Freitag, 8. April 2016

[Urlaub] Barcelona

Den Turbohausmann und mich hat es wieder einmal in die Ferne gezogen: Barcelona hat uns arg angelacht, also haben wir zurückgelacht und sind hingeflogen. Der Urlaub war einfach toll, nur kulinarisch ziemlich durchwachsen. Das lag nicht daran, dass wir schlecht vorbereitet gewesen wären, sondern daran, dass wir streckenweise den falschen Ratschlägen gefolgt sind.

Das erste Foto zeigt gleich einmal einen tollen Platz, wo man unbedingt hin sollte auf einen Drink zur Blauen Stunde: Das W Hotel ist ein Hotel der Spitzenklasse, daher waren wir dort wirklich nur auf ein Getränk und haben nicht dort gewohnt, weil leider ist das nicht unsere Preisklasse. Unsere Cocktails waren sehr gut. Vor allem der Wassermelonenmartini ist empfehlenswert. Aber das Tollste ist der Ausblick über die Stadt und das Meer.




Das hier schaut genial aus, war aber ein Reinfall, daher verlinke ich das Lokal auch ganz sicher nicht. Das Brunch & Cake ist ein Schickimicki-Lokal, das durchgestyled ist bis zum Gehtnichtmehr. Die Tische sind wirklich aus alten, abgenutzten Platten, wie man es oft auf Food-Fotos sieht. Das schaut zwar fesch aus, ist aber nicht angenehm, weil man dauernd aufpassen muss, dass man sich keinen Span einzieht. Das war aber nicht das eigentliche Problem: Ich habe Eier Benedikt mit Lachs & Waffeln bestellt. Serviert wurde sehr stilvoll, aber die grüne Sauce auf den Eiern war geschmacklos, die Waffeln, in denen der Lachs war, schmeckten sehr süß, der Salat war nicht mariniert, dafür waren süße Bananenchips und süßes Granola draufgestreut. Das durfte also wieder zurückgehen.

Ganz wunderbar sind die Märkte in Barcelona. Der bekannteste ist der Boqueria, zwar touristisch, aber dennoch okay. Es finden sich halt dann eigenartige Sachen, wie man sie auch am Wiener Naschmarkt sieht, aber die muss man ja nicht kaufen. Der Mercat del Ninot ist klein und fein, da kaufen auch Einheimische ein. Mein Favorit war der Mercat Santa Caterina. Da gibt es wirklich einheimische Besonderheiten jeder Art. Viele Sorten getrocknete Fische, Trockenfrüchte in einer Vielfalt, wie ich sie noch nie gesehen habe. Ich hoffe, man kann es auf dem Foto erkennen: Das sind sortenrein getrocknete Pilze. Das kenne ich von Wien schon auch, aber nicht in dieser Auswahl.


Und diese Märkte sind auch gute Plätze, um sich an den Tapas zu erfreuen. Ursprünglich waren Tapas einfach kleine Teller, die man in Lokalen auf die Weingläser legte, damit keine Mücken ins Glas fliegen. Findige Wirte legten dann kleine Leckereien auf diese Teller, so entstand eine wunderbare Kultur der kleinen Portionen, die aber heutzutage nicht mehr gar so klein sind. Hier sieht man winzige Oktopusse mit Petersilie und im Hintergrund Batatas brava. Was man unbedingt essen muss, sind Pimientos de Padrón, kleine grüne Paprika, die zu 95 % mild und zu 5 % heftig scharf sind, was man ihnen natürlich nicht ansieht.


Wie auch sonst in Urlauben waren wir auch in Barcelona auf einer Foodie Walking Tour. Dieses Mal war das einzige Mal, dass ich drauf verzichten hätte können. Da es sehr viele verschiedene Anbieter gibt, wurde ich gebeten zu schreiben, welcher es war: Wir waren auf der Gourmet Tour von barcelonaturisme.com. Wir sind ca. zwei Stunden von einem Geschäft zum anderen gegangen und haben fast überall von der Auslage aus hineingeschaut. Zu so etwas brauche ich wirklich keinen Führer. So auch bei diesem Gewürzladen, der tolle Bouqutes garni hatte, die ich recht gern mal beschnüffelt hätte, aber dazu war keine Zeit. Die Kostproben waren ein Scherz: ein Zuckerl zum Lutschen, ein Stückchen Schokolade und zum Abschluss waren wir in einem "Schinkenmuseum", ein riesengroßes Geschäftslokal gleich an der Touristenmeile, wo wir in Würfel geschnittenen Rohschinken bekamen. Bitte! In Würfel geschnitten! So isst man keinen Rohschinken, sondern der muss so dünn wie möglich aufgeschnitten sein. Das hat allerdings auch die Führerin gesagt, dass das nicht die optimale Art sei, aber man könne sich ja noch zusätzlich eine Verkostung in dem Geschäft kaufen, da wäre das besser ...

