitzen, alles mit etwas vom Muschelsud und vom Weißwein ablöschen und kurz aufkochen. Das Stärkemehl in eine Tasse geben, mit etwas eiskaltem Wasser gut verrühren, die Mischung in die Sauce gießen und kurz abbinden lassen. Sofort servieren.



Man kann die fertige Kräutersauce über die Muscheln gießen und auch die Muscheln auslösen, aber wir haben die Muscheln in die Sauce gedippt. Dazu gab es Baguette. Ein rasches und feines Essen, wenn man einmal spät heimkommt und wenig Lust hat zu kochen.

Freitag, 2. Dezember 2016

[Buchbesprechung] Zu Gast bei Monet

Monet ist nicht nur als Maler bekannt, sondern auch als Freund von gutem Essen. Im Prestel Verlag ist nun das Buch Zu Gast bei Monet mit Rezepten, wie sie im Haushalt von Monet zubereitet wurden, erschienen. Was für ein Buch! Wer Monet mag, wird dieses Buch lieben. Es ist wunderschön, mit vielen Bildern von Monet - von Monet gemalten, aber auch Fotos, die ihn zeigen. Man findet außer Bildern auch Zitate von oder über Monet, Geschichten aus seinem Leben in Giverny. Vor allem aber ist es ein Kochbuch.

Wie man in dem Buch erfährt, war er ein Liebhaber einfacher Gerichte. Das heißt nun nicht, dass man nicht auch ausgefuchste Gerichte findet, aber mich freut es, dass alles, was ich nachgekocht habe, einfach zuzubereiten war. Kirsch-Clafoutis ist ein ganz typisches Beispiel: leicht zu backen, aber unübertroffen im Geschmack (steht schon auf der To Do-Liste für die Kirschenzeit). Das Buch ist aber ganz sicher nichts für Vegetarier. Monet hat eindeutig gern Fleisch und Fisch bzw. Meeresfrüchte gegessen. Ich würde mir da sofort einige Weihnachtsbraten finden, wenn ich nicht eingeladen wäre.
Ausnahmsweise fehlt mir bei diesem Buch kein Bändchen, weil es einen Schutzumschlag gibt, den man bei den Rezepten gut einklemmen kann.

Die Fotos vom Essen sind sehr schön und nach meinem Geschmack: Da steht schon mal ein Korb mit Kirschen in der Wiese, es gibt zu jedem Rezept ein eigenes Foto, es liegt kein Essen in der Gegend verstreut, die Bilder nicht dunkelschwarz, sondern hell und freundlich.

Die Kapitel lauten nicht wie in anderen Kochbüchern Vorspeise/Hauptspeise/Nachspeise, sondern Der Tisch der Kindheit, Frühstück im Grünen, Der Zauber von Giverny und Schlemmer und Feinschmecker. Das hat doch was!

Die Autorin ist Florence Gentner, sie arbeitete in Museen und war Kuratorin verschiedener Ausstellungen, ist Autorin verschiedener Bücher. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf dem Impressionismus. Der Fotograf Francis Hammond steuerte die Fotos bei, sein Schwerpunkt sind Lifestyle und Kochen. Garlone Bardel, die für etliche Verlage arbeitet, ist für das Foodystyling verantwortlich. Dieses Dreien ist eine sehr gute Kombination aus Kunstbuch und Kochbuch gelungen.



Eier Orsini
Eines der typischen Rezepte: einfach zu machen, aber sehr raffiniert. Nachdem ich zu Weihnachten immer einfach nachzumachende Eierrezepte vorstelle, werde ich dieses hier am 24. Dezember zeigen.

Muscheln in Kräutersauce
Dafür habe ich die letzten Kräuter auf Balkonien verwendet, bevor sie der Frost dahingerafft hat. Sehr schmackhaft! Der Turbohausmann war ganz angetan, dass endlich wieder einmal Muscheln auf den Tisch kamen. Ich werde das Rezept genauer vorstellen.

Schokoladencreme
Das ist das einzige Rezept, mit dem ich nicht ganz glücklich geworden bin. Die Creme stockte viel zu stark. Ich vermute, da hat sich bei den Zutaten ein Tippfehler eingeschlichen.











Conclusio: Dieses Buch ist ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk für alle, die Monet mögen. Die Rezepte sind durchaus für Anfänger geeignet.

Fakten des Buches: Gebunden mit Schutzumschlag, Erscheinungsdatum: 29.08.2016 , 240 Seiten, 150 Abbildungen,  ISBN: 978-3-7913-8287-6, Preis: € 34,95 [D] | € 36,00 [A] | CHF 45,50, Verlag: Prestel.

Bestellen kann man das Buch direkt beim Verlag oder man geht zum Buchhändler am Eck, solange es den noch gibt.

Danke an den Prestel Verlag,  der mir das Buch für die Rezension zur Verfügung gestellt hat. 

