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Freitag, 29. Oktober 2021

Gegrillte Makrele mit Radicchio, Rosinen und Haselnüssen

Hach, vor einem Monat konnten wir noch draußen grillen! Wenn ich jetzt rausschaue, haben wir schon richtiges Novemberwetter: Ich sehe nicht einmal das nächste Haus, weil es so nebelig ist, es ist kalt und nass und ich schreibe viel lieber dieses Posting als dass ich beim Griller draußen stehe. Umso netter ist die Erinnerung an dieses Essen. 

Das war übrigens die erste selbst zubereitete Makrele in meinem Leben und es wird nicht die letzte gewesen sein, denn sie hat sehr gut in die Fischzangen gepasst, in denen sonst nur Forellen auf den Grill kommen. Gut geschmeckt hat die Makrele auf jeden Fall und sie ist eine Abwechslung zu den üblichen Grillforellen.


Eigentlich ist die Makrele der letzte Zubereitungsschritt, denn sie ist rasch gegrillt. Allerdings muss man den Grill vorheizen, wenn man wie wir mit Holzkohle grillt. Wir haben die Markele nur ein paar Minuten von jeder Seite gegrillt. Nachdem es eine Premiere war, haben wir das Thermometer verwendet: 40 Grad muss ein Fisch nur Kerntemperatur haben, dann ist er schön glasig.

Bei uns war es ein Zwischengang, wenn man nur eine Hauptspeise issst, dann braucht man eine Makrele pro Person.

An Gewürzen habe ich nur Salzflocken und frisch gemahlenen Pfeffer auf die ausgelösten Filets gestreut, mehr braucht es nicht.


Für das Radicchiogemüse wird zuerst die Rosinensauce zubereitet: 60 ml Olivenöl in einem Topf erhitzen, 75 g würfelig geschnittene Schalotten hineingeben. Ca. 15 min. braten, bis die Schalotten goldbraun sind. 75 ml Weißwein zugießen, 75 ml Weißweinessig, 75 ml Wasser, 30 g Zucker und 60 g Korinthen dazugeben. Alles köcheln, bis die Schalotten ganz weich sind und die Sauce auf ca. 100 ml eingekocht ist. Bis zur Verwendung zur Seite stelle.

Einen großen Radicchio in Streifen schneiden. In einer Pfanne 1 EL Oivenöl erhitzen, den Radicchio dazugeben und zusammenfallen lassen. Etwa die Hälfte der Sauce zugeben, probieren und dann eventuell noch Sauce nachdosieren. 1 EL grob gehackte, geröstete Haselnüsse und Salzflocken einrühren. Zum Fisch lauwarm servieren.


 

Das ist ein wirkliches Festessen! Ich habe es ausprobiert, ob man das Gästen vorsetzen kann und ja, man kann. Man sollte sogar, denn das Gericht ist gelingsicher und gut vorzubereiten.

 

Fotoupdate von 2025: Hier geräucherte Markele auf dem lauwarmen Radicchio

 

Rezept frei nach Der ganze Fisch

Donnerstag, 26. August 2021

Blauschimmel-Birnenstrudel mit Grappa-Rosinen

In meinem Monatsrückblick auf Juli habe ich von einem Dessert geschrieben, das der Turbohausmann und ich gegessen hatten. Der liebe Felix wollte Genaueres wissen. Im Hintergrund wurden Fotos und Mails herumgeschickt und nun veröffentlichen wir gemeinsam dieses Rezept. Mich hat die Variante von Felix, der Frischkäse mit in die Fülle gegeben hat, mehr überzeugt als die Variante, die wir gegessen haben, wo purer kräftiger Blauschimmellkäse verwendet wurde. Die Variante, die ich nun poste, ist sehr viel netter als die originale. Wer wirklich ausgeprägt kräftige Aromen will, nimmt halt nur Gorgonzola picante oder Stilton oder Roquefort.

Übrigens ist das ein Dessert, bei dem ich wirklich Strudelblätter empfehle. Das ist ein viel stabilerer Teig als der zarte handgezogene. Ich nehme an, dass beim handgezogenen Teig die Fülle, die flüssig wird beim Backen, leichter aus dem Strudel abhaut als durch den stabilen Fertigteig. 

