Freitag, 9. September 2016

[Buchbesprechung] Bitter

Als ich las, dass dieses Buch geplant ist, war ich schon recht angetan. Das Interesse steigerte sich noch, als ich den herausgebenden Verlag sah: AT-Verlag, und noch einmal bei der Autorin: Ela Rüther. Ihr Blog ist in meiner Blogroll, seit ich das erste Mal einen Blick reingeworfen habe: Diese Fotos! Hach! Entsprechend enttäuschen auch die Fotos im Buch ganz sicher nicht.

Mir gefällt überhaupt die ganze Aufmachung: viele neue Köchbücher schauen so nach "Mädi" aus, rosa und (gedachte) Rüschen und lieb und Schnickschnack. Das hier gar nicht: dunkles Cover, klare Fotos, das Essen liegt nicht gleichmäßig über den Tisch verteilt, niemand muss seine Füße mit fotografieren. Man kann (und sollte bitte auch) über diesen Link einen direkten Blick ins Buch machen.

Den Rezepten merkt man an, dass die Autorin gelernte Köchin ist. Sie hat in einigen sehr renommierten Restaurants gekocht, arbeitet nun als Fotografin und Journalistin im Food-Bereich. Genauer nachlesen kann man das hier. Die Rezepte haben eine spannende Unterteilung: Bitter für Anfänger, für Kenner und für Fortgeschrittene, außerdem gibt es noch eine Getränkeabteilung und eine Hausapotheke. Besonders mein Ding ist das Kapitel, in dem sich Sauer und Bitter treffen, denn Zitrusfrüchte sind meine besondere Leidenschaft.

Was mir auch sehr gut gefällt, sind die genauen Erklärungen zum Begriff "bitter", die sich am Anfang des Buches finden: Man lernt, dass bitter nicht gleich bitter ist, warum der bittere Geschmack nicht immer ein Wohlgefühl auslöst und vieles mehr.

Diverse bittere Lebensmittel werden einzeln vorgestellt. Bei den Rezepten gibt es dann Tipps, wie man es noch bitterer bzw. weniger bitter ausführen kann. Vor allem: Ich hab angefangen zu kochen und konnte mich nicht mehr einbremsen. Viele Rezepte sind alltagstauglich und nicht zu schwer. Es ist KEIN vegetarisches Kochbuch, wie meine nachgekochten Rezepte vielleicht vermuten lassen, ich bin halt nicht so die große Fleischesserin, daher haben mich gemüsige Rezepte mehr angelacht.

Generell sind die Rezepte gelingsicher. Bei manchen hat es mich verwundert, wie kleine Änderungen an einem Klassiker den Geschmack verändern können - gratinierten Chicorée mach ich jede Saison mindestens in zwei Varianten, aber die aus dem Buch ist schon sehr, sehr fein. Es gibt ganz schlichte Rezepte und auch sehr raffinierte, das heißt, man findet für jede Gelegenheit das passende Bitterrezept.

Und nun kommt eine kleine Auswahl der nachgekochten Rezepte - ich hab übrigens zwei Wochen lang nur bittere Sachen aus dem Buch gekocht und mein Mann war jedes Mal sehr angetan. Das war der Test, ob nur mir die Rezepte so abwechslungsreich vorkommen, aber sie sind es tatsächlich!


Gebratene Artischocken
Mir Kräutern und Zitrone bekommen sie zusätzliches Aroma, dazu ein Joghurt-Dip. Einfach zu kochen, ruck-zuck (wenn man weiß, wie man Artischocken putzt) fertig für ein kleines Abendessen unter der Woche.

Grapefruit-Smoothie
Eigentlich wäre es ja ein Smoothie aus rosaroten Grapefruits, aber als ich meine aufgeschnitten habe, waren sie gelb, daher schaut mein Smoothie blass aus.
Ja, ich und Smoothies ... Eigentlich mag ich Obst und Gemüse lieber in Stücken essen als im Mixer kurz und klein gehauen, aber es gibt Ausnahmen! Das hier ist so eine. Grapefruitsaft, Orangensaft, Minze und noch ein paar Zutaten ergeben einen runden Geschmack.

