Mittwoch, 30. November 2016

Powidltatschkerl aus der scheenen Tschechoslowakai ...

Jajaja, ich hab natürlich schon mitgekriegt, dass es die Tschechoslowakei schon länger nicht mehr gibt. Keine Sorge, so weit ist die Wechseljahrdemenz noch nicht fortgeschritten. 😊 Auch dass da hinten ein -ei gehört, aber wenn man das korrekt böhmakelt (Übersetzung), dann wird da draus ein -ai und aus schön wird scheen.

Zu den seltenen Gelegenheiten, bei denen ich Powidltatschkerl mache, fällt mir immer das geniale Lied von Hermann Leopoldi aus dem Jahr 1937 ein. Wobei mir das Lächeln, das dieses Lied auf mein Gesicht zaubert, dann schon auch mal einfriert, denn ein Jahr später wurde Hermann Leopoldi ins Konzentrationslager gebracht. In Zeiten wie diesen finde ich es aber enorm wichtig, sich daran zu erinnern, was vor gar nicht so langer Zeit in Österreich und in Deutschland passiert ist. Und leider haben wir nun wieder eine Partei in Österreich, die es schafft, das Übelste, das in Menschen verborgen ist, hochzuholen. Und besinnen wir uns darauf, wie viele Nationen in der österreichischen Küche versammelt sind. Hoffen wird, dass die herrlichen Powidltaschkerl wieder das Gute wecken!

Also: Es gibt wie immer viele Wege, die nach Rom bzw. zur Mehlspeise führen. Bei Obstknödeln darf es bei mir nur Topfenteig sein, bei Powidltatschkerln nur Erdäpfelteig. Da sind wir ÖsterreicherInnen eigen, denn bei den geliebten Mehlspeisen haben wir alle den einen Teig, der als einziger gilt. Ich mag hier gern den Erdäpfelteig, weil man bei dem relativ leicht ohne weitere Ruhezeit Mehl dazugeben kann, wenn das Probe-Powidltatschkerl, das man unbedingt immer machen sollte, sich im Wasser in Wohlgefallen auflöst.

Das wohl gröbere Hindernis ist, dass man kaum brauchbaren Powidl im Handel findet - also ich zumindest nicht. Wer immer Tipps für mich hat, wo man so richtig schnittfesten Powidl, der ohne Zuckerzusatz und Konservierungsstoffe hergestellt wurde, findet, bitte her damit! Ich bin mit dem Powidl meiner Oma aufgewachsen, die noch einen mit Holz beheizten Zusatzherd hatte, auf dem die Zwetschken über viele, viele Stunden ganz sacht eingeköchelt wurden, bis eine recht feste Masse entstanden ist. Diesem Powidl trauere ich immer noch nach.



4 Hauptspeisenportionen

Für den Erdäpfelteig:
½ kg mehlige Erdäpfel
150 g Mehl (glatt oder Allzweck)
30 g Butter 
1 Ei
Salz

Für die Tatschkerln:
Powidl
1 Ei
100 g Semmelbrösel
75 g Butter
Staubzucker
Zimt, frisch gerieben

Backrohr auf 120 Grad vorheizen. Die Erdäpfel schälen, in gleich große Stücke schneiden, in Salzwasser garen. Abgießen und die Erdäpfel im Backrohr 10 min ausdämpfen lassen. Backrohr dann auf 70 Grad runterdrehen.
Salzwasser in einem großen Topf erhitzen.
Die Erdäpfeln noch heiß durch eine Presse drücken, die 30 g Butter gleich dazugeben, damit sie schmilzt, dann diese Masse abkühlen lassen. Mehl mit einer Prise Salz mischen, unter die Erdäpfel-Butter-Masse rühren, das Ei ebenso. Alles rasch zu einem glatten Teig verkneten.
Ein Stück vom Teig abzwicken und ca. 3 mm dick ausrollen und mit einer Kaffeetasse (Ausstecher geht natürlich auch) einen Kreis ausstechen. Bei mir hat die Kaffeetasse 8 cm Durchmesser, was ich für perfekt halte. Das Ei verquirlen und den Kreis damit an den Rändern bestreichen. Einen Teelöffel voll Powidl in die Mitte des Teiges geben, zusammenklappen und die Ränder sehr gut zusammendrücken. Dieses Probetascherl ins siedende Wasser legen und ein paar Minuten warten, ob der Teig hält. Wenn nicht, dann noch einen EL Mehl zum restlichen Teig kneten.
Wenn man von Anfang an mehr Mehl in den Teig gibt, wird der nicht so flaumig, wie er sein sollte, daher ist diese Prozedur leider unumgänglich. Ob der Teig hält oder nicht, hängt von der Stärkehaltigkeit der Erdäpfeln, der Qualität des Mehls und sogar von der Luftfeuchtigkeit ab. Ich komme mit den 150 g Mehl fast immer gut klar, aber manchmal hunzt (Übersetzung) er mich einfach!
Hält das Tatschkerl, rollt man den ganzen Teig aus, sticht Kreise aus. Den verbliebenen Teig noch einmal verkneten und ausrollen, wieder Teigstücke ausstechen. Wie vorhin beschrieben, Teigkreise bestreichen, füllen, verschließen. Die Tatschkerl ca. 8 min. in siedendem (nicht kochenden) Wasser garen.
In der Zwischenzeit die Bröseln in der Butter goldbraun rösten. Ich reibe immer eine kräftige Prise Zimt direkt zu den Bröseln, man kann aber auch zum Bestreuen der Tatschkerl Zimtzucker machen. Die fertig gegarten Tatschkerl in den Bröseln wälzen (vorsichtig!), auf einem ausreichend großen Teller auflegen, ab damit ins Rohr und 10 min. ausdunsten lassen. Mit Staubzucker bestreuen und servieren.