Dabei hätte es so viel zu sehen und zu erzählen gegeben: Das hier sind die berühmten Paradeiser von Katalonien, die man in Barcelona auf fast jedem Brot findet. Diese Paradeiser werden rot und reif geerntet, aber dann noch ein paar Wochen in der Sonne aufgehängt. Dadurch verlieren sie Wasser, zurück bleibt intensiver Geschmack. Und mit diesen Paradeisern wird aufgeschnittenes Brot eingestrichen. Man bekommt in Barcelona fast nur Brot mit Paradeisern, wenn man in einem Lokal Brot bestellt.

 
Auf jeden Fall muss man in Spanien Churros y Chocolate essen. Das war in früheren Zeiten das typische Frühstück der Arbeiter, die durch die harte körperliche Arbeit viele Kalorien brauchten. Die heiße Schokolade in Spanien wird mit Stärke gebunden und ist dadurch so dick, dass man sie mit dem Löffel essen kann. In diese Schokolade tunkt man Churros ein, das ist in Fett schwimmend ausgebackenes Gebäck aus Brandteig. Es schmeckt so üppig, wie es klingt, aber umwerfend gut. Das verlinkte Lokal kann ich wärmstens empfehlen.


Eine weitere Spezialität in Barcelona sind Lokale mit winzigen Häppchen, Pintxos. Die sind wirklich so klein, dass man drei bis vier in einer Hand halten kann. Diese winzigen Dinger sind weitaus aufwändiger gestaltet als Tapas. Es sind teilweise richtige kleine Kunstwerke. Man isst diese Häppchen im Stehen. In jedem Häppchen steckt ein Zahnstocher, der manchmal zum Zusammenhalten der Konstruktion dient, vor allem aber zum Zahlen. Man nimmt diese Zahnstocher mit zur Kasse, dort wird gezählt und man zahlt nach der Anzahl der Stäbchen. Wir waren im Irati essen und es war sehr fein!


Zum Abschluss waren wir noch einmal im Mercat Santa Caterina. Es gibt dort ein recht großes Lokal, in dem frische Zutaten direkt aus dem Markt verkocht werden. Man kann von Sushi angefangen über wunderschöne Salate bis zu lokalen Spezialitäten alles mögliche essen. Die Küche geht über die gesamte Länge des Lokals und man kann die Arbeit in der Küche verfolgen. Das Lokal ist fast immer voll, aber man kann sich an die Bar setzen und etwas Feines trinken, dann findet sich sicher ein Platz. Ich habe die lokale Variante der Paella gegessen, die nennt sich Fideua und es werden kurz gebrochene Spaghetti statt Reis verwendet. Der Turbohausmann hat die "Mountain Style"-Variante versucht, da waren keine Meeresfrüchte, sondern verschiedene Fleischarten und Blutwurst drinnen. Wir waren beide ganz angetan von dem Essen. Und sehr stylish serviert wurde das Essen auch: das waren schwere, gusseiserne Pfannen, die brennheiß waren, sodass das Essen auch gut warm gehalten war.


Das wäre es jetzt eigentlich mit unseren kulinarischen Erfahrungen in Barcelona. Aber da ist noch etwas, das ich unbedingt und dringend empfehlen muss. Zur Vorgeschichte: Vor vielen Jahren war ich einmal in Madrid bei einer Flamenco-Vorführung. Eine richtig tolle, nicht touristische. Und genau so etwas wollte ich unbedingt sehen. Nun gibt es viele Angebote in Barcelona, aber die meisten sind für Touristen gemacht. Der Turbohausmann hat aber einen Schatz gehoben mit dem Jazzsí Club.  Dort gibt es Freitag und Samstag immer Flamenco. Wir waren gleich am Freitag dort und bekamen keinen Platz mehr. Ausverkauft. Aber so etwas von! Also sind wir am Samstag noch einmal hingegangen, haben uns mehr als eine Stunde vor Beginn die Beine in den Bauch gestanden und bekamen wirklich einen Platz. Wir wurden belohnt mit einem unglaublichen Abend! Genau so hatte ich das in Erinnerung und auch der Turbohausmann war begeistert. Der Club ist ganz witzig: Bestehend aus einem einzigen Raum im Souterrain, draußen mit Filzstift handgeschriebene Plakate, die Türe mit Fotos vollgepickt, die Tänzerin gepierced und wir waren garantiert die einzigen Touristen dort. Es war wunderbar und es wäre mein erster Weg, wenn ich wieder nach Barcelona komme, was hoffentlich passieren wird.