Mittwoch, 30. November 2016

Powidltatschkerl aus der scheenen Tschechoslowakai ...

Jajaja, ich hab natürlich schon mitgekriegt, dass es die Tschechoslowakei schon länger nicht mehr gibt. Keine Sorge, so weit ist die Wechseljahrdemenz noch nicht fortgeschritten. 😊 Auch dass da hinten ein -ei gehört, aber wenn man das korrekt böhmakelt (Übersetzung), dann wird da draus ein -ai und aus schön wird scheen.

Zu den seltenen Gelegenheiten, bei denen ich Powidltatschkerl mache, fällt mir immer das geniale Lied von Hermann Leopoldi aus dem Jahr 1937 ein. Wobei mir das Lächeln, das dieses Lied auf mein Gesicht zaubert, dann schon auch mal einfriert, denn ein Jahr später wurde Hermann Leopoldi ins Konzentrationslager gebracht. In Zeiten wie diesen finde ich es aber enorm wichtig, sich daran zu erinnern, was vor gar nicht so langer Zeit in Österreich und in Deutschland passiert ist. Und leider haben wir nun wieder eine Partei in Österreich, die es schafft, das Übelste, das in Menschen verborgen ist, hochzuholen. Und besinnen wir uns darauf, wie viele Nationen in der österreichischen Küche versammelt sind. Hoffen wird, dass die herrlichen Powidltaschkerl wieder das Gute wecken!

Also: Es gibt wie immer viele Wege, die nach Rom bzw. zur Mehlspeise führen. Bei Obstknödeln darf es bei mir nur Topfenteig sein, bei Powidltatschkerln nur Erdäpfelteig. Da sind wir ÖsterreicherInnen eigen, denn bei den geliebten Mehlspeisen haben wir alle den einen Teig, der als einziger gilt. Ich mag hier gern den Erdäpfelteig, weil man bei dem relativ leicht ohne weitere Ruhezeit Mehl dazugeben kann, wenn das Probe-Powidltatschkerl, das man unbedingt immer machen sollte, sich im Wasser in Wohlgefallen auflöst.

Das wohl gröbere Hindernis ist, dass man kaum brauchbaren Powidl im Handel findet - also ich zumindest nicht. Wer immer Tipps für mich hat, wo man so richtig schnittfesten Powidl, der ohne Zuckerzusatz und Konservierungsstoffe hergestellt wurde, findet, bitte her damit! Ich bin mit dem Powidl meiner Oma aufgewachsen, die noch einen mit Holz beheizten Zusatzherd hatte, auf dem die Zwetschken über viele, viele Stunden ganz sacht eingeköchelt wurden, bis eine recht feste Masse entstanden ist. Diesem Powidl trauere ich immer noch nach.



4 Hauptspeisenportionen

Für den Erdäpfelteig:
½ kg mehlige Erdäpfel
150 g Mehl (glatt oder Allzweck)
30 g Butter 
1 Ei
Salz

Für die Tatschkerln:
Powidl
1 Ei
100 g Semmelbrösel
75 g Butter
Staubzucker
Zimt, frisch gerieben

Backrohr auf 120 Grad vorheizen. Die Erdäpfel schälen, in gleich große Stücke schneiden, in Salzwasser garen. Abgießen und die Erdäpfel im Backrohr 10 min ausdämpfen lassen. Backrohr dann auf 70 Grad runterdrehen.
Salzwasser in einem großen Topf erhitzen.
Die Erdäpfeln noch heiß durch eine Presse drücken, die 30 g Butter gleich dazugeben, damit sie schmilzt, dann diese Masse abkühlen lassen. Mehl mit einer Prise Salz mischen, unter die Erdäpfel-Butter-Masse rühren, das Ei ebenso. Alles rasch zu einem glatten Teig verkneten.
Ein Stück vom Teig abzwicken und ca. 3 mm dick ausrollen und mit einer Kaffeetasse (Ausstecher geht natürlich auch) einen Kreis ausstechen. Bei mir hat die Kaffeetasse 8 cm Durchmesser, was ich für perfekt halte. Das Ei verquirlen und den Kreis damit an den Rändern bestreichen. Einen Teelöffel voll Powidl in die Mitte des Teiges geben, zusammenklappen und die Ränder sehr gut zusammendrücken. Dieses Probetascherl ins siedende Wasser legen und ein paar Minuten warten, ob der Teig hält. Wenn nicht, dann noch einen EL Mehl zum restlichen Teig kneten.
Wenn man von Anfang an mehr Mehl in den Teig gibt, wird der nicht so flaumig, wie er sein sollte, daher ist diese Prozedur leider unumgänglich. Ob der Teig hält oder nicht, hängt von der Stärkehaltigkeit der Erdäpfeln, der Qualität des Mehls und sogar von der Luftfeuchtigkeit ab. Ich komme mit den 150 g Mehl fast immer gut klar, aber manchmal hunzt (Übersetzung) er mich einfach!
Hält das Tatschkerl, rollt man den ganzen Teig aus, sticht Kreise aus. Den verbliebenen Teig noch einmal verkneten und ausrollen, wieder Teigstücke ausstechen. Wie vorhin beschrieben, Teigkreise bestreichen, füllen, verschließen. Die Tatschkerl ca. 8 min. in siedendem (nicht kochenden) Wasser garen.
In der Zwischenzeit die Bröseln in der Butter goldbraun rösten. Ich reibe immer eine kräftige Prise Zimt direkt zu den Bröseln, man kann aber auch zum Bestreuen der Tatschkerl Zimtzucker machen. Die fertig gegarten Tatschkerl in den Bröseln wälzen (vorsichtig!), auf einem ausreichend großen Teller auflegen, ab damit ins Rohr und 10 min. ausdunsten lassen. Mit Staubzucker bestreuen und servieren.