Hier geht es zu dem Rezept von Felix: click



Für 4 Personen

2 Studelblätter (= ½ Packung)
2 EL Butter, geschmolzen
4 fingerlange Stück kräftigen Blauschimmelkäse (hier Roquefort)
4 EL Frischkäse (hier Robiola), zu fingerlangen Stücken geformt

 

Für das Birnenkompott

1 kleine Birne
2 Gewürznelken
1 EL Zucker  

 

Für die Grappa-Rosinen

1 EL Rosinen
2 EL Grappa


Am Vortag die Rosinen in ein Glas mit Twist-Off-Deckel geben. Den Grappa dazuleeren, Deckel zuschrauben. Ab und zu schütteln.

Für das Kompott die Birne schälen, Kernhaus herausschneiden, das Fruchtfleisch in kleine Würfel schneiden. Zucker mit den Gewürznelken in ⅛ l Wasser aufkochen, die Birnenstücke hineingeben, einmal aufkochen lassen. Dann zugedeckt stehen lassen,  bis alles ausgekühlt ist.

Backrohr auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Für den Strudel die Strudelblätter auffalten. Ein Strudelblatt mit viel geschmolzener Butter bestreichen, das zweite Strudelblatt drüberlegen. In vier gleich große Teile schneiden. Auf jedes Teil einen Streifen Blauschimmelkäse, einen Streifen Frischkäse und 1 EL abgetropfte Birnenwürfel legen. Man kann nun entweder Päckchen falten oder die Teigstückchen einrollen. Wichtig ist, dass der Verschluss unten liegt, damit das Gewicht der Strudelpäckchen auf den Teigenden liegt. Nochmals mit Butter bepinseln, in eine mit Backpapier ausgelegte Form legen und im heißen Rohr ca. 20-25 min. backen.

Mit den abgetropften Grappa-Rosinen servieren.

 

Uns hat das Dessert sehr gut geschmeckt und es ist zur Wiederholung vorgesehen.

Gegessen haben der Turohausmann und ich den Strudel urprünglich beim Schandl in Rust (not sponsored).

Mittwoch, 6. November 2019

Ricottaknöderl mit Sugo und Orangenaroma

Man kann immer noch etwas dazulernen: Zum Beispiel, dass es auf Sizilien neben der normalen italienischen Küche die Tradition des Piatto unico gibt: ein einziger Teller kommt auf den Tisch, nicht aufwändig Antipasti, Primi und Secondi,  sondern sehr alltagstaugliche Küche. Dieses Gericht hier hat uns sehr gefallen, da die Aromen wirklich stimmig sind. Für mich hat es abenteuerlich geklungen, Orangen, Rosinen und Paradeiser in einem pikanten Gericht zu kombinieren, nichtsdestotrotz hat es uns ausgesprochen gut geschmeckt.

Was auch zum Einsatz kommt: Mollica. Ich kannte den Einsatz von Brotbröseln in der italienischen Küche bisher nur in Form von Pangratatto. Bei Mollica fresca kommt nur die geriebene Krume von altem, trockenen Brot zum Einsatz, Mollica secca ist das, was wir unter Bröseln kennen, nämlich Kruste und Krume von Weißbrot gemahlen.



Für die Polpette 
80 g Mollica fresca, gerieben (ersatzweise Bröseln)
200 g Ricotta, gut abgetropft (das ist genau eine 250 g Packung, wenn man sie über Nacht in einem Tuch aptropfen lässt)
25 g Parmesan, frisch gerieben
1 Ei (Größe M)
1 EL fein gehackte glatte Petersilie
1 Prise Abrieb von 1 Bio-Orange
Muskatnuss, frisch gerieben
Meersalz
schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

Für die Tomatensauce 
Olivenöl extra vergine
1 große Knoblauchzehe, klein geschnitten
1 geh. EL Strattu (erhältlich in Wien bei CasaCaria oder bei Crupi) ersatzweise Tomatenmark
800 g stückige Tomaten (Dose)
Schale von 2 Bio-Orangen, ohne das weiße Innere, plus Zesten zum Garnieren
1 kleine Handvoll Basilikumblätter, plus mehr zum Garnieren
10 g Rosinen
Meersalz
schwarzer Pfeffer, frisch gemahlene