Gratinierter Chicorée
Das ist das Beispiel, das ich oben schon angeführt habe: ein Klassiker, der neu aufgemotzt ist und hervorragend schmeckt. Die Haselnüsse aus dem Piemont haben dem Gericht den letzten Schliff gegeben.

Grünteecreme 
Hier habe ich ein wenig schummeln müssen, denn eigentlich müsste da ein Kumquats-Kompott auf der Creme thronen, aber leider habe ich keine bekommen, daher mussten Physalis herhalten, die auch eine nette Bitternote haben. Die Creme schmeckt hervorragend! Ausschauen tut es auch sehr gut, also ein Dessert für Gäste.

Wildkräuterbutterbrot mit Radieschen
Um diese Jahreszeit gibt es deutlich weniger bittere Wildkräuter als im Frühling, aber wenn man eine schlamperte Balkongärtnerin ist, dann wächst irgendwo Ziguri (Zichorie), außerdem hab ich Brunnenkresse. Damit und einigem Schnickschnack hab ich die Kräuterbutter gemacht und sie schmeckt ausgezeichnet. Einmal was anderes als die üblichen Kräuter, die bei mir sonst in Kräuterbutter wandern. Das Radieschen dazu ist die Krönung.





Gegrillter Radicchio mit Orangen
Da mussten Freunde herhalten, die zum Grillen eingeladen waren, die bekamen das als Vorspeise vorgesetzt: Sie waren begeistert! Der Clou ist ja die kandierte Zitronenschale, wobei im Rezept Cedri verwendet werden, die ich aber nirgends bekommen habe. Auch wieder ein Klassiker, die neu interpretiert wurde und sehr fein schmeckt.








Und unterm Strich? Kaufen! Unbedingt. Ich bin noch nicht durch mit den Rezepten, denn auf 240 Seiten haben wirklich viele Platz, aber ich hab eh vor, noch lange zu leben, daher bin ich sicher, dass ich da noch nachkochen werde ohne Ende.

Hard facts:
ISBN: 978-3-03800-924-5
Einband: Gebunden
Umfang: 240 Seiten
Gewicht: 1023 g
Format: 19.5 cm x 26.5 cm
Kosten: 30,80 €

Erhältlich ist das Buch auf Bestellung sicher bei jedem Buchhändler - ihr erinnert euch, dass es so etwas gibt? Ganz sicher kann man es direkt beim AT-Verlag bestellen.  
Bei Steuerflüchtlingen geht das auch, wenn es unbedingt sein muss ...

Ein großes Dankeschön an den Verlag, der mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. Es war wieder einmal eine Freude, ein Buch von euch in der Hand halten zu dürfen.

Und wer bisher durchgehalten hat: Welches Rezept soll ich denn vorstellen?

Kommentare :

  1. toll, toll, toll, deine >begeisterung reißt mich gerade mit. Der Chicoree, auf den bin ich am Meisten neugierig, gefolgt von den Artischocken. Und eigentlich alles.... bin gespannt was du noch so kochen wirst aus dem Buch. Vielleicht unterberche ich auch nochmal mein Kochbuchfasten, wobei, jetzt hab ich mir ja erst das Tomatenbuch zugelegt.

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    1. Hihi, freut mich, wenn ich dich anfixen konnte. Chicorée-Rezept kommt wunschgemäß nächste Woche.

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  2. Ayay! Danke für die Rezension. Ich hoffe, ich werde in der Bücherhalle schnell fündig!

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    1. Ich drück die Daumen, dass du das Buch bald findest. :)

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  3. Oh, vielen lieben Dank!!!! Ich habe ja schon auf facebook die vielen Gerichte bewundert, die mich aus dem Buch angelacht haben und mich wahnsinnig gefreut. Und nun sehe ich auch die dazu passende Buchvorstellung. Vielen herzlichen Dank! .... und ich kann dir sagen: das aufregendste am Rezepteschreiben ist der Moment, wenn jemand es nachkocht. Puh... ich wisch mir erstmal die Schweißperlen von der Stirn ;) lg ela

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