Nun bin ich euch aber noch das Powidltaschkerl-Lied schuldig - Ja so ein Tatschkerl, so ein powidales, das ist doch wirklich etwas Pyramidonales ...





Dieses Posting ist Teil einer Challenge mit süßen Teigtascherln:


Magentratzerl mit  Quarktaschen 

Giftige Blonde mit Strudelteigtaschen

Friederike vom Fliederbaum mit Kletzennudeln

Sonntag, 27. November 2016

Pastinakencremesuppe mit Speckbröseln

Wann isst man Suppe, wenn nicht zu dieser Jahreszeit. Und jetzt ist auch noch die Wurzelgemüse-Jahreszeit schlechthin. Bei den Pastinaken scheiden sich die Geister: Es gibt viele Leute, denen sind sie zu süß. Ich bin draufgekommen, dass man diese Süße entschärfen kann, wenn man den inneren Strunk herausschneidet. Wenn man nicht total pingelig ist, kann man sich dann auch den Schritt des Passierens durch ein Sieb ersparen, weil die grobfaserigen Anteile in dem inneren Strunk sind.

Das Tüpferl am I sind die Speckbröseln. Speck brät man am besten in einer beschichteten Pfanne ganz langsam. Also erst auf einer Seite 4 - 5 min. auf dezenter Hitze, dann umdrehen und noch einmal 2 - 3 min. Auf einem Stück Küchenrolle auskühlen lassen, so wird der Speck ganz knusprig. Man kann natürlich die Suppe auch in Schälchen servieren und so ein Specksegel auf das Schälchen drauflegen.






Für 4 Portionen:
¾ kg Pastinaken, geschält, innerer Strunk herausgeschnitten (wenn der drinnen bleibt, reicht ein halber Kilo Pastinaken)
1 Schalotte
1 EL Butter
⅛ l Weißwein (Riesling geht sehr gut)
¾ Hühnersuppe
250 ml Schlagobers
Salz
weißer Pfeffer
Muskatnuss, gemahlen
1 Prise Chilipulver (z. B. Piment d'Espelette)

4 Scheiben geräucherter Speck (Hamburger, Bacon)

Pastinaken schälen und den Strunk rausschneiden. Die Pastinaken in kleinere Stücke schneiden. Die Schalotte fein hacken und in 1 EL Butter leicht andünsten. Pastinaken kurz mitdünsten. Mit Weißwein aufgießen und den ganz einkochen lassen. Die Suppe dazugießen und köcheln lassen, bis die Pastinaken weich sind. Schlagobers dazuleeren, einmal aufkochen. Die Suppe mit dem Pürierstab pürieren, dann durch ein Sieb passieren (diesen Schritt kann man weglassen, wenn der Strunk herausgeschnitten wurde oder wenn man eine rustikale Suppe gern mag). Mit Salz, weißem Pfeffer, Chili und Muskatnuss würzen. Die Suppe soll übrigens nicht scharf werden, also wirklich nur einen Hauch Chilipulver verwenden.

Während die Pastinaken garen, den Speck ohne Fett ganz langsam auf beiden Seiten braten, danach auf einem Stück Küchenrolle auskühlen lassen. Dann die Speckscheiben grob zerbrechen und im Zerkleinerer zu Bröseln mahlen.

Suppe anrichten und Bröseln drüberstreuen.



Nachdem ich diese Suppe bei einem Menü serviert habe, bin ich draufgekommen, dass die Speckbröseln kein Herumstehen vertragen: Sie werden offensichtlich allein durch die Luftfeuchtigkeit wieder weicher. So richtig schön knusprig sind sie nur, wenn man sie unmittelbar vor dem Servieren macht.

Die Suppe ist ein schönes Gericht für dieses Wetter: Durch das bisschen Chili wärmt sie sehr gut, Speck macht sowieso immer alles besser.