Für die Ricottaknöderl die Mollica gemeinsam mit Ricotta, Parmesan, Ei, Petersilie, Orangenabrieb und etwas Muskatnuss vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Ricottateig für 15 Minuten in den Kühlschrank stellen.
Inzwischen für die Sauce in einer Pfanne 2 EL Olivenöl erhitzen und den Knoblauch darin sanft andünsten. Den Strattu in 200 ml warmem Wasser verrühren, zum Knoblauch gießen und gemeinsam 1 Minute köcheln lassen. Dann die Tomaten mit 200 ml warmem Wasser, Orangenschale und Basilikumblättern sowie mit den Rosinen in der Pfanne vermischen. Alles mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann etwa 20 Minuten köcheln lassen. Anschließend die Orangenschale entsorgen, die Sauce warm beiseitestellen.
Während die Sauce köchelt, einen breiten Topf mit gesalzenem Wasser aufsetzen und dieses zum Sieden bringen. Aus dem Ricottateig mit den Händen zwölf Klößchen formen und diese ins siedende Wasser gleiten lassen. Sie sollten genügend Platz im Wasser haben, anderenfalls portionsweise arbeiten. Wenn die Polpette aufschwimmen, weitere 8-10 Minuten im Wasser lassen, dann mit einem Schöpflöffel herausheben und in die fertige Tomatensauce legen. Etwa 1 Minute darin ziehen lassen.
Die Ricottaklößchen mit der Orangen-Tomaten-Sauce auf vier Teller verteilen, mit Basilikumblättern garnieren, einige Orangenzesten darüberstreuen, das Ganze leicht mit Olivenöl beträufeln und servieren.



Hier eine private Anmerkung zur Menge: Wenn dieses Gericht nicht Teil eines Menüs ist, sondern wirklich so ein Essen, das mit einem Mal satt macht, dann ist es die Menge für 2 hungrige Menschen. Sonst eben eine Vorspeise für vier.
Ausnahmsweise habe ich absolut gar nichts geändert an dem Rezept, es hat wirklich alles perfekt gepasst. So etwas passiert mir selten! Also wirklich noch einmal ein Hoch auf dieses Sizilien-Kochbuch.

Rezeptquelle: Sizilien in meiner Küche von Cettina Vicenzino

Donnerstag, 8. Dezember 2016

[Rettungsaktion] Stollen für Ungeduldige

Schon mal einen Blick auf das geworfen, was die Futtermitttelindustrie uns seit September in allen Supermärkten andrehen will? Ich mein jetzt nicht nur, dass es einem auf die Nerven geht, dass Weihnachten jedes Jahr ein bissl früher anfängt, sondern vor allem, was da als Lebensmittel angeboten wird. Ein Blick auf die Zutatenliste und ich krieg die Krise!

Vor Stollen drücke ich mich ganz gern, weil man immer eine Weile warten muss, bis man ihn anschneiden kann, was ich sehr böse finde.  Bei diesem Rezept ist Topfen drinnen, der den Stollen saftig macht und das schneller als bei den klassischen Stollen. Natürlich schadet es dem Stollen auf gar keinen Fall, wenn man ihn ein paar Tage rasten lässt, aber wenn die Not sehr groß ist, kann man das Schätzchen schon nach einem Tag Ruhezeit anschneiden.


Kandierte Früchte vom Markt: selber kandieren ist besser, aber nicht immer möglich.


500 g Mehl, glatt
1 Pk. Weinstein-Backpulver
200 g Butter
2  Eier
130 g Mandeln, gemahlen
4 EL Rum
100 g Rosinen
100 g Korinthen
100 g Zitronat, in Würferl geschnitten
100 g Orangeat, in Würferl geschnitten
1 Msp Salz
250 g Topfen
100 g Zucker
Schale einer Bio-Zitrone, abgerieben
Kardamom, Ingwer, Zimt, Muskatblüte – gemahlen, je 1 Messerspitze

50 g Butter, geschmolzen
Staubzucker

Extrem wichtig: kandierte Früchte mit dem Mehl sehr gut vermischen.
Wichtig: Am Vortag Rosinen und Korinthen mit dem Rum mischen. Ich geb alles in ein Glas mit Schraubverschluss, so kann man alles ab und zu durchschütteln, damit alle Mumien zum Leben erweckt werden. 👻

Am nächsten Tag das Backrohr auf 160 Grad vorheizen.

