Freitag, 19. Februar 2016

[Buchbesprechung] Veranda Junkies

Na, juckt es euch Hobbygärtner auch schon so in den Fingern? Ich habe schon einige Stunden mit Gärtnern auf Balkonien verbracht und dabei wieder festgestellt, das macht genau so viel Spaß wie kochen. Jetzt hatte ich großes Glück, denn der AT-Verlag, der so schöne Bücher macht, hat mir wieder ein Buch zur Verfügung gestellt, nämlich Veranda Junkies von Cornel Rüegg und Sabine Reber.

Nun habe ich ja schon, ein, zwei (hust ...) Bücher zum Thema Gärtnern und speziell Gärtnern auf Balkonien. Das hier ist aber schon etwas Besonderes: Es ist wirklich sehr umfangreich - 320 Seiten! Und was es vor allem ist: entspannt. Die meisten meiner Gartel-Bücher sind alle schrecklich ambitioniert! Da wird zum Beispiel der Selbstversorger-Balkon angepriesen - ich würde gern sehen, welche Ausmaße in Balkon haben muss, damit man sich damit wirklich selbst versorgen kann. Hingehen bei den Veranda Junkies wird einfach drauflos gegartelt. Sei es auf einem Traum von 47 Quadratmetern Dachterasse oder auf einem Fenstersims. Der Spaß am Tun steht eindeutig im Vordergrund!


Man merkt teilweise, dass unerfahrene Hobbygärtner am Werk sind, es wird improvisiert und ausprobiert. Die Ergebnisse sind erstaunlich! Auf vielen wunderbaren Fotos kann man sehen, wie die 15 vorgestellten Stadtgärtner unter teilweise widrigsten Umständen Städte, in denen sie wohnen, zum Blühen bringen, sei es auf einem Parkplatz oder einer Loggia. Das Buch ist auch ambitioniert genug, um Rezepte aus selbst Angebautem zu zeigen: Bier brauen ist wohl das ehrgeizigste Projekt. Ich werde dann im Frühling wohl den Zitronenmelissensirup ausprobieren.

Es finden sich viele tolle Tipps in dem Buch, die reichen angefangen vom Wurmkomposter über Bewässerung, Permakultur, Gartenwerkzeuge, Wirtspflanzen für Tiere, Dünger (bio, eh klar), Saatgut bis zur Schädlingsbekämpfung. Was mir besonders gefällt ist ein Übersichtsplan, was in welchem Monat getan werden kann  - niemals muss! Das Buch ist auch nie belehrend, was ich außerordentlich sympathisch finde. Es ist genau der Spaß, der auch mich antreibt beim Gärtnern: Sich die Hände in der Erde richtig dreckig zu machen, bis zum den Ellenbogen in den Töpfen stecken und schlussendlich mal ein Blümchen für den Tisch pflücken oder ein paar Erdbeeren für das Frühstücksmüsli ernten können.

Ich habe lange überlegt, welche "Veranda" ich vorstelle, was gar nicht so einfach war, weil alle GärtnerInnen sehr sympathisch rüberkommen und jedes Projekt mit so viel Herzblut verbunden ist. Nun suche ich einfach das aus, was wirklich allen Leuten zur Verfügung steht, nämlich das Fensterbrett. Von einer anderen Balkongärtnerin im Buch stammt das Zitat: "Die Engländer sagen, dass in einer einzigen Blumenkiste das Potenzial eines ganzen Gartens steckt. Das finde ich sehr passend." Die Besitzer des Fensterbretts, Nadine und Matthias, haben das Küchenfenster zu einem lauschigen Innenhof mit Bäumen und Sträuchern. Sie bekamen im Frühling zwei Jungpflanzen für Kohlrabi und Salat geschenkt und setzten diese in ihre beiden kleinen Kistchen, die ihr Fensterbrett schmücken. Sie haben außerdem noch einige Kräuter und eine Chili-Pflanze. Ich weiß nun nicht, ob ich gerade Salat und Kohlrabi pflanzen würde, wenn ich nur ein Fensterbrett zur Verfügung hätte, aber Kräuter und Chili auf jeden Fall, denn die kann man immer wieder beernten. Ich muss aber zugeben, dass die kleinen Kisterln mit den Salaten und den Kohlrabis schon verdammt idyllisch ausschauen!


Zum Abschluss verrate ich noch, was die Veranda Junkies auf der To Do-Liste für März stehen haben:
-) Kräuter, die einige Minusgrade aushalten können, kaufen: Petersilie, Schnittlauch, Thymian, Oregano, Minze. Noch warten mit Koriander und Basilikum, die keine Kälte vertragen.
-) Gemüse (z. B.  Paradeiser, Paprika, Pfefferoni) oder einjährige Blühpflanzen säen (Joghurtbecher, in die man Abzugslöcher gestanzt hat - Abzugslöcher sind ein heißer Tipp von mir).
-) Erdäpfeln in Säcken oder Kübeln pflanzen
-) Zwiebel und Knoblauch pflanzen
-) Gut abgehärtete Setzlinge von Salat, Kohlrabi oder Roten Rüben beim Gärtner oder auf dem Markt kaufen.
-) Bärlauch und Brunnenkresse ernten
-) Gänseblümchen, Schlüsselblumen, Primeln und Stiefmütterchen (= Hornveilchen) ernten - das geht nur bei Biopflanzen! Also schon wieder ein Grund, warum man bio-balkongärtnern sollte.