Kommentare :

  1. Schöner Bericht, liebe Susi- wenn ich mal wieder Städte-Urlaub machen möchte fällt er mir hoffentlich wieder ein!

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    1. Danke! :)
      Mittlerweile sind ja schon einige Berichte zu Kulinarik im Urlaub hier zu finden, also schau einfach, egal, wo du hinfährst.

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  2. Barcelona....hach....ich muss auch mal wieder hin. Die Stadt ist herrlich.

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    1. Stimmt. Barcelona ist unglaublich schön. Wir kennen uns jetzt aus mit Gaudi und Modernismo in allen Variaten. ;)

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  3. In Barcelona war ich erst einmal und das ist schon, hm, fast 30 Jahre her. Ups. ;-)
    Danke für den informativen Bericht!

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    1. Hihi, das geht mir auch oft so, dass ich zurückrechne und dann denke "ups"! :D

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  4. Hallo Susi,

    danke für diesen wirklich interessanten Bericht. Und danke, dass Du mitgeteilt hast, welche Food Tour man in Barcelona meiden sollte. Wir lassen uns selbst gerne auf Food Touren in die Spezialitäten einer Region einführen, und ein Schaufensterbummel geht da gar nicht. Wenn ich so etwas mache, will ich die Spezialitäten kosten und erfahren, was das Besondere daran ist. Interessant finde ich die Märkte und die Pintxos, und Churros y Chocolate sind für mich ein Grund, wieder nach Barcelona und an die Costa Brava zu fahren - einfach köstlich. Liebe Grüße, Monika

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    1. Liebe Monika,
      genau das war es: ein Schaufensterbummel. Schade! Da geht sicher mehr.
      Ich würde jederzeit wieder nach Barcelona fahren, denn es war wirklich toll.

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  5. Barcelona steht auch auf der Städte-Reise-Liste, mal schauen wann wir das schaffen. Und ich notiere mir gleich mal den Link, damit ich weiß, wo wir essen und wo besser nicht! Immer ärgerlich, wenn man einen Fehlgriff hat...
    Aber solange das Wetter gut und die restlichen Unternehmnungen schön waren - passt es, oder?

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    1. Es kommt halt immer drauf an: Ein Restaurant kann den Koch wechseln und am nächsten Tag ist es nicht mehr, was es einmal war. Solche Links haben daher leider immer ein Ablaufdatum.

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  6. Vielen Dank für den tollen Bericht! Sehr schade dass die Foodie Tour nix war,..da hätt man soviel sehen können,..Aber wenigstens sagst du wer das ist, vielleicht lesens künftige Barcelona Besucher

    lg. Sina

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    1. Der Veranstalter hat mir eh schon ein Mail geschickt, also so eine Massen-Mail, ob es mir gefallen hat. Da werde ich am Wochenende antworten ... ;)

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  7. ist alles abgespeichert... ich hab nämlich zu Weihnachten einen Flug nach Barcelona geschenkt bekommen... lg

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    1. Fein! Dann hab ich das Posting quasi nur für dich gemacht. :)

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  8. Das war ja wieder ein toller Ausflug!!!
    Seh ich das richtig? - war das Essen auf dem Kehrschaufer? . . . ja, was fällt den Leuten nur alles ein??? Pimientos de Padrón zieh ich jedes Jahr auf Terrassien im Eimer . . . bei uns sind meist alle sauscharf . . . so schmunzelte unser spanischer Besuch letztens zwar, was hier im Bayerischen Wald so
    alles wächst, aber als sie dann im Mund ihre inneren Werte offenbarten, verging
    sogar den Spaniern das Lachen ;-) ... ich denke, du wirst sie testen müssen :-)
    Gruß Doris

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    1. Ja, das Essen war auf einer Kehrschaufel. Hat wirklich toll ausgeschaut, aber das allein ist definitiv nix.
      Pimientos habe ich fast jedes Jahr auf Balkonien, aber bei mir werden sie selten scharf. Das ist meine Bergbauern-Lage. ;)

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  9. Muy rico!
    Barcelona ist schon ok ;-) Richtig lecker kann man aber in Madrid essen.
    Liebe Grüsse
    Alejandro & Birgitta

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    1. Ist das immer noch so, dass man Tapas in Madrid einfach so zu Getränken dazubekommt? Mein letzter Madrid-Aufenthalt ist eine gefühlte Ewigkeit her und damals war das so.

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