Nun bin ich euch aber noch das Powidltaschkerl-Lied schuldig - Ja so ein Tatschkerl, so ein powidales, das ist doch wirklich etwas Pyramidonales ...





Dieses Posting ist Teil einer Challenge mit süßen Teigtascherln:


Magentratzerl mit  Quarktaschen 

Giftige Blonde mit Strudelteigtaschen

Friederike vom Fliederbaum mit Kletzennudeln

Kommentare :

  1. deine Tatschkerl sind wirklich pyramidonal!! auch danke für die politische Ansage!
    lg

    übrigens, ich glaube, Powidl musst einmal selbst machen...

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    1. Die waren wirklich gut!
      Der Vorteil, wenn man zu zweit die Menge für 4 Personen kocht: Man kann die super aufwärmen und dann einige Male hintereinander essen. :)

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  2. Powidltatschkerl! Die liebe ich. Blöd, dass ich mit dem Kartoffelteig auf Kriegsfuß stehe.
    Und was die Politik angeht..... bei uns wird ja nächstes Jahr gewählt....mir grausts....mal sehen, was da alles zum Vorschein kommt.

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    1. Du könntest dich sicherheitshalber mit dem Erdäpfelteig anfreunden, wenn ihr auch in so einer Situation seid. Er hilft, einiges leichter zu sehen. ;)

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  3. bitte wo san meine Tatschkerl? die liebe ich ja,..und i versteh des Dilemma mit demPowidl, der eigene ist bei mir aus, heuer hab ich keinen gemacht, und ich kenne nur einen einzigen der mir schmeckt, der ist aber nicht bio und gar nix, also für dich eher nix dann,..

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    1. Ist der, der dir außer dem eigenen schmeckt, gezuckert? Sonst würde ich mich mal in die Höhle des Löwen begeben.

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    2. liebe Susi, das kann ich dir gar nicht sagen, weil ich grad keinen da habe. Ich denke aber schon, aber er ist nicht so pickgrauslich süß wie andere Produkte sind. Aber schnittfest ah nit....wobei des meiner auch nicht immer ist. Und bei mir ist außer Essig gar nix drinnen, also Essig und Zwetschken, am Herd eingeköchelt

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  4. Und auch hier, köstlichste Teigtaschen - also ich geh' dann mal mein altes Brot toasten... ;-)

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    1. Altes Brot toasten ist gar nicht schlimm! So ein strammer Max oder was immer du draus machst, ist doch auch was Feines.

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  5. Hallo,

    es gibt doch eingefrorene Zwetschgen zu kaufen. Aus denen könnte man doch Powidl selbst kochen, oder nicht?

    @susanne - ich würde den "Kriegsfuß" einfach mal begraben und es noch mal probieren, mit Kartoffelteig. So schwierig kann das doch wohl nicht sein, zumal eine sehr gute Beschreibung im Rezept steht. Also ran an die Potatoes ...

    Viele Grüße und im Geiste lasse ich mir diese feinen Powidltatschkerl schmecken,
    die meine Oma auch immer gemacht hat
    Iris

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    1. Liebe Iris,
      ich kann keinen Powidl machen, weil ich meinen Herd nicht so weit runterdrehen kann. Schon probiert und immer angebrannt. Leider. Ich bin auf gekauften angewiesen, was mich wirklich ärgert.
      Danke für dein Plädoyer für den Erdäpfelteig. :)

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  6. mmh. daheim wird noch mit Holzofen geheizt und das Powidl wird schön fest.
    und ja der Hermann Leopoldi. Kennst das Lied Schinkenfleckerl? Spätestens seit dem ersten anhören bestell ich sicherlich keine Schinkenfleckerl.

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    1. Liebe Weltbeobachterin,
      ja klar kenne ich dieses Lied auch. Ich bin schon so alt, diese ganzen Lieder habe ich mit meinen Großeltern gesungen, für die das damals moderne Musik war. ;)

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  7. Ich liebe auch Tatschkerl - mach sie auch ab u. an selbst. In Tschechien hab ich sie noch nie auf der Speiskarte gefunden, war erst 3 Tage in Prag und dort verschiedenst essen, aber Tatschkerl standen nirgends drauf. Da packt mich so eine wehmütige Kindheitserinnerung an meine heißgeliebte böhmischstämmige Oma ...
    Gruß Doris

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    1. Liebe Doris,
      die heißen wahrscheinlich ganz abenteuerlich dort.
      Mit der Oma können wir fast abklatschen: Ich hatte angeblich eine Uroma, die böhmische Köchin war, leider habe ich sie nie kennengelernt.

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  8. Herrlich diese Powidltatschkerln! Da ich etwas "ruehrfaul" bin, mach ich den Powidl in einer grossen Keramikrein im Backofen bei 140°-150°C mit leicht geoffneter Tuer; brennt garantiert nix an, wird schnittfest,treibt natuerlich den Stromverbrauch in die Hoeh'.
    lg Andrea Z

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    1. Das werde ich ausprobieren! Dieser Stromverbrauch muss drinnen sein. 😃

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