Die kandierten Früchte in Würferl schneiden und sehr gut mit dem Mehl mischen. So verhindert man, dass die schrecklich pickerten Würferl einen einzigen großen Klumpen bilden.
Backpulver unter diese Mehlmischung mischen. Auf eine Arbeitsfläche kippen, eine Mulde machen. Zimmerwarme Butter, Eier, Zucker, Topfen, Mandeln, Zitronenschale, Gewürze, Rosinen und Korinthen in diese Kuhle geben, alles zu einem Teig verkneten. Es zahlt sich wirklich nicht aus, dafür die Küchenmaschine zu verwenden, denn der Teig bindet wunderbar rasch ab.

Den Teig zu einem großen oder zwei kleinen Stollen formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Im vorgeheizten Backofen etwa eine Stunde backen (bei zwei kleinen Stollen reichen 45 min.).

In den letzten 5 min. die restliche Butter in einem kleinen Reinderl mit ins Rohr stellen, um die Butter zu schmelzen. Den noch heißen Stollen damit wieder und wieder bepinseln, bis er die Butter komplett aufgesogen hat. Dann mit Staubzucker ganz dick bestreuen.


Der Stollen hat mich sehr überrascht: Er ist genau so gut wie mein "normaler" Stollen (von dem ich die Zutaten so ungefähr übernommen habe, aber die Butter habe ich reduziert), geht viel schneller und unkomplizierter, vor allem aber behält der hier die Form. Damit habe ich, wie man in dem verlinkten Posting sehen kann, immer gerauft. Hier ist das gar kein Thema gewesen. Der Stollen ist  aufgegangen, aber nicht so ausgeufert. Nun jammere ich nie mehr wieder, dass Stollen kompliziert ist. Ist es wirklich nicht!



Nun auf zu meinen KollegInnen von #wirrettenwaszurettenist! Ich freu mich schon wieder darauf zu sehen, wer mit der Giftigen Blonden und mir alles mitrettet.




giftigeblonde - Schokoladekuchen mit inneren Werten
Obers trifft Sahne - Beschwipster Früchtekuchen
Summsis Hobbyküche - Gewürzkuchen mit Walnüssen 
Cuisine Violette - Christstollen
Friederike Fliederbaum - Pfeffriges Honiggewürzbrot
our food creations - Glühweinkuchen
Dynamite Cakes - Schneeflockentorte mit zimtigem Apfelmus
Barbaras Spielwiese - Linzertorte
The Apricot Lady - Panettone
Vergissmeinnicht - Zimtsternkuchen

Und so schaut mein Stollen angeschnitten aus.

Freitag, 17. April 2015

Polnischer Käsekuchen

Bei meiner Buchbesprechung von Kandierte Orangen fragte Christine nach dem Rezept für Polnischen Käsekuchen, von dem ich nur ein Foto eingestellt hatte. Und wie gewünscht kommt dieses Rezept nun.



Teig:
150 g Mehl
100 g Butter
50 g Zucker
1 Eigelb
1 EL Sauerrahm (Original: Saure Sahne)

Fülle:
500 g Topfen (Original: Schichtkäse, aber den kenne ich nicht)
5 Eier, getrennt
200 g extrafeiner Zucker
140 g weiche Butter
50 g Kartoffelmehl
1 TL Orangenextrakt (da habe ich 2 TL Orangenblütenwasser genommen)
200 g Sultaninen (ich hatte nur Rosinen)
6 Stücke kandierte Orangenschale, gehackt

Puderzucker zum Bestäuben





 
Alle Zutaten für den Teig rasch verkneten - das geht mit der Hand gut, da brauch man nicht extra den Mixer herausholen. In Frischhaltefolie wicklen und 1 St. im Kühlschrank ruhen lassen.
Backrohr auf 180 Grad vorheizen.
Eine Springform mit 20 cm Durchmesser (Achtung! Bei mir 24 cm Durchmesser und wie man auf dem Foto sieht, wäre mir der Topfen davongeronnen, wenn der Backpapier den nicht ein wenig in Grenzen gehalten hätte. Es geht schon mit einer 24 cm-Form, aber ich würde eher Richtung 26 cm tendieren.) einfetten. Ich habe die Form mit Backpapier ausgekleidet. Am Rand bleibt das Backpapier nur picken, wenn man die Form vorher einfettet, im Boden kann man das Papier gut in die Springform einzwicken.
Boden und Rand mit dem ausgerollten Mürbteig auskleiden. Laut Rezept sollte man noch Teig für die Verzierung des Kuchens aufheben, aber da ich eine größere Form genommen habe, blieb mir dafür leider nichts übrig.
Den Schichtkäse durch ein feines Sieb streichen - nachdem ich Topfen genommen habe, der nicht bröselig, sondern schön cremig war, habe ich das ausfallen lassen. 
Eigelbe, Butter und Zucker gut aufschlagen, Schichtkäse bzw. Topfen, Kartoffelmehl und Orangenaroma dazugeben.
Eiweiße steif schlagen und unterheben. Sultaninen (Rosinen) und gehackte Orangenschale behutsam einmengen. Füllung auf den Teig geben und glatt streichen.
Sollte noch Teig übrig sein, wäre jetzt der Zeitpunkt, ein Teiggitter auf die Fülle zu platzieren. Dieses Gitter mit einem verquirlten Eigelb bestreichen. Ich habe den Kuchen einfach so ins Rohr geschoben. 50 min. backen.