Da mir das Buch so sympathisch ist, kommen nun noch ein paar Links, in denen man mehr nachlesen oder es kaufen kann:
derbuchhaendler.at - Gratisversand innerhalb Österreichs
Veranda Junkies - Link zum Verlag, bei dem Schweizer bitte bestellen
Hugendubel (inhabergeführte Buchhandlung) - Gratisversand in Deutschland

Von Sabine Reber ist übrigens ein weiteres Buch in Planung: Vom Beet in die Küche

Die Fotos stammen übrigens bis auf die Titelseite nicht aus dem Buch, sondern sind auf meinem Balkonien im Februar aufgenommen worden. Man sieht also, es wird auch in der grauslichen Jahreszeit nie fad beim Garteln.

Die Links sind alle keine Affilate-Links.


Kommentare :

  1. Hm. Vielleicht sollte ich mir das anschaffen. ich hab ja eine Terrasse und einen Winz-Garten, aber was ich anpacke klappt immer nicht so recht. Da kommt eine Liste, was man wann machen kann, schon mal ganz gut....

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    1. Ja, mach mal und schaff es an! Wenn es dir nicht beim Gärtnern helfen sollte, ist es immer noch ein wunderschönes Buch, das man zum Herumblättern gern in die Hand nimmt. 😀

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  2. Liebe Susi,
    das ist sehr ansprechend von Dir geschrieben und selbst ich als Gartenbesitzerin fühle mich angesprochen, denn es ist wirklich nicht falsch in Kübeln und Töpfen auf dem Balkon, Kräuter, Salat und Co. anzupflanzen, stehen sie da auch manchmal geschützter und einfacher zu händeln finde ich. Ich bin auch dazu übergegangen einzelne Köstlichkeiten in Kübeln zu anzusäen und auch dort zu halten. Die Tipps in Sachen Organisation in diesen Büchern sind sehr hilfreich. Das Buch hier seht schon auf meiner List, denn man lernt ja nie aus.
    Liebe Grüße
    Ingrid

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    1. Freut mich, dass dir die Rezension gefallen hat.

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  3. Sehr sympatisch, dass du die Fensterbrett-Gärtner vorstellst. Mehr Platz habe ich leider auch noch nicht. Aber ich gehe definitiv mit dir konform - Kräuter sind wichtiger als Salat oder Kohlrabi. ;-)

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    1. Bei mir wären Kräuter immer die erste Wahl, vor allem eher unbekannte, die man nicht so leicht kaufen kann.

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  4. Schon das Wort- Veranda, als Kind erschien mir das als der Gipfel der Vornehmheit; die Großeltern "drieben" hatten eine gläserne Veranda, heute würde man Wintergarten dazu sagen und sowohl das Wort wie die Örtlichkeit haben mich wohl enorm beeindruckt.
    Was machst du mit dem Portulak, den ich auf einem Foto erkenne? Hier wuchert der mein Mini-Gärtchen zu, meine Nachbarin, die ordentliche, rümpft die Nase...

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    1. Genau so kenne ich eine Veranda auch - wir haben dieselben Kindheitserinnerungen.:)
      Das ist Winterpostelein und den essen wir gern als Salat, aber besser zu einem anderen dazugemischt, weil pur ist er mir zu intensiv.

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  5. Das ist ja wirklich ein tolles Buch, muss ich direkt mal einen Blick rein werfen :)
    Danke fürs Vorstellen!

    PS: Ich konnte gerade gaaanz viele Möhren ernten und der Zuckerhut-Salat wächst fleißig :D

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    1. Du erntest Karotten? JETZT? Ich fall um vor Neid! Ich brauch ein Glashaus ...

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  6. Hallo meine liebe Susi,

    das mit dem Garten ist ja immer so eine Sache, oder?
    Zuerst geht man es mal klein an, im nächsten Jahr meint man man ist schon ein Profi und dann geht man wieder retour.

    In meinem Fall, :-) war es fast so, ... nein, es war so und Garten benötigt echt viel Liebe und Zeit und weil ab heuer auch klein-netzchen im Garten herumgeht...hoffe es klappt mal mit dem Gehen ;-) muss man sich wieder umstellen also alles weg was scharf ist... bei uns leider so um die 50-60 Kübel mit Chili-Pflanzen ...mhmmm...Garten ist immer im Wandel der eigenen Zeit und bleibt nicht stehen sondern er wächst und wandelt mit.

    Denke ich komme auch ohne Buch gut zu recht da ich sehr interessiert und neugierig bin und für Grünpflanzen und Sträucher habe ich eine tolle Gärtnerin.

    lg netzchen

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    1. Also wenn ich eines gelernt habe in den vielen Jahren Balkongärtnerei, dann dass man nie auslernt! Und dass auch ein Balkon genau wie ein Garten nie fertig werden. ;)

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  7. Liebe Susi,
    eine wirklich schön geschriebene Rezension, die Lust auf mehr macht. Ein kurzer Blick ins Bücherregal zeigt mir, dass ich wirklich noch kein Buch speziell zum Balkongärtnern besitze. Das muss geändert werden ;-)
    Viele Grüße aus Ye Olde Kitchen, Eva

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    1. Liebe Eva,
      hach, das macht Spaß, wenn man jemanden so schön anfixen kann! :D

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