Wikipedia klärte mich auf, dass die Haferwurzel sehr nahrhaft ist - ja fein, wär doch ein Wunder, wenn ich einmal etwas kaufe, das wenige Kalorien hat. Ein Sprichwort sagt angeblich: „Habermark macht d' Bube stark.“ Da ist es wieder, mein goldenes Händchen, was solche Lebensmittel bzw. Rezepte angeht. Hallelujah!
Vom Geschmack her finde ich die Haferwurzel sehr ähnlich der Schwarzwurzel. Laut Wikipedia ähnelt sie dem Geschmack einer Auster. Dazu kann ich aber nichts sagen, weil ich kann schleimige Sachen gar nicht essen. Meine erste und einzige Auster hinterließ geschmackstechnisch rein gar keinen Eindruck bei mir, nur einen texturtechnischen und der war zum Glück bei der Haferwurzel ganz anders.
Leider waren die Wurzeln nicht nur beim Einkaufen hässlich. Es ist so, dass man laut Bäurin die vielen kleinen Seitenwurzeln nicht abschneiden kann oder gar die Haferwurzel schälen, da sonst der ganze Saft herausrinnt und die Wurzeln werden hart und zäh. Mir ist auch aufgefallen, wenn ich eine stärkere Seitenwurzel doch abgerissen hatte, dass sofort milchiger Saft austrat, der die Hände braun färbt (ist gut abwaschbar).
Das heißt, man kann die Wurzeln nur waschen und bürsten, die ganz feinen Seitenwurzeln kann man ein wenig einkürzen, ebenso das sehr dünne Endstück abzwicken. Ein borstiges Etwas hat man in jedem Fall auf dem Teller.
Laut Bäurin, bei der ich gekauft habe, dünstet man die Wurzeln ein paar Minuten in wenig Wasser, fertig. Das Grün abschneiden und am Schluss mit den Wurzeln mit dünsten.
Das war dann unser erster Versuch: Wenig Butter geschmolzen, ganz wenig Wasser dazu, Wurzeln 5 min. zugedeckt gedünstet, dann das Grün dazu, noch eine Minute gedünstet. Nur gewürzt mit Salz und Pfeffer.
Serviert zu Lammkotelett und roter Polenta.
Nicht ohne Grund habe ich die Wurzeln hinter allem versteckt. Der Geschmack war ausbaufähig.
Bei kulinaria katastrophalia wurde ich fündig bezüglich Versteck-Versuchen. Dieses Mal habe ich beim Dünsten mit Weißwein aufgegossen, das Ergebnis war weitaus erfreulicher als nur mit Wasser. Um jede Wurzel habe ich 3 Bärlauchblätter gewickelt, drumherum Rohschinken, die Röllchen in der Pfanne noch einmal kurz angebraten.
Perfekte Vorspeise! So kann ich diese Wurzeln wirklich empfehlen.
Da landeten zwei Haferwurzeln drinnen: Wurzelkorma nach Nigel Slater, gefunden bei Katha.
Das ist die zweite Empfehlung, die ich uneingeschränkt abgeben kann. Da sieht man die Haferwurzel nicht und sie passt auch geschmacklich gut in das Wurzeldurcheinander rein.
Bei Tischgespräche habe ich den Link zu diesem Wurzelrezept gefunden. Irgendwo in dem Wurzelchaos ist eine letzte einsame Haferwurzel versteckt. Ich habe abweichend zu dem Rezept im Link noch eine halbe Knoblauchknolle zu den Wurzeln gegeben und die Wurzeln ordentlich mit Olivenöl beträufelt. Die Idee, das Gemüse 3 Stunden in diesem Spezialbett aus Backpapier zu garen, ist toll! Allein der Geruch in der Wohnung, der sich im Lauf der Zeit durch den langsam geschmorten Knoblauch verbreitet hat, war den Versuch wert.
Man muss jedoch aufpassen: das Gemüse drückt mit seinem Gewicht nach unten und macht im Laufe des Garens das Papier platt, sodass mein Gemüse dann teilweise am gusseisernen Bräter aufgelegen ist, an diesen Stellen war es schwarz. Also besser unten ein paar Lagen Papier zerknüllen und nicht nur eine Lage, wie ich das gemacht habe. Auf jeden Fall aber eine Empfehlung für dieses Rezept. Man sieht halt dann leider wieder die kleine, hässliche, zerrupfte, borstige Haferwurzel. Also bedingte Haferwurzeleignung.
Zu spät habe ich gesehen, dass Katha in ihrem Wildpflanzenkochbuch auch Haferwurzeln drinnen hat. Ich kenne die Wurzeln nicht als Wildpflanzen, daher wäre ich nicht auf die Idee gekommen, in diesem Buch zu suchen. Jedenfalls werden die Haferwurzeln dort zu Püree verarbeitet, entweder solo oder mit Erdäpfeln gemischt. Das wird ein Projekt für den nächsten Winter.
Und nun ist Schluss mit Wurzeln und Wintergemüse. Vor ein paar Tagen ist bei mir der Frühling auf Balkonien eingezogen und so muss das jetzt bleiben.