Laut Rezept sollte der Kuchen auskühlen und über Nacht im Kühlschrank kalt gestellt werden. Bitte bloß nicht! Wir konnten es wieder einmal nicht erwarten und haben den lauwarmen Kuchen angeschnitten. Der schmeckt so genial, wenn er noch lauwarm ist. Das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.
Erfreulicherweise hält er sich aber wirklich 2 Tage im Kühlrschrank, die Fülle wird halt dann fester, ist aber durchaus noch saftig.
Das ist einer der besten Topfenkuchen, die ich kenne! Wenn man so narrisch auf Zitrusaromen ist, wie ich das bin, dann sollte man den unbedingt nachmachen. Also falls noch jemand von Weihnachten kandierte Orangenschalen hat, dann ist das die perfekte Resteverwertung. Ansonsten gibt es hier meine Anleitung zum Kandieren von Orangenschalen.
Rosinen muss man halt mögen, aber das tun wir eh, also war das für uns ein perfekter Kuchen!

Dienstag, 14. Oktober 2014

Afghanisches Kabuli

Schon längere Zeit verkehrt in unserem Haushalt regelmäßig ein junger Mann, gebürtig aus Afghanistan. Nun hat er tatsächlich für uns gekocht und zwar ein afghanisches Nationalgericht - ich bin sicher, davon gibt es so viele Varianten wie vom österreichischen Erdäpfelgulasch und jede ist die einzige wahre. ;)

Ehrlich: Ich war skeptisch, was da wohl rauskommen würde! Mit dem Alter hat das nämlich anders ausgeschaut, wenn ich gekocht habe. Damals haben sich die Leute tatsächlich Zähne ausgebissen an meiner Pizza. Hundi hat's aber extrem spannend gefunden und gehofft, es fällt was ab. Aber Hundi und ich haben uns beide sehr getäuscht.

Ganz unglaublich gut war es und nachdem der junge Herr sehr sorgsam mit den Lebensmitteln umgegangen ist, ist leider gar nichts fürs Hundi runtergefallen.

Schon allein das Stifteln der Karotten hat mich fasziniert: So sorgfältig in gleichmäßige Stifte schneiden, das sieht man selten. Und in ebenso gleich große Stifte wurden die Zwiebeln geschnitten.


Zur Menge: Es war viel! Da hätte man eine halbe Fußballmannschaft damit versorgen können. Dazu habe ich mir erklären lassen, dass man in Afghanistan immer für Nachbarn gleich mitkocht. Find ich eine sehr schöne Einführung!

Und es wurde eine Unmenge an Öl verwendet - für unsere Verhältnisse halt. Mein Schwager, der in den USA lebt, tät sich jedes Haar einzeln ausreißen - der ist so stolz, dass er eine Pfanne hat, wo er gar kein Öl mehr verwenden braucht. Aber in Afghanistan kommt anscheinend noch mehr Öl hinein als hier, denn die Portion für den Gast muss immer in Öl schwimmen, alles andere würde als sehr unhöflich dem Gast gegenüber angesehen werden. Mittlerweile kenne ich viele Afghanen, die in Wien leben - wir waren im Frühling zum Fest des afghanischen Jahresanfangs, dem größten Fest des Jahres, eingeladen, auf dem einige hundert Menschen waren: Die Leute waren durchwegs schlank. Also an der Ölmenge kann es nicht liegen!


Zutaten für 6  - 8 Portionen:
500 g Basmati-Reis - der einzige wahre für dieses Gericht ist anscheinend der afghanische, der wirklich der längste Langkornreis ist, den ich bisher gesehen habe
1 kg Lammfleisch (Schlögel, aber ohne Knochen gewogen)
1/2 kg Zwiebeln
1/2 kg Karotten
1/8 l Raps-Öl (in Afghanistan nimmt man Sonnenblumenöl)
1/8 l passierte Paradeiser
200 g Rosinen
3 TL Garam Masala
2 x 1 TL Kurkuma
1 Knoblauchzehe, geschält
Salz


Vorarbeiten:
Reis gründlich in einem feinen Sieb unter fließendem Wasser waschen, bis keine Stärke mehr ausgeschwämmt wird. In einer Schüssel mit Salzwasser 2-3 Stunden quellen lassen.
Rosinen heiß waschen und in einer Schüssel mit heißem Wasser 1 Stunde einweichen.


Einen großen Topf mit Wasser zustellen. Wegen der Menge: Darin wird nachher das Fleisch gekocht, das sollte bedeckt sein mit dem Wasser.

Die Karotten waschen, schälen und dünn stifteln. Zwiebel schälen und in genau so große Stifte schneiden. Das Öl erhitzen und erst die Karotten darin sanft schmurgeln lassen, bis sie bissfest sind. Dann alle Karotten gründlich herausangeln, im selben Öl die Zwiebel schmoren - aber ganz sanft! Sie dürfen keine Farbe annehmen.

Während Karotten und Zwiebel schmurgeln, das Fleisch in gulaschgroße Stücke schneiden. Sobald das Wasser kocht, kommt das geschnittene Fleisch hinein und wird 20 - 30 min. geköchelt. Die Gardauer hängt davon ab, wie groß die Würfel geschnitten sind und wie zart das Fleisch ist. Das Fleisch sollte gut durch sein, aber nachdem es nachher noch weiter gegart sein, braucht es noch nicht ganz zart schmecken. Das Wasser bitte nicht wegschütten, sondern das Fleisch mit einem Sieblöffel herausholen.

Den eingeweichten Reis abseihen, ebenso die Rosinen.

In der Zwischenzeit sollten Karotten und Zwiebel halb gar sein. In dieses Öl kommen nun die abgetropfen Fleischwürfel und werden rundherum angebraten. Zwiebel und Karotten dazugeben, mit den passierten Paradeisern aufgießen, Rosinen hineingeben, alles mit Garam Masala würzen und gut verrühren. So viel vom Fleischkochwasser zugießen, dass alles knapp bedeckt ist. Den Reis in einer Schüssel mit 1 TL Kurkuma verrühren, den Reis auf die Fleisch-Gemüse-Mischung leeren. Oben drauf in die Mitte Knoblauchzehe setzen und den zweiten TL Kurkuma auf der Oberfläche verteilen.

Und dann kommt eine abenteuerliche Konstruktion: Auf den Topf kommt ein frisches Geschirrhangerl, da drauf den Deckel vom Topf setzen, einen schweren Topf kopfüber draufsetzen, oben drauf den 5-kg-Sack Reis stellen. Ich denke, dass in den meisten mitteleuropäischen Haushalten die Töpfe gut genug schließen, dass man die Deckel nicht so extrem beschweren muss, aber schaden tut's nicht, das habe ich beim Kosten gemerkt.

Eine halbe Stunde auf kleinster Flamme am Herd garen. Testen, ob das Fleisch schön weich ist, wenn nicht, noch weiter garen. Dann den Knoblauch wegwerfen und alles servieren.



Jo und solche Portionen haben wir dann bekommen, der Turbohausmann und ich. Nun ess ich nicht gerade wenig, aber den Teller habe ich nicht leer gebracht. Also an der Portionsgröße liegt es eindeutig auch nicht, dass Afghanen so schön schlank sind.

Es war extrem gut! Die Zubereitung dauert lang (ca. 2 Stunden), dadurch sind die Aromen sehr gut vermischt. Und alles fügt sich haromisch zu einem wunderbaren Ganzen.

Also wenn jemand sagt, er kocht Kabuli für euch: Nicht zögern, sondern sich herzlich bedanken und auf einen wirklichen Genuss freuen. Ein wahres Festtagsessen.


Einmal darf ich noch bei Peggys Event mitmachen und das tu ich mit diesem Gericht wirklich gern.